BAD STAFFELSTEIN

Michael Böhm: Netzwerken für die Zukunft in Bad Staffelstein

Michael Böhm ist Quartiersmanager der Stadt Bad Staffelstein. Foto: Markus Drossel

Bad Staffelstein Der zweite Lockdown ist für die Unternehmen in Bad Staffelstein eine besondere Herausforderung. Die Stadt ist geprägt durch die Obermain Therme mit 800 000 Besuchern im Jahr, seine Gesundheitsdienstleister, den Tourismus und seine regionale Gastronomie mit zehn Brauereigaststätten in den Stadt- und Ortsteilen. Der Lockdown trifft deshalb die oberfränkische Kurstadt besonders hart.

Das Obermain-Tagblatt befragt hierzu Michael Böhm, den Quartiersmanager der Stadt Bad Staffelstein, zur aktuellen Situation und den Anstrengungen der Stadt für ihre Unternehmen.

OBERMAIN-TAGBLATT: Wie schwer trifft die Corona-Krise Unternehmen und Unternehmer in Bad Staffelstein? Michael Böhm:

Der Rückgang von Umsätzen und das Ausbleiben der Kunden ist für unsere Unternehmen ein harter Schlag. Doch bemerkt man auch, dass viele Unternehmer Angesicht der Tatsache verzweifeln, nichts tun zu können und kein Ende zu sehen. Ein großer Vorteil für unsere Unternehmen ist die Kreativität und das unternehmerische Engagement der zum großen Teil eigentümergeführten Betriebe.

Gibt es Branchen die es gerade besonders schwer haben? Böhm:

Sicherlich alle Unternehmen, die mit Saisonware Handel betreiben. Hier kann man als erstes unsere Mode- und Textilhändler nennen, die ihre Ware Monate im Voraus ordern müssen und dann nur in einer definierten Zeitspanne verkaufen können – Stichwort Sommer- oder Winterkollektion. Für diese kommen zurzeit nur Unterstützungen in Frage, welche die Zwangsschliessung voraussetzen oder die Fixkosten decken, jedoch keinen vorgeorderten Wareneinkauf berücksichtigen.

Trifft es besonders die Kernstadt oder auch die Stadt- und Ortsteile von Bad Staffelstein? Böhm:

Sowohl als auch. In der Kernstadt haben wir eine hohe Konzentration verschiedenster Unternehmen unter anderem unsere Mode- und Textilhändler. Alle haben geschlossen. Gerade in den Stadt- und Ortsteilen sind wir mit unseren Brauereigasthöfen vertreten, die bereits als erste im zweiten Lockdown ihre Türen schließen mussten.

Bund und Land haben den Unternehmen versprochen, diese – besonders finanziell – durch die Krise zu begleiten. Wie ist hier die aktuelle Lage zu bewerten? Böhm:

„Bis auf weiteres geschlossen“... Der Lockdown trifft gerade die Gastrobetriebe hart. Foto: Red

Bund und Land haben eine vielfältige Förderkulisse für die aktuelle Situation bereitgestellt. Dies gilt besonders für kleine und mittelständische Unternehmen. Angefangen mit der Soforthilfe über die Überbrückungshilfen I – III und die November-, Dezemberhilfe für die ersten zwei Monate des zweiten Lockdowns. Leider liegt hier auch schon das größte Problem. Viele Unternehmen haben es schwer sich in den Förderkulissen zu verorten und das passende Förderprogramm zu finden.

Was kann hier eine Stadt oder in Ihrem Fall ein Quartiersmanagement tun? Böhm:

Wir haben zum Glück in Bad Staffelstein mit der Adam-Riese-Unternehmergemeinschaft eine hervorragende Struktur, um in diesem Unternehmer-Netzwerk Informationen auszutauschen. Zudem wurde mit dem Beginn der Corona-Pandemie dieses Netzwerk auch für Unternehmen geöffnet, welche keine Mitgliedschaft haben. Wichtig ist es die Unternehmerinnen und Unternehmer zu informieren. Dies erfolgt auf der Webseite der Unternehmergemeinschaft – www.arplus-online.de – und per eMail bzw. in der ARPlus-WhatsApp-Gruppe. Hier werden die aktuellen Informationen von mir aufbereitet und den Unternehmen zur Verfügung gestellt. Ein weiterer klarer Vorteil ist die Schnittstelle in unserer Verwaltung, welche mich und somit auch die Unternehmen mit den neuesten Informationen zeitnah versorgt. Aber auch mein persönliches Netzwerk zu anderen Wirtschaftsförderern und Citymanagern ist hier sehr nützlich, um einen Austausch über regionale und Bundeslandgrenzen nutzen zu können.

Das hört sich nach einem großen Zeitaufwand an. Böhm:

Nicht nur die Netzwerkkontakte spielen beim Zeitaufwand eine Rolle, auch die Analyse der einzelnen Vorgaben bzw. Förderprogramme spielen eine bedeutende Rolle, um diese den Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Hier ist es auch einmal notwendig, einen eigenen Blickwinkel zu platzieren um die Unternehmerinnen und Unternehmer auf einen gemeinsamen Weg zu bringen. Ich denke, das Thema Zeit oder Zeitaufwand sollte hier keine wesentliche Rolle spielen, da es ja um unsere gemeinsame Zukunft an diesem Standort geht.

Wie kontaktlos kann man diese Aufgaben bewältigen? Böhm:

Vieles wird hier am Computer und mit Telefonaten erledigt. Die Stadtverwaltung in Bad Staffelstein hatte bereits im ersten Lockdown und auch jetzt die persönlichen Kontakte auf ein Minimum reduziert. Viele Gespräche werden per Telefon oder per Videokonferenz abgehalten. Jedoch ab und an gibt es Problemstellungen, die diskutiert werden müssen, wo auch die körperliche Anwesenheit und die Reaktionen bei den Gesprächspartnern eine wesentliche Rolle spielen. Ich persönlich probiere direkte Kontakte zu vermeiden, bin aber mindestens dreimal die Woche in meinem Büro in Bad Staffelstein, um auch hier Präsenz zu zeigen. Ziel ist es bei allen Maßnahmen die Kontakte privat, aber auch beruflich zu reduzieren, um so eine baldige, wenn auch distanzierte, Normalität herbei zu führen.

Gab es bereits Auszahlungen? Reichen diese, oder muss man hier noch andere Möglichkeiten kombinieren? Böhm:

Bad Staffelstein im Lockdown. Foto: Red

Im ersten Lockdown und somit bei der sogenannten Soforthilfe, wurden die Zahlungen in wenigen Wochen angewiesen. Bei der sognannten November- bzw. Dezemberhilfe kommt es scheinbar zu Verzögerungen, da hier detaillierte Abrechnungen der Monate zugrunde gelegt werden. Das gleiche gilt auch für die Überbrückungshilfe II. Die Überbrückungshilfe III kann erst jetzt beantragt werden. Eine Kombination der einzelnen Finanzhilfen ist eher schwierig, wenn man von der Unterstützung durch die Maßnahmen in der Kurzarbeit absieht. Zudem werden die Hilfen in sich geprüft, damit keine Doppelförderung erfolgt, und teilweise gegengerechnet.

Wie beurteilen Sie die Zukunft der Unternehmen in Bad Staffelstein nach Corona.

Böhm:

Nach dem ersten Lockdown ist es allen Beteiligten gelungen in kürzester Zeit eine gute Auslastung für die Unternehmen zu generieren. Um jedoch auf ein Niveau von 2019 zu kommen werden wir wohl ein Jahr benötigen. Eine wesentliche Rolle wird auch die Netzwerkarbeit zwischen der Stadtverwaltung und den Unternehmen spielen. Nach meinen bisherigen Erfahrungen bin ich hier sehr optimistisch und denke, dass die Stadtgemeinschaft, nach diesen besonderen Monaten, einer sehr positiven Zukunft entgegen gehen wird.

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