Quartiersmanagement: Erfolge brauchen Mut und Begeisterung

Michael Böhm ist seit 2018 Quartiersmanager in Bad Staffelstein und arbeitet in dieser Position für eine erfolgreiche Entwicklung der Innenstadt. Die Wiederbelebung des markanten Gebäudes im Hintergrund, der frühere Gasthof „Adam Riese, ist eines seiner nächstliegenden Projekte. Foto: Markus Drossel

Bad Staffelstein Vor einigen Tagen hatte Michael Böhm in der Kutschenhalle auf Kloster Banz einen ganz besonderen „Auftritt“: Der Staffelsteiner Quartiersmanager moderierte die Auftaktveranstaltung für das bundesweit beachtete Projekt „Milas“, das schon Ende dieses Jahres die ersten Testfahrten mit autonom fahrenden Kleinbussen nach Bad Staffelstein bringen wird. Böhm wird ein großer Anteil daran zugeschrieben, dass dieses High-Tech-Projekt in der Adam-Riese-Stadt verwirklicht wird. Für seine Arbeit zur Weiterentwicklung der Kurstadt ist es ein Meilenstein. Wir stellten dem Quartiersmanager einige Fragen zur bisherigen Bilanz.

Frage: Sie sind seit 2018 Quartiersmanager in Bad Staffelstein. Was waren und sind unbedingte lokale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit vor Ort?

Böhm: Die Kenntnis der lokalen Strukturen und ein vielseitig ausgerichtetes Netzwerk im Quartier und zum Teil weit darüber hinaus, sind die wesentlichen Erfolgsfaktoren für ein umfassendes Quartiersmanagement.

Wie muss ein Quartiersmanagement aufgestellt sein, um erfolgreich zu sein?

Böhm: Für die erfolgreiche Umsetzung einzelner Projekte müssen natürlich alle Partner von den Ergebnissen für die Stadtgemeinschaft begeistert werden und ein gemeinsames Ziel für das Quartier und die Stadt verfolgen. Hierbei können umfangreiche Kenntnis zu bisher geplanten Projekten und Aktionen – und auch deren Erfolgsaussichten – von unschätzbarem Wert für alle Akteure sein.

Was müssen die außerstädtischen Partner leisten, damit Ihre Arbeit fürs Quartiersmanagement und für die Partner möglichst immer eine win-win-Situation bleibt?

Böhm: Kooperationswillen und Mut für außergewöhnliche Maßnahmen und Aktionen aufbringen. Die Win-Win-Faktoren liegen aber schon in der Vorbereitung und den vorherigen Absprachen mit den Akteuren. Nur so können Maßnahmen in der Stadtgemeinschaft optimal platziert und umgesetzt werden.

Welche Projekte konnten Sie abschließen, was haben diese nachhaltig gebracht und welche weiteren Projekte für Bad Staffelstein plant der Quartiersmanager?

Böhm: Mit der BR-Radtour 2019 konnte ein Drei-Tages-Event nach Bad Staffelstein gebracht werden, von dem die Stadt heute noch – dank der umfangreichen Medien-Präsenz auf allen Kanälen des Bayerischen-Rundfunks und der lokalen Berichterstattung – erheblich profitiert.

Als nachhaltig kann man auch das Wachstum der Adam-Riese-Unternehmergemeinschaft deklarieren, welche ab 2019 von 26 auf über 80 Mitglieder gewachsen ist. Gerade in der Pandemie war diese Gemeinschaft ein großer Rückhalt für viele Unternehmen.

Mit dem Projekt Milas – autonome Shuttles in einem autonomen innerstädtischen ÖPNV-„Netz“ – konnten ich ein durch den Bund gefördertes Projekt nach Bad Staffelstein bringen, welches die innerstädtische Anbindung an die Obermain-Therme perfekt optimiert.

Zudem konnten aus den bayerischen Sonderfonds zur Städtebauförderung ca. 440 000 Euro für zusätzliche innerstädtische Projekte akquiriert werden.

Im Bereich der Unternehmensansiedlung konnten wir 2021 ein Unternehmen in Bad Staffelstein begrüßen und zwei weitere interessieren sich für eine Ansiedlung. Für die ansässigen Unternehmen konnte ein Pop-Up-Store eingerichtet werden, welcher gerade in der Pandemie vielen Unternehmern beim Abverkauf von Lagerwaren als perfekte Ergänzung diente. Für das Quartier konnten auch einige Investoren interessiert werden, welche sich aktuell nach passenden Objekten umsehen.

5. Thema Innenstadt: Mit welchen Mitteln und Ideen gehen Sie gegen Leerstand beim Einzelhandel in der Kernstadt an und wie brenzlig – oder auch nicht –schätzen Sie dieses Thema derzeit für Bad Staffelstein ein?

Böhm: Bei einem Besuch in Bad Staffelstein fallen einem folgende Objekte im Sanierungsgebiet ins Auge: die ehemalige Adam-Riese-Gaststätte, das Bären-Areal, die ehemalige Hypovereinsbank und der Bahnhof. Die letzten drei Objekte sind im Besitz der Stadt Bad Staffelstein.

Die Planungen für die ehemalige Gaststätte „Adam Riese“ sind sehr weit fortgeschritten, hier suche ich einen neuen Partner, mit dem diese zeitnah umgesetzt werden können.

Im Jahr 2020 wurde der Wettbewerb zum Bären-Areal abgeschlossen und aktuelle werden die weiteren Maßnahmen zur Freistellung vorbereitet.

Für das Gebäude Bahnhofstraße 2 (ehemalige Hypo) laufen die Nutzungs- und Umbauplanungen. Der Bahnhof wird nach dem Umbau der Bahnsteige in Angriff genommen.

Auch wenn man noch den ein oder anderen kleinen Leerstand entdeckt: Es gibt in Bad Staffelstein eine große Nachfrage. Gesucht werden besonders große Flächen, die wir zurzeit nur schwer finden können. Aus diesen Gründen kann die Stadt sehr zufrieden mit der aktuellen Entwicklung für das Sanierungsgebiet sein, da hier alle Akteure gemeinsam die Möglichkeiten ausloten und im Bedarfsfall einem Interessenten zur Seite stehen.

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