KIRCHSCHLETTEN

Rentner aus Kirchschletten sauer wegen Seilbahn vorm Fenster

Renter aus Kirchschletten sauer wegen Seilbahn vorm Fenster
Zehn Meter vor dem Fenster der Wohnung von Reinhold Bayer in Kirchschletten steht die Stütze der neu errichteten Kinder-Seilbahn. Der pensionierte Sportlehrer sagte, der habe nichts gegen herumtollende Kinder, befürchtet jedoch starken Lärm durch die Seilbahn. Foto: Mario Deller

Dass Kinder Gelegenheit brauchen, ihren Bewegungsdrang auszuleben, weiß Reinhold Bayer (67) aus Kirchschletten. „Ganz im Gegenteil, hoch vom Sessel und hinaus, da darf es keine zwei Meinungen geben“, betont der pensionierte Sportlehrer. Er ist dreifacher Opa. Doch dass er als direkter Nachbar beim Bau eines neuen Spielplatzes mit Seilbahn nach seiner Auffassung in der Planung übergangen wurde, stößt ihm sauer auf. Eine Klage auf Rückbau liegt ihm fern, aber er geht in die Öffentlichkeit, um die aus seiner Sicht fehlende Transparenz und Bürgernähe anzuprangern.

Von Bayers Küchenfenster im ehemaligen Pfarrhaus, wo er seit einigen Jahren wohnt, sieht er die Bauarbeiten am Spielplatz. Ein Dorn im Auge ist ihm die dort entstehende Seilbahn in rund zehn Metern Entfernung vom Haus.

Gegen spielende Kinder habe er nichts, sagt der pensionierte Lehrer

Dass beim Nutzen der Seilbahn – vor allem beim Aufschlagen am Ende – ein gewisser Geräuschpegel entsteht, liegt auf der Hand. Als Bayer im November von Mitarbeitern des Bauhofs erfuhr, dass dort neben zusätzlichen Spielgeräten auch eine Seilbahn gebaut werden soll, bat er die Marktgemeinde Zapfendorf die wegen der unmittelbaren Nähe zu seiner Wohnung „wenig sensiblen“ zumindest umzugestalten.

Renter aus Kirchschletten sauer wegen Seilbahn vorm Fenster
Vor Reinhold Bayers Küchenfenster wird ein Spielplatz mit Seilbahn gebaut. Er beklagt, dass die Gemeinde bei dieser Ent... Foto: Mario Deller

„Ich war auch in der Bürgermeister-Sprechstunde, habe auf die zu erwartende Lärmemission hingewiesen, aber man ging auf das Thema Seilbahn überhaupt nicht ein“, sagt Bayer im Gespräch mit dem Obermain-Tagblatt.

Der Rentner sagt, er wolle nicht missverstanden werden: „Kinder sollen ja raus und rumtollen, das ist ja gar nicht der Punkt.“ Es spreche auch nichts gegen eine Gestaltung des Spielplatzes mit „sozialverträglichen Spielgeräten“, von denen es eine Menge gebe. Aber erkönne nicht nachvollziehen, dass der Bau der Seilbahn beschlossen worden sei, ohne das Gespräch mit ihm als unmittelbar Betroffenem zu suchen. „So geht man einfach nicht mit Bürgern um“, findet er. „Das erinnert mich an Politik nach Gutsherrenart , die im 21. Jahrhundert nichts zu suchen hat.“

Gemeindeverwaltung geht auf Alternativvorschlage nicht ein

Der Marktgemeinde hatte Bayer schriftlich vorgeschlagen, die Seilbahn stattdessen am Bolzplatz auf einem Areal Richtung Reuthlos zu bauen, das in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar sei.

Renter aus Kirchschletten sauer wegen Seilbahn vorm Fenster
Reinhold Bayer befürchtet eine Lärmbelastung durch die Seilbahnkonstruktion auf dem neu errichteten Spielplatz nur weni... Foto: Mario Deller

Weil er sicher ist, dass die begonnenen Bauarbeiten nicht wieder rückgängig gemacht werden und mit einer Eskalation keinem gedient wäre, wolle er nicht den Rechtsweg beschreiten will, sagt Bayer. Stattdessen will er nun die Öffentlichkeit auf die aus seiner Sicht mangelnde Bürgernähe aufmerksam machen. Dass es auch anders gehe, beweise etwa die Gemeinde Michelau, wo der Bauausschuss vor Ort im Rahmen einer Sitzung den Dialog mit betroffenen Bürgern gesucht habe, sagte Reinhold Bayer.

Gleichzeitig betont der Rentner, dass er sich über herumtollende Kinder freue: „Das will ich hier noch einmal ganz explizit festhalten.“ An seinem Appell an die Marktgemeinde nach mehr Bürgernähe, Einbindung und Transparenz ändere das allerdings nichts.

Bürgermeister: Am Standort war früher schon ein Spielplatz

Bürgermeister Michael Senger erklärte auf Anfrage des Obermain-Tagblatts, an dieser Stelle sei füher schon ein Spielplatz gewesen. „Weil die Kinder dort eh nur tagsüber spielen, sieht die Gemeinde auch im Zuge einer geltenden Spielplatzordnung hier kein Problem betreffend daraus resultierender Lärmemissionen“, betont er. Zum Vorwurf Bayers, dass der Gemeinderat nicht über den Spielplatzbau beraten habe, verweist der Bürgermeister darauf, dass es sich um „keine grundlegende Neugestaltung“ handele.

Die Dorfgemeinschaft von Kirschschletten sei auf die Gemeinde zugekommen mit dem Wunsch wieder einen schönen Spielplatz im Ort anzulegen, erklärt Senger. Das zentral im Ort gelegene Areal am ehemaligen Pfarrhaus überzeuge außerdem in punkto Verkehrssicherheit. Bei dem von Bayer vorgeschlagenen Alternativvorschlag am Ortsrand sei das anders: „Dort ist kein Gehsteig. Wegen des dort herrschenden Fahrzeugverkehrs kam dieser Standort daher für uns nicht in Frage.“ Weil bislang keine Einwände gegen einen Spielplatz vorgebracht wurden, habe man auch jetzt keine Veranlassung gesehen, einzelne Angrenzer zu befragen.

Raimund Oswald will zwischen den Parteien vermitteln

Um eine beide Seiten berücksichtigende Einschätzung bemüht sich Gemeinderat Raimund Oswald (Grüne). „Unser junger Bürgermeister muss sich natürlich auch erst ins Amt hinein finden, er meint das bestimmt gar nicht böse“, sagt er. Zugleich könne er verstehen, dass Reinhold Bayer sich mehr Gesprächsbereitschaft gewünscht hätte. „Man darf es sich seitens der Marktgemeinde nämlich auch nicht zu einfach machen und muss bei Vorhaben auch den Dialog mit den Bürgern suchen.“ Es wäre ungerechtfertigt, Bayer deshalb den schwarzen Peter zuzuschieben: „Der Reinhold bringt hier nur seine Sichtweise zum Ausdruck, und gerade als direkt betroffener Anwohner muss man ihm das auch zugestehen.“ Oswald versicherte, im Gespräch mit dem Bürgermeister zu vermitteln, mit dem Ziel, den Lärm der Seilbahn eventuell durch eine bauliche Anpassung wie einen den Aufprall dämpfenden Reifen zu reduzieren.

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