BAD STAFFELSTEIN

Raimund Göhlich aus Bad Staffelstein sammelt Konzerttickets

Raimund Göhlich aus Bad Staffelstein sammelt Konzerttickets
Raimund Göhlich sammelt Konzerttickets. Die eingescannten Karten und Abschnitte fülleneinen dicken Ordner. Foto: Monika Schütz

„Das ist meine Welt!“ Raimund Göhlich strahlt und seine Augen leuchten. Vor ihm auf dem Schreibtisch liegt ein dicker Ordner mit wahren Raritäten: Autogrammkarten und Tickets von Konzerten aus über 45 Jahren.

Rückblick: Als zweijähriges Kind sei Raimund immer begeistert vor den Musikboxen in den Gaststätten gestanden und habe „getanzt“. Das hätten ihm zumindest seine Eltern immer wieder lachend erzählt, sagt Göhlich. Dann wird er älter, ein Schüler. Als 15-Jähriger erwachte in ihm die Leidenschaft, Konzerte zu besuchen.

Von „BAP“ über „Santana“ bis zu „Sweet“

Das Angebot in den 1970-ern war im Landkreis Lichtenfels noch sehr groß. Anders als heute, wo man echte Größen „erst ab Nürnberg oder Hof“ findet, gab es hier noch Auftritte von „BAP“ (Lichtenfels), „Santana“ (Staffelstein) oder Herbet Grönemeyer in Altenkunstadt. „Sweet“ trat in der Stadthalle in Burgkunstadt auf (1973, Göhlichs erstes Konzert), die Rockbands „Scorpions“ und „Omega“ spielten im Bergschloss (1975) – und Raimund Göhlich war immer mit dabei.

„Unsere Mutter ist gefahren und hat uns auch wieder abgeholt“, erinnert er sich vergnügt an diese Zeit. Damals wohnte die Familie noch in Hochstadt. Die Tickets waren zu dieser Zeit relativ günstig, und Raimund konnte sich mit regelmäßiger Ferienarbeit schon einige selbst kaufen: „Wir haben die weißen Streifen gezogen auf den Parkplätzen, das war in der Nähe vom Bahnhof“, grinst er.

Mit einem ockerfarbenen Simca zu Konzerten in ganz Deutschland

Raimund Göhlich aus Bad Staffelstein sammelt Konzerttickets
280 Konzerttickets von 289 Musik-Veranstaltungen hat Raimund Göhlich schon gesammelt. An derWand hängen persönliche Erin... Foto: Monika Schütz

Aus dem Schüler wurde ein Lehrling zum Industriekaufmann. Das erste Mokick wurde gekauft. Mit 18 machte Göhlich den Auto-Führerschein, und ein Jahr später war es ein ockerfarbener Simca, den er sein eigen zählen durfte und der ihn und seinen Bruder Oliver stets sicher zu den Konzerten brachte.

„Ich hab mich dann sogar getraut, die Musiker anzusprechen und um Autogramme zu bitten.“
Raimund Göhlich, Live-Musik-Fan

Zeitsprung ins Jahr 2021: Raimund Göhlich wohnt längst in Bad Staffelstein, er ist knapp 63 Jahre alt und hat vor, nächstes Jahr in den Ruhestand zu gehen. Die gesammelten Eintrittskarten hat er eingescannt und auf optimale Größe für den dicken Ordner gebracht, die Konzertbesuche sind chronologisch vermerkt. 280 verschiedene Bands und Solisten hat er auf 289 Musikveranstaltungen besucht, von Lichtenfels bis Berlin, von Stuttgart bis München. Fast immer sind er und sein Bruder Oliver nach den Veranstaltungen noch heim gefahren, nur gelegentlich, wie in Berlin und Stuttgart, blieben die Brüder bei Bekannten zum Übernachten.

Mit dem Alter kam auch der Mut. Raimund Göhlich lacht: „Ich hab mich dann sogar getraut, die Musiker anzusprechen und um Autogramme zu bitten.“ Manchmal gar nicht so einfach – auch vor 40 Jahren gab es schon Security. Meist aber war er erfolgreich. Im Obergeschoss zieren seine Autogrammkarten viele Wände: „Uriah Heep“ und „Scorpions“, „Saga“, „Toto“, „Foreigner“ und viele mehr unterschrieben extra für ihn. Ian Paice, der Schlagzeuger von „Deep Purple“ schenkte ihm gar die beiden Drumsticks mit Unterschrift.

Von der deutschen Band „Scorpions“ holte er sich nicht nur ein Autogramm, sondern auch den Tipp, dass die Musiker nach dem Konzert im Bergschloss auf einen Drink in die damalige Diskothek „Mississippi“ gehen würden. Klar, dass Göhlich auch „zufällig“ da auftauchte.

Das erste Konzert nach einem schweren Unfall

Dann erinnert sich Göhlich an das denkwürdige Jahr 1999: Im Januar erlitt er einen schweren Unfall, wurde, während er selbst bei einem Unfall auf spiegelglatter Straße in der Nähe von Hof Erste Hilfe leistete, schlichtweg überfahren. Er brauchte viele Monate, um wieder auf die Beine zu kommen. Konzertbesuche waren nicht möglich. Bis zum September. Die Rock-Band „Great White“ hatte einen Auftritt in Nürnberg und bot ihm einen Platz backstage an: „Die Jungs haben wohl gesehen, dass ich mit meinen zwei Krücken quäle, und haben mir einen Platz direkt ganz vorne neben der Bühne angeboten. Schöne Geste.“

Summa summarum 6500 Euro nur für Konzerttickets

Ganz besonders toll war für ihn der 13. Februar 2015: „Queen“ spielte in Stuttgart. Zwar ohne Freddy Mercury, aber mit einer fantastischen Vorstellung. Göhlich gelang es, selbst Fotos während des Konzertes zu machen. Meist ist das nicht erlaubt, sagt er jetzt im Nachhinein, Glück gehabt.

Seit 2019 hängt das Ticket überm Schreibtisch

Zu vielen seiner Lieblingssbands reiste er öfters: achtmal zu „Blue Oyster Cult“ und „Jethro Tull“, neunmal zu „Kansas“, zwölfmal zu „Manfred Mann?s Earth Band“, 13-mal zu „Saga“ und ganze 15-mal zu „Deep Purple“.

Da sind im Laufe der Jahre ganz schöne Mengen an Ticketkosten zusammen gekommen, rechnet er vor und Mark um in Euro. Er kommt auf sechseinhalbtausend Euro. 13 Mark für Udo Lindenberg, als er in Hof spielte, zeigt er auf ein Ticket von 1975 – oder hier, zwölf Mark Eintritt für „Status Quo“, das war ein Jahr später. Schon schwelgt er wieder in Erinnerungen. Seine Frau Ljuba schmunzelt, sie freut sich über das Hobby ihres Mannes. Und nächstes Jahr im Ruhestand wird er dafür vielleicht noch mehr Zeit haben. Wenn er nicht gerade einen Reisebericht vorbereitet oder in einem seiner hunderten Bücher schmökert.

Raimund Göhlich aus Bad Staffelstein sammelt Konzerttickets
Das Ticket vom Auftritt der deutschen Rockband Atlantis mit einem Autogramm auf der Rückseite ist das erste Sammlerstück... Foto: Monika Schütz

Vielleicht klappt es ja auch im nächsten Jahr mit dem Ticket, dass seit 2019 über seinem Schreibtisch hängt und das ist noch nicht eingelöst werden konnte. „Zweimal schon ist das Konzert ausgefallen und verschoben worden: ,Ozzy Osborne‘ mit Vorgruppe ,Judas Priest‘ – mal schauen, wann es endlich stattfinden kann.“

Manche Musiker sind ständig auf Abschiedstour

Er würde sich freuen. Sein bisher letzter Konzertbesuch war schließlich schon 2019, als Glenn Hughes nach Wunsiedel kam. Und da ist noch etwas, was den Klassikrock-Liebhaber nachdenklich werden lässt: Die Sänger und Gruppen werden immer älter und gehen ständig auf irgendeine Abschiedstour. Phil Collins etwa war schon 2004 auf Abschiedstour – und jetzt plant er schon wieder eine Tournee. Auch die Preisentwicklung sieht der Bad Staffelsteiner kritisch: „Was früher ein Mark-Preis war, ist bei ganz vielen eins zu eins in Euro umgewandelt worden – das ist nicht schön.“

 

Schlagworte