Staffelberg: Rüchsichtslose Biker sorgen für Aufregung

Leser-Forum: Auch Radler dürfen sich in der Natur bewegen

Zum Artikel „Deutschland kriegt's nicht auf die Kette“:

„Zum wiederholten Male wird von Ihnen über das frevelhafte Verhalten von Mountainbikern berichtet. Stein des Anstoßes ist wohl in der Hauptsache der Staffelberg und die nähere Umgebung.

Ich möchte nicht in Frage stellen, dass es seitens Mountainbikern zu Fehlverhalten kommt, und schon gar nicht, dass der Staffelberg als ausgewiesenes Naturschutzgebiet besonders schützenswert ist. Auch ich bin der Überzeugung, dass Mountainbiker außerhalb bestehender Wege nichts verloren haben, es sei denn, es ist mit den Grundstückbesitzern abgesprochen. Im Bericht von Frau Schütz wird der Jägerschaft und den Bauern das Wort gegeben. Eine Möglichkeit der Äußerung bleibt den Bikern jedoch verwehrt.

Es wird auf das allgemeine Durchfahrtsverbot für ,Fahrzeuge aller Art‘ hingewiesen. Diese Verkehrszeichen findet man fast an jeder Einfahrt zu Wegen in der freien Natur. Aber auch Fahrradfahrer haben das Recht, sich in der freien Natur zu bewegen und auch Sport zu treiben. Dies ist im Bayerischen Naturschutzgesetz (BayNatSchG) geregelt, nachzulesen in Teil 6. Berücksichtigt man dieses Gesetz, sind die Verkehrszeichen ,250‘ der Straßenverkehrsordnung schlichtweg falsch.

Das allgemeine Betretungsrecht nach Art. 27 BayNatSchG kann auch von Grundeigentümern oder sonstigen Berechtigten nicht einfach verwehrt werden, hierzu müssten schon besondere Gründe vorliegen. Das heißt, der Ertrag müsste im erheblichen Maße gemindert oder in unzumutbarer Weise beschädigt oder verunreinigt werden. Für alle Waldbesitzer bedeutet das, dass Sperren von Waldwegen nicht zulässig ist und im Schadensfall strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann.

Die Haftungsfrage erledigt sich bei einem Blick in das Bundesnaturschutzgesetz. Im dortigen § 60 wird darauf hingewiesen, dass das Betreten – und das Radfahren gehört hier dazu – auf eigene Gefahr erfolgt. Die sich aus der Natur ergebenden Gefahren obliegen nicht der Haftung.

Zurück zu den Küchenschellen und anderen schützenswerten Pflanzen auf dem Staffelbergplateau. Gerade in den letzten Jahren wird der Staffelberg von Spaziergängern und Wanderern bevölkert. Decken werden ausgebreitet, oder man lässt sich einfach so ins Gras fallen. Von dieser Situation lese ich kein Wort. Aber auch der Spaziergänger/Wanderer hat sich im Naturschutzgebiet auf den Wegen aufzuhalten. Verpackungsmüll und Abfall werden wohl hier mehr anfallen als vom Radfahrer, der verbotenerweise eine Runde um das Plateau dreht und seine Fahrt fortsetzt.

Genauso wie den rücksichtslosen Radfahrer gibt es den rücksichtslosen Wanderer, Spaziergänger und Landwirt. Wanderer, die mit dröhnenden Lautsprechern von Vierzehnheiligen zum Staffelberg ziehen. Nebeneinander, ein Klingeln oder eine Ansprache überhörend den Weg auf kompletter Breite für sich beanspruchen und Abfall einfach zurücklassen. Waldbauern, die meinen, sie müssen Wege unpassierbar machen, anscheinend stur vor sich hinfahren und ihre Geschwindigkeit bei entgegenkommenden Fußgängern oder Radfahrern nicht vermindern. Jäger, die ihre Fahrzeuge auf dem Waldweg abstellen, so dass man nicht mehr vorbeikommt.

All das habe ich schon erlebt, und ich bin auch sehr viel zu Fuß in unserer Region unterwegs. Aber das sind gemäß meiner Erfahrung Einzelfälle. Genauso sind wohl unsere ,Downhiller und Enduro-isten‘ eher als seltenere ,Gattung‘ der Mountainbiker anzusehen. Die haben Freude daran, durch ,Steilkurven‘ und über Schanzen zu fliegen. Da wird auch gerne mal ohne Erlaubnis an der Strecke gearbeitet. Dann ist es verständlich, wenn der Waldbesitzer verärgert ist, denn dann steht er im Falle eines Unfalles in der Pflicht.

Ich plädiere beim Aufeinandertreffen für ein freundliches Wort und gegenseitige Rücksichtnahme. Wir bräuchten keine Verordnungen, wenn jeder auch an das Wohl des anderen denken würde. Die dem Artikel beigefügten Bilder sind wenig aussagekräftig und plakativ. Ich hätte mir eine etwas gründlichere Recherche gewünscht. ,Josh‘ Simeoni kann ich nur bedingt recht geben. Grundsätzlich muss es ein ,Miteinander‘ geben. Herr Morgenroth hat mein vollstes Verständnis. Und noch etwas: Es ist richtig, dass die offizielle Bezeichnung ,Pedelec‘ lautet. Diese sind aber nur dann als Fahrräder einzuordnen, wenn die Tretkraftunterstützung bei 25 Kilometern pro Stunde endet. Die ,Schnellen‘ sind als Krafträder/Motorräder einzustufen und können somit nicht die Regelungen des BayNatSchG in Anspruch nehmen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Naturliebhabern viel Freude bei der Erholung in unserer herrlichen Region und ein offenes, freundliches Miteinander.“

Helmut Peschel,

Radsportbezirk Oberfranken,

Fachwart Mountainbike