EBENSFELD

Ebensfeld: Rat will möglichst wenig neue Wasserflächen

Möglichst wenig neue Wasserflächen bei Ebensfeld
Bei Niederau führte direkt am Main der beliebte „Mainradweg“ vorbei. Durch deutliche Ausführungen in der gefassten Stellungnahme will der Markt Ebensfeld gewährleisten, das Kiesabbau und Mainlaufverlängerung der touristischen Bedeutung des Radwegs keinen Abbruch tun. Foto: Mario Deller

Zwischen Wiesen und Niederau soll bekanntlich Kies abgebaut werden, dann der Lauf des Mains verlängert werden, um eine Renaturierung des Flusses zu erreichen. So lautet das gemeinsame Vorhaben der Firma Kiesgewinnung Heinrich Schramm und des Wasserwirtschaftsamt Kronach. Angesichts der rund 25 Hektar, die den Markt Ebensfeld betreffen nahm die Kommune die Möglichkeit der Stellungnahme ausgesprochen ernst, wie in der jüngsten Sitzung offenbar wurde.

Eigentlich wären Stellungnahmen im Rahmen des derzeitigen Planfeststellungsverfahrens nur noch bis 11. April möglich gewesen, doch die Gemeinde hatte erfolgreich eine Fristverlängerung bis Monatsende beantragt.

Per mehrheitlichem Beschluss einigte sich der Gemeinderat auf eine Stellungnahme: Entgegen der Planungen soll nach dem Kiesabbau nur eine zusätzliche Mainschleife bleiben, die neue Wasserfläche auf ein absolutes Minimum reduziert werden und der „Angelsee“ gestrichen werden. Hintergrund hierfür bilden die Belange der Landwirtschaft. Zwei Drittel der Flächen sollen demnach zu landwirtschaftlichen Ackerflächen wiederhergestellt werden. Ferner verlangt die Gemeinde eine Prüfung, ob die im Rahmen der ICE-Baumaßnahme nördlich von Wiesen entstandene Ausgleichsfläche für den Kiesabbau vorrangig verwendet werden kann, um dann wieder als Ausgleichsfläche zu dienen.

Die Nutzung de Gemeindeverbindungsstraße Niederau-Unterneuses als einzige Zufahrt für die Ebensfeld betreffenden Bauabschnitte drei bis sechs lehnt die Marktgemeinde gänzlich ab. Die Kommune sieht aufgrund der Ausbaubreite und der Einmündungssituation in die Staatsstraße 2197 auch keine ausreichende Verkehrssicherheit gegeben. Es sei zu prüfen, inwiefern eine Baustraße hier für Abhilfe sorgen kann. Sollte im Planfeststellungsverfahren dennoch an besagter Zufahrt festgehalten werden, fordert die Gemeinde vor Beginn des Bauabschnitts drei ein Beweissicherungsverfahren für die Niederauer Straße sowie für die dortige Kirschbaumallee.

Möglichst wenig neue Wasserflächen bei Ebensfeld
So sehen die Planungen hinsichtlich der Main-Laufverlängerung zwischen Wiesen und Niederau aus. Foto: Gemeinde Ebensfeld

Wie wirkt sich die Renaturierung auf Hochwassersituationen aus?

Weitere Forderung der Gemeinde: Der Ersatzweg für den wegfallenden Mainradweg-Abschnitt müsse bis zum Beginn des Bauabschnitts drei mit mindestens dem gleichen Ausbauzustand wie dem derzeitigen dortigen Radweg fertig gestellt sein. Im übrigen fordert die Gemeinde vor Baubeginn die Vorlage eines Gutachtens hinsichtlich der Auswirkungen der geplanten Renaturierung des Mains auf die Hochwassersituation, außerdem eine Beweissicherung zum Thema „Grundwasserspiegel – Veränderung durch den Abbau“ und eine Grundwassermodellierung inklusive Fortschreibung bis Bauende.

Weiterhin auf der Tagesordnung stand das Vorhaben eines Bad Staffelsteiner Garten- und Landschaftsbau-Unternehmens. Die Firma strebt als künftiger Eigentümer eines Grundstückes an der Niederauer Straße in Unterneuses an, den Großteil seines Betriebes dorthin zu verlegen. Die Planungen des Bauwerbers sehen auf dem 5177 Quadratmeter messenden Areal die Errichtung eines Bürogebäudes sowie zweier Lager- und Maschinenhallen vor.

Möglichst wenig neue Wasserflächen bei Ebensfeld
Vor dem Ortseingang von Unterneuses befindet sich ein Wiesenstück. Hier möchte ein in Bad Staffelstein bereits ansässige... Foto: Mario Deller

Gewerbe in Unterneuses „am falschen Platz“

Da das Vorhaben im Außenbereich angesiedelt ist, ist für die Umsetzung ein Bebauungsplanverfahren nötig. Wie es in der Sitzung hierzu unter anderem hieß, bleibt der Radweg an der Staatsstraße von dem Vorhaben unberührt. „Die Planungen und auch die Grüngestaltung finden wir von den Grünen sehr gelungen, aber lehnen das Vorhaben dennoch ab, weil wir Gewerbe in Unterneuses am falschen Platz sahen und sehen“, erklärte Otto Weidner. So votierte das Gremium schließlich bei zwei Gegenstimmen für die Aufstellung des Bebauungsplans, der die Bezeichnung „Gewerbegebiet Unterneuses-Nord IV“ erhält. Es folgt die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung und die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange.

Probleme mit der Wasserversorgung

Wie Bedarfsanalysen zeigten, ist im Kernort Ebensfeld die Wasserversorgungsanlage nicht auf den Wasserbedarf abgestimmt. Das Wasserdargebot aus dem Tiefbrunnen kann den Wasserbedarf nicht abdecken, der Hochbehälter weist ein zu geringes Speichervolumen auf und entspricht nicht der Technik.

Das Wasser kommt aus dem eigenen Tiefbrunnen sowie von der Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO). Aufgrund von Unterschieden in den Parametern Säurekapazität und Sulfat können die beiden Wässer allerdings nicht uneingeschränkt miteinander vermischt werden. Alles in allem sei bei der aktuellen Betriebsweise der Wasserversorgungsanlage eine ausreichende flächendeckende Löschwasserversorgung nicht gewährleistet, hieß es in der Sitzung, der auch die gemeindlichen Wasserwarte Tobias Pospischil und Stefan Reutter beiwohnten.

Möglichst wenig neue Wasserflächen bei Ebensfeld
von Unterneuses befindet sich ein noch freies Wiesenstück (rechts hinter dem Radwegschild). Hier möchte ein in Bad Staff... Foto: Mario Deller

Nun gibt es mehrere Möglichkeiten

Setzt die Kommune weiterhin auf einen Mix von Tiefbrunnen und FWO-Wasserbezug, müsste die Wasseraufbereitung umgerüstet, das Speichervolumen des Tiefbrunnen vergrößert und ein neuer Löschwasserbehälter errichtet werden. Würde der Kernort künftig nur noch Wasser von der FWO beziehen, könnte der Hochbehälter künftig als Löschwasserspeicher dienen. Allerdings wäre auch in diesem Falle die Errichtung eines Löschwasserbehälters vonnöten und zudem müsste – sehr kostenintensiv – der nicht mehr genutzte Tiefbrunnen komplett zurückgebaut werden.

Um eine fundierte Entscheidungsbasis zu erhalten, beschloss das Gremium einstimmig, ein seitens des Freistaats Bayern zu 70 Prozent gefördertes Sanierungs- und Strukturkonzept in Auftrag zu geben. Der Eigenanteil der Kommune an der Konzepterstellung beläuft sich auf rund 6000 Euro.

Flüchtlingsunterkünfte im Neuner-Anwesen

Nach einem einstimmigen Beschluss des Gremiums richtet die Marktgemeinde im Obergeschoss des Gebäudes Hauptstraße 51 (ehemaliges „Neuner-Anwesen“) eine dezentrale Unterkunft für ukrainische Flüchtlinge ein. Die frühere Nutzung als Fremdenzimmer bietet sehr gute Voraussetzungen. Das Landratsamt besichtigte die Räumlichkeiten und vertritt die Auffassung, dass bis zu 14 Personen dort eine vorübergehende Unterkunft finden können. Laut Bürgermeister Bernhard Storath könne dies ab Anfang bis Mitte Mai geschehen.

 

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