EBENSFELD

Ostumfahrung für Ebensfeld bleibt vorerst Traum

Ostumfahrung für Ebensfeld bleibt vorerst Traum
Noch verläuft der gesamte Verkehr zwischen dem Kelbachtal und Ebensfeld über die „alte“ Staatsstraße 2187. Diese wird in nicht allzu ferner Zukunft nur noch den Rang einer Gemeindeverbindungsstraße einnehmen, sobald die „neue“ Staatsstraße 2187 mit Anbindung an die A73 fertig ges... Foto: Mario Deller

Bei Gewerbeansiedlungen sagt eine Kommune in der Regel nicht nein – doch nimmt man dadurch auch in Kauf, dass mitunter mangels vorhandener Ausweichrouten (noch) mehr Fahrzeuge durch den Ort rollen. Und da liegt momentan in Ebensfeld der Hase im Pfeffer.

Vor dem Hintergrund der in den Startlöchern befindlichen Gewerbegebietserweiterung „Ebensfeld-Nord III“ sowie im Zuge des ebenfalls angelaufenen Städtebauförderungsprojekts hatte die Kommune ein Verkehrskonzept in Auftrag gegeben. Dessen öffentliche Darlegung in einer Sondersitzung war begleitet von einer heftig geführten Diskussion um die künftige Strategie zur Entzerrung der Verkehrsströme im Ort.

Anbindung des Kelbachgrunds an die Autobahn soll Ebensfeld entlasten

Immerhin rund zwei Dutzend Gäste aus der Bevölkerung nutzten die Gelegenheit, dieser richtungsweisenden Sondersitzung in der Pater-Lunkenbein-Halle beizuwohnen. Des Weiteren hatte Bürgermeister Bernhard Storath Katrin Roth und Norbert Schmitt als Vertreter des Staatlichen Bauamts eingeladen sowie Frank Schönfelder und Ingo Jacobsen von der Planungsgruppe Strunz, die mit der Ausarbeitung des Verkehrsgutachtens beauftragt war.

Jacobsen erläuterte eingangs die Ergebnisse des Verkehrsgutachtens. Grundlage bildete eine Verkehrszählung am 5. Oktober. 6475 Kraftfahrzeuge passierten an diesem Tag die Ebensfelder Hauptstraße. Die Verlegung der Staatsstraße 2187 zwischen Ebensfeld und Prächting mit Anbindung des Kelbachgrunds an die A73 soll die Zahl der Kraftfahrzeuge auf 4440 pro Tag senken.

Gewerbegebiet Ebensfeld-Nord III wird aber neue Belastung bringen

Allerdings werde aus dem neuen Gewerbegebiet Ebensfeld-Nord III allmählich wieder ein Anstieg bis auf rund 6300 Kraftfahrzeuge pro Tag resultieren. Deshalb erachtet die Planungsgruppe Strunz eine Ostumfahrung als „wirksame und dauerhafte Möglichkeit der Verkehrsentlastung“ mit einer möglichen Senkung auf nur noch rund 2000 Fahrzeuge.

Ostumfahrung für Ebensfeld bleibt vorerst Traum
Eine Ostumfahrung (blaue Linie) wäre das Non-Plus-Ultra in Sachen Verkehrsentlastung. Aber eine solche wäre (noch) mit z... Foto: Grafik: Planungsgruppe Strunz Bamberg

Vor diesem Hintergrund plädierten Freie Wähler, SPD und Grüne dafür, dass der Markt Ebensfeld das vorliegende Verkehrskonzept dahingehend umsetzen sollte, dass dieses „eine Ortsumfahrung als mögliche Anbindung der Gewerbegebiete Ebensfeld und Unterneuses sowie der auszubauenden Staatsstraße 2187 an die A73 beinhaltet“. Der zweite Part dieses Beschlussvorschlags zielte außerdem darauf ab, alle Möglichkeiten hinsichtlich Planung und Finanzierung zu nutzen und ein „notwendiges vorläufiges Aussetzen des Neubaus der Staatsstraße 2187 zu erwirken“.

Die Vorbereitungen sind schon weit gediehen

„Durch das Gewerbegebiet wird die Kelbachtrasse den Anforderungen in keinster Weise mehr gerecht“, meinte etwa Barbara Schatz (Grüne), die aufgrund der Zahlen des Verkehrsgutachtens die Kelbachtrassenlösung als „Nullsummenspiel“ bezeichnete. In dieselbe Richtung gingen Wortmeldungen etwa von Heinrich Kunzelmann und Christian Böhmer von den Freien Wählern.

Ostumfahrung für Ebensfeld bleibt vorerst Traum
Ebensfeld hat zweifellos viele schöne Seiten. Der Verkehr auf der Hauptstraße zur Rush-Hour am späten Nachmittag gehört ... Foto: Mario Deller

Für das Staatliche Bauamt stellte Kathrin Roth heraus, dass die Umsetzung der Kelbachtrasse unmittelbar bevorstehe. Rodungsarbeiten und Ausgleichsmaßnahmen seien bereits getätigt worden, in zwei Wochen folge die Einholung von Angeboten für den Brückenbau über den Kelbach, voraussichtlich 2022 soll die neue Trasse gebaut werden.

„Wenn wir jetzt rausgingen aus dem Projekt, würden wir wieder bei Null anfangen – und es gäbe für den Ort für zehn bis 15 Jahre keine Entlastung.“
Kathrin Roth, Staatliches Bauamt

Auf Anfrage von Böhmer meinte sie zwar, dass sich die Maßnahme theoretisch auch jetzt noch stoppen ließe. Doch im selben Atemzug betonte sie: „Wenn wir jetzt rausgingen aus dem Projekt, würden wir wieder bei Null anfangen – und es gäbe für den Ort für zehn bis 15 Jahre keine Entlastung.“ Bei der Kelbachtrassenanbindung seien vom Vorentwurf bis zur Bestandskraft der Planfestellung 15 Jahre vergangen. Mit ähnlichen Zeiträumen müsste die Gemeinde bei einer Alternative planen.

„Das ist – inklusive des Klagerechts – eben Ausfluss der Demokratie“, pflichtete ihr Amtskollege Norbert Schmitt bei. Die Staatsstraßenverlegung zwischen Ebensfeld und Prächting sei mittlerweile als „1UEB“ klassifiziert, als mit oberster Dringlichkeit. Es sei schwierig, wieder in eine solche Stufe zu kommen. Im Übrigen sei das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Straßenbaumaßnahme einer Kommune entscheidend.

Mit „Kommunaler Sonderbaulast“ schneller zur Ostumfahrung

Nachdem einige unbeeindruckte Gremiumsmitglieder dahingehend nachhakten, teilten die Vertreter des Straßenbauamts mit, dass sich im Falle einer anvisierten Ostumfahrung eventuell der Prozess um ein paar Jahre abkürzen ließe auf dem Wege der „Kommunalen Sonderbaulast“. Dies allerdings wäre finanziell schwerer zu stemmen, weil hier die Gemeinde in Vorleistung gehen müsste.

Ostumfahrung für Ebensfeld bleibt vorerst Traum
Alle Wege von Unterneuses aus führen direkt in den Ebensfelder Ortskern, weil es noch keine Alternative gibt. Finanziell... Foto: Mario Deller

In Anbetracht der Tatsache, dass der Verkehrszuwachs durch das neue Gewerbegebiet „Ebensfeld-Nord III“ peu a peu eintritt, und angesichts der Verkürzungsoption Sonderbaulast warb Böhmer noch einmal dafür, die Ostumfahrung kurzfristig anzugehen: „Wir hätten vielleicht noch fünf schwere Jahre, aber es wäre kein Stückwerk wie dieses hier.“

Mit der Kelbachgrundanbindung zur mittelfristigen Verkehrsentlastung

„Jetzt bringt die Verlegung der Staatsstraße 2187 eine Verminderung der Verkehrsbelastung im Ort von 32 Prozent. Gerade diejenigen, die sich in den neueren Baugebieten in Prächting und Ebensfeld niedergelassen haben, wünschen sich sehnlichst die Anbindung“, meinte hingegen Bernhardt Gehringer. Er steht der CSU-Fraktion vor, deren Beschlussvorschlag darin besteht, an der planfestgestellten Kelbachgrundanbindung festzuhalten, um auf diesem Wege eine kurz- bis mittelfristige Verkehrsentlastung zu erreichen.

„Jede Gemeinde braucht Geld, da beißt die Maus keinen Faden ab“, unterstrich Axel Altstötter (CSU) die Bedeutung der Gewerbesteuer für die Kommune und die positiven Aspekte von Gewerbeansiedlungen: „Es ist doch ein Glück, wenn solide Unternehmen bei uns Interesse an einer Ansiedlung bekunden.“

„Wenn mir jemand zu 100 Prozent zusichern könnte, dass das mit der Ortsumgehung klappt, wäre ich sofort dafür. Aber diese Garantie haben wir nicht.“
Bernhard Storath, Bürgermeister

Was die Gerichte festgestellt haben sowie das Ergebnis des Bürgerentscheids müsse man auch einfach einmal akzeptieren können, ergänzte Altstötter und schloss versöhnlich: „Wir können uns ja trotzdem parallel Gedanken machen zum Verkehrskonzept – die Zeit sollten wir uns nehmen und haben wir auch, weil ja das Gewerbegebiet nicht von heute auf morgen kommt.“

Er verstehe die von den verschiedenen Fraktionen vorgebrachten Argumente durchaus, betonte Bürgermeister Storath. Selbst wenn es gelänge, mit einer Ostumfahrung in die staatliche Ausbauplanung zu gelangen, seien da immer noch Unsicherheitsfaktoren wie der Grunderwerb oder im Falle des Sonderbaulast-Verfahrens die Finanzierung. Storath: „Wenn mir jemand zu 100 Prozent zusichern könnte, dass das mit der Ortsumgehung klappt, wäre ich sofort dafür. Aber diese Garantie haben wir nicht – deshalb: entweder die Taube auf dem Dach oder der Spatz in der Hand.“

CSU überstimmt die übrigen Gemeinderäte

Das Gremium wählte schließlich den „Spatz in der Hand“ und stimmte dem Antrag der CSU mit zwölf zu acht Stimmen zu. Damit kann das Staatliche Bauamt seine Arbeit in Sachen Kelbachtrassenanbindung ungehindert fortsetzen. Der von Freien Wählern, Grünen und SPD gut geheißene Alternativ-Beschlussvorschlag (Ostumfahrung sowie Aussetzung der Kelbachtrassenanbindung) wurde mit acht zu zwölf Stimmen abgelehnt.

Zur Ostumfahrung ist damit das letzte Wort noch nicht gesprochen. „Das Thema wird uns noch öfter beschäftigen“, meinte der Bürgermeister, als er die Sitzung schloss.

 

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