Neue Klinik Kutzeneberg: sechs Wochentage wird gearbeitet

KUTZENBERG

Neue Klinik Kutzenberg: sechs Wochentage wird gearbeitet

Im Mai 2021 gab Bezirkstagspräsident Henry Schramm mit dem Spatenstich den Startschuss für ein Bauprojekt, das in Deutschland einmalig ist. Auf dem Gelände des Bezirksklinikums Obermain, das zu den Gesundheitseinrichtungen des Bezirks Oberfranken (Gebo) gehört, wird noch in diesem Jahr eine TBC-Spezialeinheit für krankheitsuneinsichtige und behandlungsunwillige Patienten entstehen.

Die Fertigstellung dieses zirca 7,5 Millionen Euro teuren Neubaus, der auf die besonderen Sicherheitsanforderungen bei der Unterbringung der per Gerichtsbeschluss eingewiesenen Patienten ausgerichtet ist, ist zum Jahresende geplant. Bereits im Januar 2022 werden die ersten Patienten hier untergebracht sein.

„Das eingeschossige Gebäude wird maximal 24 Patienten aufnehmen“, erklärte Chefarzt Dr. Saleh Al Hamoud. Die Aufenthaltsdauer werde durchschnittlich drei bis vier Monate betragen, in Einzelfällen sogar bis zu einem Jahr.

„Die Patienten kommen aus der gesamten Bundesrepublik“, erklärte Henry Schramm beim Pressetermin am Mittwoch. Der Präsident des Bezirkstages traf sich mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Verantwortlichen der Gebo und Vertretern des ausführenden Bauunternehmens Dechant direkt an der Baustelle.

Die befindet sich am Rande des Klinikgeländes nähe Haus 3. Die Grundfläche der neuen TBC-Einheit beträgt 1540 Quadratmeter. Es gibt nur Einzelzimmer. Für den Aufenthalt Aufenthalt ist ein großer Innenhof geplant. Die Zufahrt zu diesem Gebäude wird nicht einsehbar sein, auch nicht der Eingangsbereich, etwa wenn neue Patienten gebracht werden.

Schutzvorkehrungen für das Personal notwendig

Da diese sich nicht freiwillig in die Behandlung ihrer Tuberkulose begeben, sondern auf gerichtlichen Beschluss eingewiesen werden, sind auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besondere Schutzvorkehrungen notwendig. Chefarzt Dr. Al Hamoud: „Es wird Tag und Nacht ein Sicherheitsdienst anwesend sein.“ Auch mit der Polizeidirektion Lichtenfels stehe man bereits in guter Verbindung.

Für die Mitarbeiter gebe es ein Deeskalationstraining. Gebo-Vorstand Katja Bittner: „Vor den Patienten, die nicht immer einverstanden sind, dass sie sich hier aufhalten, müssen wir auch unser Personal schützen.“ Das gelte es auch beim Bau und bei der Ausstattung der Räumlichkeiten zu berücksichtigen. „Die neue TBC-Einheit wird übersteig-sicher und ausbruchsicher sein. Kriminell sind sie nicht, aber uneinsichtig!“, fasste es der Chefarzt Dr- Al Hamoud zusammen.

30 Arbeitsplätze sollen hier entstehen

Voraussichtlich 30 Arbeitsplätze werden als Folge dieser Baumaßnahme entstehen. Von den bereits bestehenden Häusern auf dem Gelände könnten Labor, Röntgen und Endoskopie samt Maschinen und Gerätschaften mit benutzt werden können. So entstünden in diesem Bereich keine zusätzlichen Kosten, rechnete der Chefarzt vor.

Er leitet die größte Lungen-Abteilung Oberfrankens, gute Voraussetzungen und auch Gründe für den Bau hier am Standort Kutzenberg. „Wir nehmen hier richtig viel Geld in die Hand“, erklärte Bezirkstagspräsident Henry Schramm das umfangreiche Bau-Vorhaben Kutzenberg. Insgesamt seien es drei Projekte: die schon im Bau befindliche TBC-Einheit, ein Wohn- und Pflegeheim (mit 30 Wohnplätzen und 90 Pflegeplätzen) und der Bauabschnitt I.

Tuberkulose-Behandlung hat in Kutzenberg Tradition

In Kutzenberg hat die Behandlung von TBC eine über Jahrzehnte gewachsene Tradition: Seit mehr als 70 Jahren werden dort an Tuberkulose erkrankte Patienten betreut. Die Krankheit ist eine hoch ansteckende Infektionskrankheit und meldepflichtig. „Die Gesellschaft muss mit allen Mitteln geschützt werden“, so Katja Bittner. Am Bezirksklinikum ist außerdem seit mehr als 100 Jahren eine psychiatrische Fachklinik angesiedelt. Dieses Zusammenspiel schafft die Voraussetzungen für die bestmögliche Behandlung uneinsichtiger TBC-Patienten.

Eine Herausforderung mehr gab es für die Baufirma. Firmenchef Alois Dechant bat um Verständnis, dass auch an den Samstagen gearbeitet werde. „Wir werden heuer fertig“, versprach er. Auch wenn die Materialbeschaffung bis hin zu den benötigten Hölzern und Pflastersteinen derzeit nicht einfach sei. Die Lieferzeiten von Fenstern und Türen würden derzeit drei bis vier Monate betragen. „Noch haben wir das im Griff“, ist Alois Dechant optimistisch.

Investitionen von mehr als 500 Millionen Euro geplant

Auch Henry Schramm ist zuversichtlich: „Über Kutzenberg wurde in den letzten Jahren viel geschrieben und diskutiert – die Rahmenbedingungen für Patienten und Arbeitende verbessern sich nun erheblich!“ Der Standort Kutzenberg sei gesichert, bekräftigte er. „Es ist geplant, mehr als 500 Millionen Euro in den nächsten Jahren hier zu investieren.“