SCHÖNBRUNN

Maintal-Kita-Leiterin Herzig zieht vor den Eltern den Hut

Auch die Jungen und Mädchen der Maintal-Kita in Schönbrunn freuen sich, wieder zusammen spielen zu können. Foto: Silvia Herzig/Maintal-Kita

Wie können Eltern ihren Kindern die Pandemie erklären? Wer, wenn nicht eine Kita-Leiterin könnte dazu Tipps und Ratschläge auf Lager haben, hat sich die OT-Redaktion gedacht und Silvia Herzig von der Maintal-Kita in Schönbrunn um einen Beitrag gebeten. Den hat sie uns geliefert, aber er ist etwas anders ausgefallen als erwartet. Warum? Das erklärt sie am besten selbst.

„Corona-Pandemie, Omikron-Welle … meine Kolleginnen und ich mögen diese Wörter schon gar nicht mehr in den Mund nehmen oder gar schreiben. Und nun wurde ich vom Obermain-Tagblatt gebeten, meine Tipps an Eltern weiterzugeben: Wie spreche ich mit meinem Kind über Corona, wie erkläre ich die Pandemie?

Ehrlich gesagt, ich kann mich nicht erinnern, in den fast zwei Jahren Pandemie solche Tipps gegeben zu haben … ,Warum nicht?‘, werden Sie jetzt fragen.

Mit Wünschen für ein frohes Osterfest ins Betretungsverbot

Blicken wir zurück: Im März 2020 an einem Freitag, 12 Uhr, kam die Anordnung des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales, die Kitas bis vorerst 19. April zu schließen – Betretungsverbot. Peng! Es hieß schnell reagieren, keiner wusste, was uns erwartet.

Wir verabschiedeten die noch anwesenden Kinder und Eltern mit einem fröhlichen Wunsch für ein frohes Osterfest und starteten alle in ein ,Betretungsverbot‘. Auch das Team wurde erst einmal heimgeschickt. Am Wochenende wurde dann klar, das ,Betretungsverbot‘ gilt nicht für die Beschäftigten der Kitas.

Eine nicht enden wollende Orientierungsphase

Es begann für mich als Leiterin aber auch für mein Team und vor allem für Eltern und Kinder eine nicht endende Orientierungsphase, und das hat sich nach 100 Newslettern des Ministeriums nicht wirklich geändert: Informationen kamen und kommen oft erst am Freitagnachmittag oder am Wochenende, mussten am Montag aber umgesetzt sein und werden. Also habe ich mir den Newsletter gleich auf mein Handy schicken lassen, um wenigstens ein bisschen Vorlauf zum Organisieren zu haben …

Allmählich veränderten und entwickelten sich die Strukturen des ,Miteinander Redens‘ zwischen Kita und Eltern. Entwicklungs- und Elterngespräche, Tür- und Angel-Gespräche vor Ort waren nicht mehr möglich. Eine umfangreichere Digitalisierung hielt schneller als geplant auch in der Kita Einzug!

WhatsApp-Elterngruppe und Freitags-Mail von der Kita

Die Eltern gründeten eine WhatsApp-Gruppe, um sich gegenseitig zu unterstützen, Mut zuzusprechen, Erfahrungen auszutauschen oder einfach nur, um in Kontakt zu bleiben. Von der Kita wurde unter anderem die Freitags-Mail geboren, aber nicht mit Tipps zu Gesprächen über Corona. Mit dieser Mail schickten und schicken wir wichtige Informationen über den Kita-Betrieb an die Eltern, unsere Elternbriefe, Bastelideen, Vorschulkinderkonzepte, Ausflugstipps … ja, mein Team war und ist sehr kreativ und die Eltern froh, Unterstützung bei der Beschäftigung der Kinder zu Hause zu bekommen.

Und die Kinder? Zum einen genossen und genießen sie die Zeit, die die Eltern plötzlich für sie hatten und haben, aber sie vermissen auch ihre Kita-Freunde. Oft höre ich Gespräche der Kinder über richtiges Händewaschen mit Begründungen wie: ,Wir haben doch Corona‘, ,Du musst mit Seife die Hände waschen, wegen Corona‘. Wollen wir den Kindern erklären, warum so wenige ihrer Freunde im Kindergarten sind, oder dass sie sich nicht mehr selbst bei den Mahlzeiten bedienen dürfen, werden wir belehrt: ,Na, wegen Corona.‘

Für die Kindergartenkinder ist Corona Lebenswirklichkeit

Sicher haben viele Gespräche zwischen Eltern und Kindern zu Hause stattgefunden. Aber ohne besondere Tipps von uns als ,Fachpersonal‘. Denn eins hat diese Pandemie hervorgebracht – Zeit zum Reden. In jeder Familie sicher auf einer anderen Ebene, mit einem anderen Hintergrund: zum Beispiel die kranke Oma, die mit im Haus lebt und vor Ansteckung geschützt werden muss, oder das Geschwisterkind, welches die Schule besucht, die Mama, die als Krankenschwester auf der Corona Station arbeitet … Den heutigen Kindergartenkindern muss man nicht erklären, was Corona ist. Für sie ist es ,Lebenswirklichkeit‘ geworden. Warum?

Weil sie Eltern haben, vor denen ich, und ich denke viele meiner Kolleginnen auch, den Hut ziehe. Eltern, die trotz Corona-Pandemie, Betretungsverboten, Notgruppenbetreuung, Quarantäne, Schließungen der Kitas ständig neuen Regelungen und Homeoffice seit fast zwei Jahren alles tun, um die Lebenssituation ihrer Kinder und Familien so gut wie möglich zu stemmen und zu ermöglichen.

Auch die Eltern sind Helden der Pandemie

Und deshalb kann ich die Anfrage der OT-Redaktion so nicht beantworten, und ehrlich gesagt, ich kann mich nicht erinnern, in den fast zwei Jahren Pandemie solche Tipps gegeben zu haben. Weil auch die Eltern Helden der Pandemie sind und ihre Kinder und Familien versuchen, bestmöglich durch eine der verrücktesten Zeiten der letzten Jahre hindurch zu begleiten! Hochachtung und Respekt vor dieser Leistung! Ein dickes Dankeschön für die Unterstützung! Danke, dass es Sie gibt – die Eltern!“

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