KLOSTER BANZ

Lebensgewohnheiten der Wildkatze im Banzer Wald nachgespürt

Lebensgewohnheiten der Wildkatze im Banzer Wald nachgespürt
Der Wildkatzen-Lehrpfad des Bund Naturschutz bot viel Wissenswertes, das an etlichen Stationen Familien sogleich zum Mitmachen anregte. Foto: Red

Etliche Kinder und Jugendliche begaben sich auf dem etwa zwei Kilometer langen Wildkatzenpfad im Banzer Wald auf dem Gelände des Herzoglich bayerischen Forstguts mit ihren Eltern auf Spurensuche. Unter dem Leitgedanken „Mit Kopf, Herz und Hand“ sollten möglichst viele Sinne der Exkursionsteilnehmer entlang des kinderwagentauglichen Rundweges mit seinen acht Stationen angesprochen werden.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt ließ wissen, dass der Auslöser für das Anlegen des Wildkatzenlehrpfades im Banzer Wald unter anderem war, dass die Wildkatze tatsächlich dort lebt und sich fortpflanzt. Mit Hilfe kleiner, aufgerauhter Holzlatten, die im Boden eingeklopft und regelmäßig mit Baldrian eingesprüht wurden, war es möglich, der scheuen, hauptsächlich nachtaktiven Raubkatze auf die Spur zu kommen.

2013 erstmals im Banzer Wald nachgewiesen

Einen derartig präparierten Lockstock hatte der Exkursionsleiter dabei, ließ die Teilnehmer daran riechen und informierte: „Baldrian hat eine stark anziehende Wirkung auf Katzen, die sich daran reiben und somit Haare hinterlassen. Auf diese Weise gelang es, die sonst sehr scheue Wildkatze im Rahmen einer bayernweit durchgeführten wissenschaftlich begleiteten Aktion im Jahr 2013 erstmals auch im Banzer Wald nachzuweisen. Auch in den Folgejahren bis 2019 konnte sie mit Hilfe von Wildkameras und weiteren Lockstockaktionen erneut auch an einigen anderen Orten im Landkreis bestätigt werden – sehr zur Freude der Kreisgruppe Lichtenfels des BUND Naturschutz.“

Ein erster Hinweis auf den kinderfreundlichen Lehrpfad in Form einer großen Holzskulptur, die von der Silhouette einer Stahlblechkatze gekrönt ist, befindet sich für die ankommenden Naturfreunde nahe des Besucherparkplatzes des Klosters Banz. Der eigentliche Lehrpfad beginnt direkt auf dem Weg zwischen dem Kassenhäuschen des Banzer Kletterwaldes und der Waldschänke und ist ebenfalls mit einer Metallskulptur der Wildkatze versehen, wie auch an den weiteren Stationen.

„Suchinstinkt“ des Menschen anregen

Um den außergewöhnlichen Gleichgewichtssinn der Wildkatze nachzuempfinden, konnten die Besucher bei der zweiten Station auf mehreren großen Baumstämmen im „Catwalk-Gang“ balancieren. Die dritte Station widmet sich der guten Tarn- und Sehfähigkeit der Wildkatze. Hier sollen die Besucher mit ihren eigenen Augen oder mit Hilfe von Ferngläsern, die der Exkursionsleiter reichte, neben der Wildkatze auch verschiedene andere Wildtierskulpturen entdecken, die aufgrund ihrer durch Naturrost entstandenen Oberflächenstruktur nicht ohne weiteres zu sehen sind und so den „Suchinstinkt“ des Menschen anregen.

Zur Verdeutlichung, wie gut die Wildkatze hören kann, wurden bei der vierten Station zwei überdimensionale Hörrohre installiert, die sowohl die natürlichen als auch menschengemachten Geräusche im Wald und im Maintal verstärken. An der fünften Station erfuhren die Besucher etwas über das Familienleben der Wildkatze. Dabei werden unter anderem Paarungs- und Tragzeit sowie Jungenaufzucht thematisiert. Die Metallskulpturen einer Wildkatze mit ihren Jungen unter einem Wurzelteller wurden von den vorauseilenden Kindern schnell entdeckt.

Aufzucht wird ausschließlich von der Kätzin übernommen

Reinhardt informierte, dass die Aufzucht der Jungen ausschließlich von der Kätzin übernommen werden. Die nächste Station vergleicht die außerordentliche Sprungkraft der Wildkatze, welche die der Hauskatze und die des Fuchses um einiges übersteigt. Die Jugendlichen konnten an einer Sprunggrube ihre eigenen Fähigkeiten testen, was bei manchen den sportlichen Ehrgeiz zu mehreren Versuchen weckte. Dann folgte sogleich ein kleiner Rast- und Ruheplatz: Eine urige Sitzgruppe lädt zum Verweilen ein, und eine riesige Doppel-Rotbuche bietet die Möglichkeit, die Faszination des Waldes mit allen Sinnen zu erspüren. Zum „Waldbaden“ wäre hier ein geeigneter Ruhepol.

Bei der letzten Station galt es, zu überlegen, wie man der Wildkatze helfen könnte; denn sie braucht „grüne Korridore, abwechslungsreiche Wälder mit Waldwiesen, strukturreichen Waldrändern, Hecken und großzügig angelegten Feldrainen.“, meinte Exkursionsleiter Anton Reinhardt zum Schluss.

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