BAD STAFFELSTEIN

Mario Schönwald: Die Zeit mit dem Sohn ist ihm heilig

Seit 100 Tagen ist der Uetzinger Mario Schönwald Bürgermeister der Stadt Bad Staffelstein. Foto: Markus Drossel

...und plötzlich war er Bürgermeister: So oder so ähnlich lässt sich die kommunalpolitische Vita von Mario Schönwald (Freie Wähler) zusammenfassen. In der Stichwahl an diesem für ihn unvergessenen Sonntag im Oktober hatte er die Mehrheit der Stimmen bekommen, bereits am Dienstag darauf war er der Chef im Rathaus. Seither sind 100 Tage vergangen. Was hat sich getan? Eine erste Bilanz.

„Letztlich blieb mir keine Zeit der Eingewöhnung oder gar eine Schonfrist. Es blieb keine Zeit, wie so oft“: Mario Schönwald sitzt an seinem ovalen Tisch in seinem Amtszimmer, hat sich zurückgelehnt und erzählt. Es ist die erste ruhige Minute, die er an diesem Tag hat. Termin an Termin hat er heute schon wahrgenommen, hatte Unterredungen, Absprachen, mehrere Pressetermine und sogar eine kleine Jubiläumsfeier. Gehetzt wirkt er dennoch nicht. Im Gegenteil.

„Sich einzuarbeiten, schafft man natürlich nicht an einem Tag. Dass ich eine gut funktionierende Verwaltung vorgefunden habe, hat mir die Sache wirklich erleichtert“, sagt er. Auf sein Team hält er große Stücke, insbesondere auch auf seinen scheidenden Geschäftsleitenden Beamten Wolfgang Hörath. „Er hatte die Rathausverwaltung wirklich super im Griff. Auf ihn konnte ich mich immer verlassen.“

Normalerweise ist Mario Schönwald ab 7 Uhr im Rathaus

Bereits früh am Tag brennt Licht im Büro von Mario Schönwald. „Ich habe mir angewöhnt, täglich um 7 Uhr im Rathaus zu sein“, sagt er. „An Tagen mit Sitzungen kann der Tag dann schon einmal mit 21.30 Uhr oder langer gehen.“ Dabei hat Schönwald derzeit noch Glück: Aufgrund der Corona-Pandemie findet nur ein Bruchteil der Abendtermine statt. „Wie es sein sollte, wenn es dann so sein sollte, dass es bis kurz vor Mitternacht geht, weiß ich natürlich noch nicht.“ Zuhause ist der Tag dann meist schnell befindet: „Fünf Minuten vor dem Fernseher und ich nicke weg“, verrät er und lächelt. Es gibt Schlimmeres. „Mein Kaffeekonsum ist trotz der oft harten Tage übrigens gleich geblieben, auch wenn es dazu verleitet. Da muss ich mich schon selbst bremsen.“

Schon am ersten Tag war der Terminkalender voll: Andrea Zimmermann aus dem Vorzimmer hatte Schönwald gleich gut eingedeckt. Der Uetzinger konnte und musste gleich in die Vollen gehen. So, wie der ehrgeizige Bauingenieur es mag. Auch die Bürger kamen quasi unmittelbar nach der Wahl mit den ersten Anliegen auf ihn zu. Beispielsweise junge Familien, die auf der suche nach Baugrund sind. „Vor allem Bauplätze für Einfamilienhäuser werden stark nachgefragt“, sagt Schönwald. „Und natürlich müssen diese bezahlbar sein. “ Baumöglichkeiten haben für den gelernten Bauingenieur Priorität. Kein Wunder also, dass seine ersten beiden Außentermine Spatenstiche waren: im Baugebiet Unterzettlitz-Nord und im Unteren Grasigen Weg in der Auwaldsiedlung. „Dass wir immer wieder Bauland schaffen, ist gut, reicht aber meiner Meinung nach nicht aus“, so Schönwald. „Zumal wir nicht vergessen dürfen, dass es in so manchem Ort einen Altbestand an Bauplätzen gibt, der aber schlichtweg nicht genutzt wird.“ Weil sie in privater Hand ist und die Stadt keine Handhabe hat, wie beispielsweise in Wiesen. „Wir müssen versuchen, diese Baulücken in den Dörfern zu schließen. Ferner müssen wir zusehen, dass in unserer Kernstadt und unseren Kernorten keine Leerstände entstehen.“ Akute Leerstände gebe es noch nicht so viele, wohl aber drohende. Und die müsse man im Auge behalten, um die Ortskerne nicht verwaisen zu lassen.

„Baustellen haben wir viele im Stadtgebiet“, sagt er. Neben den genannten Baumöglichkeiten vor allem für Familien steht die Weiterentwicklung der Schulen wie beispielsweise die in Unnersdorf ganz oben auf der Prioritätenliste des Rathaus-Chefs. „Von vielen Bürgern bin ich auch auf das Thema Wasserversorgung angesprochen worden, vor allem von denen aus dem Lautergrund“, fügt er an. Vor allem in Horsdorf, Loffeld und Stublang ist dringender Handlungsbedarf (diese Redaktion berichtete). Für Schönwald hat das auch höchste Priorität. Manch Bürger sei sauer, dass hier so lange nichts gemacht wurde. „Auch die Nord-Ost-Spange wurde mehrfach angesprochen.“ Sie könnte eine Möglichkeit sein, den Verkehr aus der Altstadt zu bekommen. „Da gibt es aber bislang keine Tendenz, geschweige denn eine endgültige Entscheidung. Wir werden diesbezüglich erst weitere Fachstellen beteiligen müssen.“

Weil er vom Fach ist und die Strukturen in den Ämtern kennt

Der 40-Jährige ist selbst Bauingenieur. „Das ist auf jeden Fall von Vorteil“, findet er. „Ich denke, ich konnte schon etliche Ideen geben, wie wir etwas weiterentwickeln können und wie wir vorankommen.“ Die Arbeitsstrukturen in einem Amt waren dem früheren Mitarbeiter des Landratsamts nicht wirklich fremd. Und dennoch, es war anders: „Früher habe ich zuarbeitet, heute wird mir zugearbeitet. Und ich musste lernen, dass ich nicht mehr alles selbst ausarbeiten kann. Ich bin nun derjenige, der zusehen muss, dass es voran geht, der die Richtung vorgibt.“ Weiteres erledige die bestens eingespielte Mannschaft im Rathaus.

„Ich habe meine früheren Kollegen aus dem Landratsamt mittlerweile von der anderen Seite aus kennengelernt“: Schönwald spricht es aus und muss grinsen. Was er meint: Er kennt zwar das Procedere im Landratsamt, was er als klaren Vorteil wertet, musste aber als Bürgermeister auch schon zähneknirschend die ein oder andere Hürde bei seinem früheren Arbeitgeber meistern. Beamte können manchmal ziemlich stur sein. Aus der Ruhe bringt das Schönwald aber nicht. Da muss schon anderes vorfallen.

Die provokante Frage, dass er nun ja Großverdiener sei, beantwortet er sachlich nüchtern mit der Gehaltsklasse laut Besoldungstabelle. Flapsig fügt er an: „Mein erstes Gehalt ist sowieso für den Ausstand im Landratsamt und die diversen Einstände draufgegangen. Und dann noch das Bürgermeisterbaumaufstellen ...“ Eine schöne Sache sei das gewesen, mit vielen tollen Gästen und vielen Leckereien direkt aus Uetzing. Und dafür habe er gerne die Rechnung übernommen.

Im Amtszimmer fehlt noch die persönliche Note

Schaut man sich im Bürgermeisterbüro um, so entdeckt man keinen einzigen persönlichen Gegenstand. „Ich finde, das gehört sich nicht für eine öffentliche Amtsstube“, sagt Schönwald, darauf angesprochen. Freilich habe er schon die Holzschränke durchforstet und ein wenig „ausgemistet“. Zu mehr aber war noch keine Zeit: die Prioritäten lagen anders. „Das Interieur möchte ich schon irgendwann mal austauschen“, lässt Schönwald durchblicken. Manch Mobiliar mag schon fünf Jahrzehnte auf dem Buckel haben und schon so manchen Amtsvorgänger erlebt haben.

Seit 12. Oktober ist Mario Schönwald der neue Chef im Rathaus, seit Dezember ist Fabian Leppert mit an Bord, der seit Januar der neue Geschäftsleitende Beamte der Stadt Bad Staffelstein ist. „Wir zwei sind voll auf einer Wellenlänge“, lobt der 40-jährige Bürgermeister den 34-Jährigen. „Wir ziehen beide in die gleiche Richtung. Wohl, weil wir eine Altersgeneration sind und gleich denken, weil wir nicht mehr an alten Strukturen halten.“ Wobei der Wolfgang Hörath auch sehr schätze für seine offene, ehrliche Art. Und auch für eine Standpauke, die es mal gab.

Alle 14 Tage ist Vater-Sohn-Wochenende

Mario Schönwald an seinem Schreibtisch. Foto: Markus Drossel

Ein Wahlversprechen hat er sich selbst gegeben. Und seinem kleinen Sohn. „Alle 14 Tage ist von Freitagnachmittag bis Montagfrüh Papa-Wochenende, da bin ich nur für meinen Sohn da. Das ist meine Auszeit, die ich sehr genieße“, sagt er. Diesbezüglich würde er niemals zurückstecken wollen. Dafür nimmt sich Schönwald an anderer Stelle zurück: bei seiner Freizeit und seiner Freizeitgestaltung. Der Sport kommt für den leidenschaftlichen Mountainbiker allzu oft zu kurz. „Meine sportlichen Tätigkeiten beschränkt sich auf eine halbe Stunde oder maximal 45 Minuten Crosstrainer früh vor der Arbeit“, sagt er. „Und sollte am Wochenende oder an einem Abend tatsächlich mal kein Termin sein, gehe ich nach wie vor gerne laufen.“ Sein Lieblingsziel: vom Döbertengrund hinauf zum Staffelberg. Und das besonders gerne mit dem Sohnemann oder Freundin Doreen. Zeit für Zweisamkeit ist alles in allem eh knapp bemessen. „Aber da sie in der Gastronomie arbeitet und ebenso seltsame Arbeitszeiten hat, passt das schon.“ Schönwald lacht.

Und wenn der 40-Jährige einen Wunsch frei hätte? „Dann würde ich mir wünschen, dass der Tag mehr Arbeitsstunden hätte“, sagt er, ohne groß nachzudenken. Spricht‘s, schaut auf die Uhr, verabschiedet sich höflich und verschwindet hinter den Schreibtisch, um die nächste Sitzung vorzubereiten. Die beginnt ja schon in wenigen Minuten.

Rathaus-Chefs unter sich

Hans-Josef Stich, der zeitweise amtierender Bürgermeister war für die CSU ins Bürgermeisterrennen gegangen war, letztlich aber aus privaten Gründen zurückzog, hat Wort gehalten und steht Mario Schönwald als Zweiter Bürgermeister mit Rat und Tat zur Seite. Aber auch Jürgen Kohmann (CSU) hat Mario Schönwald schon im Rathaus besucht und jegliche Unterstützung zugesichert. „Ich habe zu beiden ein sehr gutes Verhältnis. Beide haben mir ihre Hilfe zugesagt und ich durfte sie schon von beiden erfahren“, so Schönwald. „Beiden ist es wichtig, dass es mit der Stadt vorwärts geht. Da gibt es kein parteipolitisches Geplänkel. Beide sind offen, von beiden bekomme ich jede Auskunft, die ich haben will.“

Bislang letzter Freier-Wähler-Bürgermeister vor Schönwald war Baptist Faulstich, der ab 1994 für eine Periode amtierte. „Auch er war schon da und hat mir Ratschläge mit auf den Weg gegeben“, so Schönwald. „Das hat mich sehr gefreut“.

Bereits 2026 wird gewählt

Eine Gesetzesnovelle sorgt dafür, dass sich Schönwald schon im Jahr 2026 wieder dem Wählervotum stellen muss, gemeinsam mit den Stadträten. Doch was wird er vorweisen können, zumal die Corona-Pandemie derzeit vieles schwieriger macht und ausbremst? „Ich hoffe, dass ich Ende des ersten Jahres sagen kann, dass unsere Bauprojekte angelaufen sind: Schule Unnersdorf, die ehemalige Hypobank und die Feuerwehrhäuser Wolfsdorf und Wiesen.“ Und natürlich soll auch das Konzept Bären-Areal weiterentwickelt werden. So es denn die Haushaltsmittel hergeben, denn: „Ich persönlich habe nicht vor, die Stadt mit größeren Schulden zu belasten.“

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