Ökumenischer Segnungsgottesdienst in Vierzehnheiligen

VIERZEHNHEILIGEN

Ökumenischer Segnungsgottesdienst in Vierzehnheiligen

Seit über einem Jahr bestimmt das Corona-Virus das Leben der Menschen. Vieles, was geplant wurde, konnte nicht stattfinden, sondern musste wegen des Lockdowns und den Corona-Bestimmungen verschoben oder gar abgesagt werden.

Über ein Jahr Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie lassen die Menschen sehnsüchtiger, depressiver und einsamer werden. Aber nicht nur in der Pandemie lässt sich die Erfahrung machen, dass Lebenspläne durchkreuzt werden und es ganz anders kommt als gewünscht.

„Es sind weltweit unzählige Menschen, deren Pläne in den letzten Tagen und Wochen durchkreuzt wurden.“
Pater Maximilian, Guardian von Vierzehnheiligen

Solche Erfahrungen griff der ökumenische Gottesdienst auf, zu dem die Franziskaner und die Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde Bad Staffelstein-Herreth am Freitag in die Wallfahrtsbasilika eingeladen hatten. Der Guardian des Klosters, Pater Maximilian, Pater Bernhard, Pfarrerin Sabine Schmid-Hagen und Schwester Alexia sprachen im Wechsel lyrische Texte.

Trost spendete auch die Orgel. Basilikaorganist Georg Hagel verband die Texte mit besinnlichen Orgelmeditationen und mit Einzelgesang. „Da durchkreuzt einer meine Pläne, macht mir einen Strich durch die Rechnung. Musste das sein?“, fragte Pater Maximilian zu Beginn. „Und da stehe ich nicht alleine da, sondern es sind weltweit unzählige Menschen, deren Pläne in den letzten Tagen und Wochen durchkreuzt wurden.“ Wie es jetzt weitergeht, weiß momentan keiner.

Was hilft, in einer Krise nicht zu zerbrechen?

Die immer neuen Nachrichten machen das Leben nicht leichter. Es gilt, sich neu zu orientieren und irgendwie zu versuchen, neue Pläne zu machen. Und dabei den Mut nicht zu verlieren und eine Hoffnung zu bewahren, die stärker ist, als es jedes Virus je sein könnte. Pater Maximilian tröstete schließlich die Gläubigen mit den Worten: „Bei allem, was unsere Lebenspläne und Wege durchkreuzt, dürfen wir trotzdem Gottes Beistand erhoffen.“

Schwester Alexia trug mit „Der schwarzer Punkt“, eine Geschichte zum Nachdenken vor. Pfarrerin Sabine Schmid-Hagen beleuchtete in ihrer Ansprache eine Situation, in der ein Mensch hart getroffen ist und trotz seine Einschränkungen den verbleibenden Freiraum nützt. Was hilft, in einer Krise nicht zu zerbrechen, sondern den Lebensmut zu bewahren?

Schritt 1: über den Schmerz reden, auch mit anderen

„Medizin und Psychologie haben sich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit dieser Frage beschäftigt und dieses Phänomen erforscht. Man fand einen neuen Begriff: Resilienz, der ursprünglich aus der Materialforschung stammt. Er bezeichnet die Fähigkeit eines Materials, nach einer Verformung wieder zurück zu gehen in die ursprüngliche Form. Ein resilienter Mensch ist also einer, der trotz der Einschläge des Lebens oder trotz großer Belastung nicht zerbricht, sondern innerlich heil und stabil bleibt und wieder in Form kommt“, so die evangelische Pfarrerin.

Die Heilige Schrift, der Glauben und die Medizin seien sich recht einig, was auf dem Weg dorthin hilfreiche Schritte sein können. „Dem Einschlag der Krise folgt der Ausdruck des Schmerzes. Ich verstumme nicht und drücke mich aus. Zuerst einmal zu mir selbst und dann zu einen vertrauten Menschen.“

Schritt 2: sich bewusst machen, was trotz allem gut ist im Leben

Damit die Klage nicht destruktiv wird, weist die Geschichte auf den nächsten Schritt: Wer vom allgemeinen Gefühl „es ist alles ganz schrecklich“ zu dem kommt, worin sein Problem besteht, für den verliert die Krise ihre Übermacht. Sie ist weiterhin da, aber sie nimmt nicht das ganze Leben ein.

„Was also ist trotz allem gut und heil in meinem Leben, und wofür bin ich trotz allem dankbar? Wenn mir etwas misslungen ist, was ist mir im Leben schon gelungen. Wenn mir Möglichkeiten genommen wurden, durch ein körperliches Gebrechen oder durch die Pandemie – was kann ich trotz allem tun? Und manchmal tut es gut, das nicht nur zu überlegen, sondern aufzuschreiben“, riet die Pfarrerin.

Schritt 3: überlegen, wie sich die Situation konkret verbessern lässt

Der nächste Schritt wäre dann zu überlegen, was einem an der Krise zu schaffen macht. Und ob es nicht doch einen Weg gibt, zumindest an der einen oder anderen Stelle etwas zum Positiven zu verändern. „Eine Erkenntnis der Resilienzforschung heißt: Menschen, die besser durch Krisen kommen, suchen schneller nach einer Möglichkeit, ihre Situation konkret zu verbessern. Sie suchen nach Lösungen, die auch im Kleinen Verbesserungen bringen“, erklärte Sabine Schmid-Hagen. Wenn man erfährt, dass das Leben begrenzt und gefährdet ist – was gibt einem Hoffnung? Was trägt im Letzten?

„Menschen, die besser durch Krisen kommen, suchen schneller nach einer Möglichkeit, ihre Situation konkret zu verbessern.“
Sabine Schmid-Hagen, Pfarrerin

Wer einen Sinn und eine Hoffnung für sein Leben hat, hat vermutlich die entscheidende Kraft- und Resilienzquelle. „Unser vergängliches Leben, dieses zerbrechliche Gefäß trägt Gottes Licht in sich und das ewige Leben, das uns Jesus schenkt. Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, auf dass die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns, auf dass wir uns in unseren Krisen nicht auf uns selbst verlassen, sondern auf ihn und seine wunderbare Kraft. Eine Kraft, die heute schon über unser kleines begrenztes Leben hinausweist auf Gottes Reich“, schloss die Pfarrerin ihre Predigt. In diesem Jahr gab es wegen den Corona-Bestimmungen für die Gläubigen keinen Einzelsegen.