KLOSTER BANZ

Mit Weltstars: Tausende Besucher bei Lieder auf Banz

Sarah Straub ist Musikerin und Psychologin. Foto: Corinna Tübel

Es sind Geschichten in Liedern wie „Buntes Papier“ von Max Prosa, in dem Kinder mit gefundenem Schmiergeld spielten und in die Lüfte warfen. Es sind Sehnsüchte, wie in Chris de Burghs „Missing you“, die wohl jeder im Publikum kennt. Und dann ist da die fränkische Lebensfreude, verkörpert durch die Band „Kellerkommando“, die so manche Sorgen für einen Moment beiseite schiebt.

Weltstart mit Charme: Chris de Burgh. Foto: Corinna Tübel

Die Bandbreite des Festivals „Lieder auf Banz“ am Wochenende war wieder einmal gigantisch. Alle Themen in den Liedern der Weltstars und Nachwuchskünstler, alle Interpretationen, hatten einen persönlichen Kern. Nicht nur Liederschreiber. Nicht nur Komponist. Nicht nur Sänger. Nein, alles in einem. Liedermacher eben, „Leben-Macher“.

Bodo Wartke führt in sympathischer Weise als Gastgeber durch den Abend

Die rund 4500 Gäste am Freitag- und Samstagabend auf der Klosterweise auf Banz verliehen ihrer Sehnsucht nach Musik und Tanz Ausdruck. Die meisten von ihnen hatten während der beiden Jahre Corona bedingter Pause ihre Tickets behalten. Als Gastgeber führte Bodo Wartke in sympathischer Weise durch den Abend. Kurze Umbaupausen überbrückte der Musikkabarettist, Liedermacher und Schauspieler mit humorvollen, gereimten Klavierepisoden – voller brillanten Wortspielereien, mitunter jedoch von grenzwertigem schwarzen Humor.

Den Auftakt machte die Band „Kellerkommando“: „Auf“ stand dabei auch nahezu das gesamte Publikum.

Seit 40 Jahren auf der Bühne: Haindling. Foto: Corinna Tübel

Die treibenden Beats, die Explosion von Trompete und Posaune und vor allem die fränkisch-frischen Texte wie „Uns geht´s gut, wir haben keine Sorgen“ rissen alle von ihren Plätzen. Mit schelmischen und mitunter von seiner Großmutter inspirierten Melodien und Texten, wie Sänger David Saam erzählt, schlichen sich die Männer mit „Dei Bier is mei Bier“ nicht nur in die Herzen, sondern auch ins Gedächtnis.

Klein und wahnsinnig talentiert: Annett Louisan. Foto: Corinna Tübel

Harte Brüche gut gemeistert

Etwas „hart“ schien der Übergang zur ersten Nachwuchspreisträgerin der Hanns-Seidel-Stiftung, Alexandra Janzen, und deren Song „Mauern“. Mit beeindruckender Stimme, die unter die Haut ging, und einem Text, der sich im Kopf festsetzte, schaffte sie es jedoch eine Stimmung zu erzeugen, die gemeinsame Träume erschuf. „Diesen Moment werde ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen“, gab sie sichtbar ergriffen zu.

Immer für einen Scherz im Lied zu haben: Moderator Bodo Wartke. Foto: Corinna Tübel

Auch Georg auf Lieder, der seine Kindheit zwischen Bolivien und Hamburg bemerkenswert in seinen Texten verarbeitet und unter anderem in unzähligen Wohnzimmerkonzerten sein Können unter Beweis gestellt hat, und Max Prosa durften sich über den mit jeweils 5000 Euro dotierten Preis freuen. Letztere legten alle Emotionen, Erfahrungen und Erinnerungen in das Lied „Wann könnt ihr endlich friedlich sein?“ und hinterließen beim Publikum Nachdenklichkeit und Tatkraft. Auch den Ruf aus dem Song „Buntes Papier“, heute schon anzufangen, die Welt zu verändern, vernahmen alle deutlich.

„Kellerkommando“ aus Bamberg heizten von Beginn an mächtig ein. Foto: Corinna Tübel
Gemeinsam Abschied nehmen: Alle Künstlerinnen und Künstler singen gemeinsam. Foto: Corinna Tübel

Sprachwitz und außergewöhnliche Klänge

Bereits auf der Bühne etabliert, überzeugten „Die Feisten“ wieder einmal durch Zwei-Mann-Comedy vom Feinsten. Ihre Parodie etwa auf den bekannten Schlager „Griechischer Wein“ – „Kriech nich da rein“ – verstanden die Frauen und Männer auch ohne Hinweis des Frontmans als „heimliche Hymne des öffentlichen Dienstes“.

Blick ins Publikum Foto: Corinna Tübel

Auch „Haindling“ scheint ein fester Bestandteil der „Lieder auf Banz“ zu sein: Die Musiker feiern in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum. Dem Publikum brachten sie daher ein Medley ihrer bekanntesten Songs mit: Bekannt aus Radio und TV, stets mit ehrlichem, bairischem Einschlag und wieder einmal mit überraschenden, außergewöhnlichen Instrumenten. Klar, dass niemand mehr auf seiner Decke vor der Bühne saß. Klar, dass eine Zugabe gewünscht wurde.

Alpenrock mit feinen und sensiblen Tönen: Huber von Goisern. Foto: Corinna Tübel

Chris de Burgh freut sich: „Servus!“

Nach der Pause, in der so mancher Künstler und manche Künstlerin an den Merchandise-Ständen angetroffen werden konnte, beeindruckte Sarah Straub mit einer authentischen, gewaltigen Stimme, wie sie nur selten zu finden ist. Die Psychologin, die etwa auch ein Buch über Demenz verfasst hat, schien mit dem Publikum so ehrlich und tiefsinnig wie mit einer besten Freundin zu sprechen.

Nachwuchspreisträger der Hanns-Seidel-Stiftung. Max Prosa fragt und singt: „Wann könnt ihr endlich friedlich sein?“ Foto: Corinna Tübel

Wieder etwas abrupt schien das „Servus“ des nachfolgenden Weltstars Chris de Burgh. Mit herrlich sympathischem Akzent gab der Musiker seine Freude über den wiederkehrenden Auftritt zum Ausdruck. Er brachte Klassiker wie „Missing you“ als auch Texte aus seinem neuen Album „The Legend Of Robin Hood“ mit und verzauberte dabei den Banzer Wald in den historischen Sherwood Forest.

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Alexandra Janzen berührte unter anderem mit dem Song „Mauern“. Foto: Corinna Tübel

um ersten Mal „auf Banz“ war dagegen Annett Louisan. Die Powerfrau verblüffte durch Spontanität und Ehrlichkeit wie Bekenntnisse „Ich finde schunkeln sexy“ und ein ganzes Lied voller Humor über ihre eigene Größe.

Premiere für Annett Louisan bei Lieder auf Banz

Die feisten boten Comedy vom Feinsten. Foto: Corinna Tübel

Einen fulminanten Abschluss, mittlerweile hatte sich die Dunkelheit über Franken gelegt, bereiteten Hubert von Goisern und Band dem bunt gemischten Publikum. Er „kann“ laut und leise und bewies wieder einmal: Jodeln, ob alleine oder mit seiner Partnerin, kann sinnlich und gewaltig sein. Wohl kein anderer legte so viele Schritte auf der Bühne zurück, wohl kein anderer beherrschte solch diffizile Gitarrensoli, kein anderer verkörperte das Genre Alpenrock aus Rock- und Volksmusik wie er.

Mystische Stimmung auf der Bühne. Foto: Corinna Tübel

Mit dem von allen Künstlerinnen und Künstlern gemeinsam gesungenen Lied „Nehmt Abschied, Brüder“ verabschiedeten sich alle die Musiker von ihrem Publikum – hoffentlich nur bis nächstes Jahr.

Fazit: Ein Open Air, das in seiner Form einzigartig in Deutschland ist, wurde von einzigartigen Künstlerinnen und Künstlern zu einer einzigartigen Erinnerung gemacht, die noch langt bewegt, aktiviert und träumen lässt.

 

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