BAD STAFFELSTEIN/LICHTENFELS

Laufszene am Obermain im Dauerwartemodus

Laufszene am Obermain im Dauerwartemodus
Wie schon im Vorjahr kann der Obermain-Marathon (hier ein Bild aus früheren Jahren) wegen der Pandemie auch heuer nicht stattfinden. Hauptorganisator Karl-Heinz Drossel hat für seine frühe Absage im Oktober 2020 viel Verständnis erfahren - aber nicht nur. Foto: Mario Deller

Sport tut gut. Und gemeinsam Sport treiben, ist natürlich schöner als alleine. Doch was das „gemeinsam“ betrifft, hat Covid-19 weiterhin ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Mannschaftssportarten sind natürlich besonders betroffen, aber eben durch den Wegfall lieb gewonnener Veranstaltungen auch der Laufsport. Im Gespräch mit Vertretern der Laufszene, vom Organisator bis zu Athleten, wird eine Stimmung deutlich, die unter der Prämisse der Akzeptanz des Notwendigen schwankt zwischen der Situation geschuldeter Unsicherheit und nach wie vor verbreiteter Zuversicht.

„Die Gesundheit der

Teilnehmer steht bei mir stets im Vordergrund. Ein

Obermain-Marathon 2021 mit 2000 Teilnehmern lässt sich nicht verantworten, selbst wenn's durch irgendein

ausgedachtes Hygienekonzept von den Auflagen her doch noch möglich wäre.“

Karl-Heinz Drossel, Hauptorganisator
Laufszene am Obermain im Dauerwartemodus
Bei seiner zweiten Auflage anno 2006 startete der Obermain-Marathon noch im Zentrum Bad Staffelsteins. Solche Menschen... Foto: Mario Deller

Nachdem der Obermain-Marathon schon 2020 nicht stattfinden konnte, sah sich der rührige Hauptorganisator Karl-Heinz Drossel wegen der notwendigen Vorplanung und auch zur Vermeidung eines finanziellen Worst-Case-Szenarios schon vor geraumer Zeit dazu veranlasst, die weithin bekannte Laufsport-Veranstaltung auch für 2021 abzusagen. „Die Gesundheit der Teilnehmer steht bei mir stets im Vordergrund. Ein Obermain-Marathon 2021 mit 2000 Teilnehmern lässt sich nicht verantworten, selbst wenn's durch irgendein ausgedachtes Hygienekonzept von den Auflagen her doch noch möglich wäre“. Und die gewohnte herzliche Stimmung würde im Falle eines Realisierung komplett fehlen.

Er habe überwiegend positive Rückmeldungen auf diese neuerliche Absage bekommen, betont Drossel. „Sehr schade, aber ich kann eure Entscheidung nachvollziehen“ oder „Danke, Ihr zeigt Verantwortung“ lauten etwa die Kommentare auf der Facebook-Seite des Obermain-Marathon.

Viel Verständnis, aber auch als „Coronajünger“ beschimpft

Aber der 68-jährige, der selbst noch jede Woche ein wenig „just for fun“ läuft, damit die Knochen nicht einrosten, will auch die wenigen bösen Mails an ihn nicht unerwähnt lassen. In einer wird er ob seiner Absage des Obermain-Marathons als „Coronajünger“ betitelt. „So etwas geht nicht spurlos an einem vorbei“, so ein nachdenklich wirkender Karl-Heinz Drossel.

Er hält es mit Marion Fischer, der Lebensgefährtin des Laufurgesteins Kurt Herbicht: „Allen diejenigen, die immer noch meinen, Corona gibt es nicht, empfiehlt die Marion, doch einmal ins Krankenhaus zu gehen und sich die Wahrheit anzusehen. Das ist auch meine Meinung in Richtung der Corona-Leugner“.

Comeback der Volksläufe im Sommer hält er für unwahrscheinlich

Genauso wie in den Bereichen Geschäftswelt, Feste und Kultur ist auch in punkto Laufsport-Veranstaltungen bis auf weiteres noch alles in der Schwebe. „Im März habe ich ein Gespräch mit dem Landrat, dann werden wir weitersehen“. Der diesjährige Obermain-Marathon ist ohnehin passé, aber auch ein Comeback der Volksläufe im Sommer hält er trotz zum Glück derzeit sinkender Inzidenzwerte für kaum vorstellbar: „Ich glaube nicht, dass der Adam-Riese-Nachtlauf im Juli stattfinden kann“.

Laufszene am Obermain im Dauerwartemodus
Karl-Heinz (Kalle) Drossel Foto: red

Die derzeitige Unsicherheit zehre freilich an den Nerven, räumt er ein. „Gerade die erfahrenen Läufer wollen zeigen, wie gut sie sind und suchen gerne das sportliche Kräftemessen im Wettkampf. Aber momentan geht?s halt nicht, so schwer es auch fällt.“ Auch ihm fehle die den Laufsport-Events inne wohnende Herzlichkeit, das Miteinander, das Anfeuern der Athleten am Straßenrand.

Ausfall finanziell als andere als ein Pappenstiel

Der immense Aufwand, den insbesondere Laufsport-Veranstaltungen größeren Ausmaßen bedingen, ist auch in finanzieller Hinsicht alles andere als ein Pappenstiel. So fielen beispielsweise betreffend des Obermain-Marathons – insbesondere 2020, als das Ganze ausgesprochen kurzfristig gecancelt werden musste – trotz Absage nicht unerhebliche Kosten an. Drossels Dank gilt vor diesem Hintergrund den Sponsoren dafür, dass sie ihr Geld nicht zurück verlangt haben. „Sonst wär's ein Fiasko geworden“, redet er Klartext.

Das Entgegenkommen der Sponsoren, aber auch der Verzicht vieler Teilnehmer auf die Rückerstattung der Startgelder – das sind wichtige Bausteine, um eine tragfähige Basis zu schaffen für einen hoffentlich auch gesundheitlich wieder bedenkenlos möglichen Obermain-Marathon 2022.

Der 68-Jährige freut sich darauf, wieder einen Lauf zu organisieren

Die Flinte ins Korn werfen will Drossel trotz aller widriger Umstände weiterhin nicht, dafür sind ihm der Obermain-Marathon und auch die übrigen in der Adam-Riese-Stadt stattfindenden Läufe im Juli, November und an Silvester viel zu sehr ans Herz gewachsen. „Mir würde es Spaß machen, wieder einen Lauf zu organisieren. Und es wird auch wieder welche geben, aber wir wissen momentan einfach nicht wann“, macht er deutlich, dass bei aller Ungeduld momentan einfach nur Abwarten und Tee oder alternativ Kaffee trinken angesagt ist und betont zum Abschluss des Gesprächs noch einmal den Satz, der nach seiner Auffassung auch Gehör finden möge bei den unverbesserlichen Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretikern: „Das Wichtigste ist und bleibt die Gesundheit.“

Wenn die Situation es wieder im Sinne der Gesundheit von Athleten und womöglich auch Zuschauern zulässt, den Obermain-Marathon zu realisieren, wird auch die 59-jährige Ulrike Hümmer jubeln: „Die schöne, aber auch anspruchsvolle Strecke des Obermain-Marathon begeistert mich immer wieder. Es ist doch selbstverständlich, dass ich als Bad Staffelsteinerin hier mitlaufe“, meinte sie, als sie vor nunmehr knapp zwei Jahren anno 2019 zum 15. Mal teilnahm. Ihrer ersten Marathon lief sie als 26-jährige, blieb dem Laufsport bis heute treu. Auch ihr Mann Bernhard hält sich mit dem Laufen fit. „Das Treffen von Gleichgesinnten und Bekannten, die familiäre Atmosphäre, das fehlt auch uns“, gibt Ulrike Hümmer zu.

44 Kinder legen das Sportabzeichen 2020 ab

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Sandra Nossek vom TSV Staffelstein - hier mit Startnummer 61 als Teilnehmerin beim Adam-Riese-Nachtlauf 2018 - ermögli... Foto: Mario Deller

Auch die Kinder und Familien, die gerne ihrem Lieblingssport frönen, haben es derzeit nicht leicht. „Im Gegensatz zu den Mannschaftssportarten hatten wir als Einzelsportart ja noch das Glück, dass die Leichtathletik mit Einschränkungen in kleineren Gruppen möglich war“, weiß Sandra Nossek vom TSV Staffelstein die Situation richtig einzuschätzen. Immerhin konnte der TSV 2020 ermöglichen, auf Wunsch das Sportabzeichen abzulegen. 44 Kinder und Jugendliche nutzten im vergangenen Jahr diese Möglichkeit.

Solange dies möglich war, boten die Nachwuchstrainer Kurt Herbicht, Marion Fischer und die erwähnte Sandra Nossek den Kindern ein- bis zweimal wöchentlich ein Training an, halt unter den erlaubten Corona-Bedingungen.

Als Trostpflaster Aktion „Lauf für deinen Verein“ angeboten.

Als kleines Trostpflaster für alle Laufsportler veranstaltete der TSV im vergangenen Jahr im Juni und Anfang Dezember zweimal die Aktion „Lauf für deinen Verein“, bei der jeder alleine oder mit der Familie für sich lief, den Verein unterstützte. Mit der Aktion, an der jeweils rund 200 Laufbegeisterte teilnahmen, solidarisierte sich der TSV auch mit der Gastronomie. Das Flair einer Laufsportveranstaltung haben solche coronakonforme Aktionen, wie sie auch andernorts überall in Deutschland im ersten „Corona-Jahr“ 2020 stattfanden, natürlich nicht zu bieten.

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Beim vom TSV Staffelstein voriges Jahr zweimal corona-konform veranstalteten „Lauf für deinen Verein“ fehlte freilich d... Foto: Mario Deller

Einen zumindest schrittweise Rückkehr zur Normalität wünscht sich auch der Bad Staffelsteiner Bürgermeister, Jürgen Kohmann. Alle sitzen derzeit in einem Boot, die Geschäftswelt, die Künstler, die Schule und die Vereine. „Wir als Gesundheitsregion vermissen natürlich die Vielfalt an Veranstaltungen im sportlichen und kulturellen Bereich“.

Auch sein Blick ist geprägt von einem Mix aus Realismus und Zuversicht: „Eine Alternative zu den notwendigen Beschränkungen gibt es ja nicht, aber ich sehe optimistisch in die Zukunft“. Auch er dürfte Freude empfinden, wenn Bad Staffelstein beim Obermain-Marathon 2022 hoffentlich wieder zum Nabel der oberfränkischen Laufsportszene wird.

Andreas Hügerich zehrt von seinen „Bildern im Kopf

Selbst begeisterter (Marathon-)läufer ist bekanntlich Kohmanns Lichtenfelser Amtskollege Andreas Hügerich. Mindestens genauso wie den Obermain-Marathon, an dem der junge Rathauschef der Korbstadt bereits teilnahm, vermisst Hügerich freilich den Flechtkulturlauf, der immer fester Bestandteil des Lichtenfelser Weinfestes war und 2020 ebenfalls wegen Corona abgesagt werden musste. Ende März werde man sich zur Frage, ob der Flechtkulturlauf heuer überhaupt stattfinden könne und sollte, weiter beratschlagen, heißt es hierzu auf der Homepage des Flechtkulturlaufs.

„Wie für Handel, Kultur und Gastronomie ist dies auch für unsere Sportvereine eine schwere Zeit“, weiß Hügerich. Für Sportler gilt derzeit halt die Maxime, sich in Eigenregie fitzuhalten. „Mir helfen da momentan die Erlebnisse bei vergangenen Rennen und Triathlons“, zehrt Hügerich ein wenig von den „Bildern im Kopf“.

Auch bei Minusgraden hält es leidenschaftliche Läufer nicht im Haus

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Das große Lauftalent Noah Möller (Mitte) – hier mit seiner Schwester und seinem Vater bei der TSV-Aktion „Lauf für deine... Foto: Mario Deller

Hügerich liebt das Laufen als Ausgleich. Wie auch beim oben genannten „Läuferehepaar“ Hümmer gelten winterliche, - neulich ja sogar hierzulande fast sibirische - Bedingungen für ihn nicht als Ausrede, die Sportklamotten einmal links liegen zu lassen „Selbst bei Minusgraden hält es mich nicht im Haus“, meint er, fügt aber ehrlich hinzu: „....,wobei ich zugeben muss, dass ich schon lieber bei warmen Temperaturen laufe“.

Wie uns derzeit schmerzlich bewusst wird, war, ist und bleibt der Sport zweifelsohne ein eminent wichtiger Eckpfeiler unserer Gesellschaft, schenkt der jungen Generation und den jung Gebliebenen Freude und ein wunderschönes Wir-Gefühl. Nichts wünschen wir uns sehnlicher, dass letzteres auch im Sport möglichst bald wieder sorgenlos gelebt und erlebt werden kann.

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