EBENSFELD

Professor Matthias Drossel: Was ein Corona-Tester erlebt

Bestens geschützt, arbeitet Professor Matthias Drossel ehrenamtlich als Abstreicher im dezentralen Corona-Testzentrum in... Foto: red

Als er den Aufruf von Bürgermeister Bernhard Storath las, das für das neue dezentrale Testzentrum ehrenamtliche Helfer gesucht werden, zögerte Matthias Drossel nicht lange. Der 36-Jährige wollte bei der Pandemiebewältigung unbedingt mithelfen. Was er seither erlebt hat, schildert er wie folgt:

„Als Akademieleitung und Professor für Medizinpädagogik liegt mir die Versorgung der Bevölkerung am Herzen. Das Ehrenamt, Engagement und das Interesse am Nächsten sind einer meiner zentralen Forschungsschwerpunkte in der Versorgung.

Genau an diesem Punkt mit eigenem Engagement ansetzen. Das ist die Chance für mich. In einer besonders schweren Zeit wie dieser, Sars-Cov-19-bedingt, wichtiger denn je.

Als klar wurde, dass auch hier in meinem Heimatort Ebensfeld ein Testzentrum eröffnet wird, ergab sich die Chance, auch vor Ort aktiv zu werden. Sehr interessant war für mich das erste Treffen. Es hatten sich wohl mehr als 60 Personen gemeldet. Das ist schon sehr beeindruckend für mich gewesen. Natürlich nicht jeder für die Rolle des Testers, aber genau auch das macht Ehrenamt aus: Jeder bringt sich mit seiner Stärke in die Runde ein.

Die Anspannung ist deutlich zu spüren

Durch die Eintragung in eine Liste hat man die Möglichkeit vorzugeben, wann eine Einteilung ideal ist. Man merkte allerseits die Anspannungen. Jedoch wurden wir einerseits mit gutem Sachverstand von einem Experten, Michael Göbel vom Bayerischen Roten Kreuz, in das Thema der Testung eingeführt. Weiter merkte man sehr schnell und deutlich, dass sich jeder einzelne mit seinem Fachwissen einbringen konnte.

Allgemein herrschte eine sehr angespannte Atmosphäre. Schnell wurde auch hier deutlich, dass es nicht um die eigene Gesundheit ging, sondern vielmehr darum, dass der erste Testtermin zu einem Erfolg wird und dadurch dann auf Akzeptanz bei den Einwohnern in Ebensfeld stößt. Jeder war aktiv und engagiert.

„Viele kommen und überspielen ihre Sorge, andere haben tatsächlich keine Sorgen.“
Professor Matthias Drossel, Abstreicher im Testzentrum

Freiwillige, die noch schnell zusätzlich eingesprungen sind, aber auch Mitarbeiter der Gemeinde, beispielsweise Tobias Walter und Christina Keller. Die Offenheit und Bereitschaft, den Prozess zu optimieren, war die Königsklasse. Der erste Termin und die ersten positiven (im Sonne von Corona positiv) Ergebnisse waren in der Testzentrumrunde eine Mischung aus ,Wachrütteln' und der Sorge um die Personen, die mit so einer Krankheit nach Hause gehen. Ich konnte deutlich spüren, dass es keinem in der Runde auch irgendwie nur ansatzweise egal war.

Ich selbst durfte an diesem Tag als Tester, als Abstreicher, agieren. Ganz klar, die Nähe zum Menschen, das Angst nehmen: Dies alles habe ich in meinem ursprünglichen Beruf, Gesundheits- und Krankenpfleger, auf den ich sehr stolz bin, gelernt. Hier kann ich diese Techniken einsetzen: bei Kindern bis zu Senioren. Alle Altersgruppen sind vertreten. Mit all den unterschiedlichen Schwerpunkten.

Kommunikation ist der Schlüssel zum Glück

Kinder haben mehr Angst vor dem Test, Senioren eher Angst vor einem positiven Ergebnis. Genau darauf muss man unbedingt unterschiedlich reagieren. Und dann sind hier noch die Eltern der Kinder. Kommunikation ist dabei der Schlüssel zum Glück. Jeder Mensch braucht da etwas anderes. Viele kommen und überspielen ihre Sorge, andere haben tatsächlich keine Sorgen.

Vertrauen aufbauen, Sicherheit vermitteln, gut informieren. Die Herangehensweise ist nicht nur aufgrund der Hersteller der Test-Kits verschieden, sondern für jede Person muss die richtige Art und Weise gefunden werden.

Ganzkörperkittel, Plastikvisier, Handschuhe und Maske

Sobald man die umfangreiche Schutzausrüstung, Ganzkörperkittel, FFP2-Maske, Handschuhe und Plastikvisier vor dem Gesicht trägt, fühlt man sich noch sicherer. Weitere umfassenden Flächendesinfektionsmaßnahmen und Händedesinfektionsmaßnahmen tragen einen weiteren wesentlichen Beitrag dazu bei, dass weder Personal, noch zu Testende sich anstecken. Abstandsregeln und ein gut koordinierter Ablauf der Stationen, von Anmeldung, Tester, Auswerter, bis zur Ausgabe des Ergebnisses, sind Schlüsselfaktoren für einen reibungslosen Ablauf.

Da es keine Terminvergabe gibt, haben die Personen teilweise Wartezeiten. Bei durchschnittlich 60 bis 70 Tests in der Zeit von zwei Stunden aber dennoch im Rahmen. Selten, dass mal länger als 15 bis 30 Minuten gewartet werden muss. Gerade für Personen, die nicht so firm mit dem Internet sind, ist ein Vorbeikommen ohne Online-Buchung wunderbar. Auch für die spontanen.

Es bleibt die Frage: Wie mit den Coronaskeptikern umgehen?

Zum Glück sind mir noch keine Coronaskeptiker in Ebensfeld bei der Teststelle begegnet. Aber gut, auch das wird mal passieren und muss ich akzeptieren. Solange die Personen sich an alle Regeln halten, finde ich es auch völlig in Ordnung, dass wir in Deutschland offen diskutieren können.

Sehr beeindruckend ist für mich, dass sich Personen auch mehrmals im Monat engagieren. Obwohl sie kleine Kinder, eine Familie, einen Beruf haben. Und dann noch in der Freizeit zurückstecken. Ich hoffe diese positiven Trends bleiben auch nach der Pandemie erhalten. So dass wir auch dann noch aufeinander achten, für andere da sind und uns ehrenamtlich weiter so engagieren. Leider ist der Trend ja eher rückläufig.

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