BAMBERG

Pferde schenken Selbstvertrauen. Therapie in Bamberg

Hilfe nach Gewalterfahrungen kann eine Pferdetherapie bringen. Doris Semmelmann und Denise Heinlein, die Vorsitzenden des Vereins „Equus – Interaktion zwischen Mensch & Pferd“ organisieren Workshops bei Bamberg. Foto: Christine Engel

Posttraumatische Belastungsstörungen oder Gewalterfahrungen – das sind Diagnosen von Menschen, denen der Verein „Equus – Interaktion zwischen Mensch & Pferd“ hilft. Der Verein mit seinen Vorsitzenden Doris Semmelmann und Denise Heinlein organisiert und setzt „Horse Sense & Healing Workshops“ nach dem Konzept von Monty Roberts und mit Einsatz von Pferden ehrenamtlich um. Eva Gottstein, Beauftragte der bayerischen Staatsregierung für das Ehrenamt, würdigte am Tag der Pferde das Engagement von Equus.

Monty Robert ist einem breiten Publikum durch den Roman „Der Pferdeflüsterer“ bekannt, in dem seine Arbeit mit Pferden und deren Angst zu überwinden, beschrieben wird. Die pferdegestütze Arbeit mit Menschen, die wieder lernen müssen, Vertrauen aufzubauen, ist eine unbekanntere Schiene von Monty Roberts. Die Gründerinnen und Gründer des Vereins „Equus“ lernten sich über diese Schiene kennen und riefen den Verein im Jahr 2019 in Bayern ins Leben. Mittlerweile hat er 15 aktive Mitglieder. Dazu gehören ehrenamtliche Pferdeinstruktoren, ehrenamtliche Therapeuten und ehemalige Kursteilnehmer, die ihre Erfahrungen weitergeben und bei organisatorischen Arbeiten unterstützen. Ein ehemaliger Teilnehmer hat sogar ein Pferd gespendet.

„Man gibt Freiheit und durch Vertrauen kehrt das Pferd zurück. So werden Misstrauen, Ängste und Selbstzweifel abgebaut.“
Doris Semmelmann, Vorsitzende des Vereins „Equus“

„Wir sind ein kleines ehrenamtliches Team und wir haben uns ursprünglich über Monty Roberts kennengelernt“, erzählt Doris Semmelmann. „Uns war es ein großes Bedürfnis, seine Idee, mit der er Menschen unterstützt, nach Deutschland zu bringen.“

Die Workshops, die „Equus“ anbietet, finden mehrmals pro Jahr über jeweils ein Wochenende statt, auf einem Pferdehof in Bamberg, der dem 2. Vorsitzenden gehört. Die sechs bis zwölf Teilnehmenden kommen dabei aus ganz Deutschland und werden oft über den Verband deutscher Einsatzveteranen darauf aufmerksam, mit dem „Equus“ kooperiert, da, so Doris Semmelmann, es gerade Männern schwer falle, sich pferdegestützte Interventionen selbst einzulassen.

Für Soldaten, Polizistinnen oder U-Bahn-Fahrer mit Traumata

Zu den Workshops mit Psychologen und Therapeuten kommen Menschen mit Traumata, die sie in beruflichen Einsätzen erfahren haben, wie beispielsweise Soldaten und Soldatinnen, Polizistinnen und Polizisten oder Feuerwehrleute. „Auch zum Beispiel U-Bahnfahrer“, erzählt Doris Semmelmann. „Menschen, die in ihrem Beruf grauenhafte Sachen gesehen haben. Sie haben eine posttraumatische Belastungsstörung oder Traumafolgestörungen. Sie bekommen Flashbacks und ziehen sich sozial zurück und verlieren ihre Lebensfreude.“

Die Workshops finden in einem abgeschlossenen Bereich statt, in dem sich das Pferd frei bewegt. „Es gibt dann den Moment, in dem sich das Pferd frei entscheidet, dem Menschen zu folgen. Man gibt Freiheit und durch Vertrauen kehrt das Pferd zurück. So werden Misstrauen, Ängste und Selbstzweifel abgebaut“, erzählt Doris Semmelmann das Vorgehen.

„Es ist faszinierend, wie mit Hilfe von freilaufenden Pferden das Vertrauen der Menschen, die Grauenhaftes sehen und erleben haben müssen, wieder aufgebaut wird“, sagt Eva Gottstein. „Ich bin sehr dankbar, dass Doris Semmelmann die Idee aus den USA nach Deutschland gebracht hat und sich hier ehrenamtlich darum kümmert, dass Menschen mit Traumata diese Therapie bekommen können.“

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