BAD STAFFELSTEIN

Wehmütiges Adieu und berührende Songs beim Landfrauentag

Landfrauentag: Wehmütiges Adieu und berührende Songs
Über ein aus Holz gefertigtes Miniatur-“Ruhestandsbänkla“ durften sich der scheidende BBV-Kreisgeschäftsführer Hans-Jürgen Rebelein und die bereits 2020 in den Ruhestand gegangene Teamassistentin Marga Geck freuen. Für das geleistete Engagement dankten unter anderem Kreisobmann M... Foto: Mario Deller

„Welche Farbe hat die Welt“, gab Musikerin und Entertainerin Birgit Geßlein den berühmten Song von Drafi Deutscher zum Besten. Wer beim diesjährigen Landfrauentag des Bauernverband-Kreisverbandes Lichtenfels nah am Wasser gebaut war, bekam in solchen Momenten feuchte Auge angesichts der dabei unweigerlich in den Sinn kommenden Gedanken an das derzeitige Leid der ukrainischen Bevölkerung. Neben diesem nicht auszublendenden Themas stand vor allem das Ende einer beruflichen Ära im Kreisverband im Fokus.

Nachdem er zuletzt 18 Jahre als Geschäftsführer des Lichtenfelser Kreisverbandes fungiert hat, geht Hans-Jürgen Rebelein nun in den verdienten Ruhestand. Wenngleich hierzu noch eine offizielle Verabschiedung geplant ist, war der für ihn letzte Landfrauentag als amtierender „Anwalt“ für die Belange des landwirtschaftlichen Standes im Landkreis von Wehmut geprägt.

Gabriel Lieb ist der Nachfolger von Rebelein

Viele Erinnerungen wurden wieder wach, als Rebelein in einer Beamer-Vortrag auf seine fast zwei Jahrzehnte währende Zeit als Geschäftsführer zurückblickte. Die Bilder erzählten von personellen Veränderungen wie der Wahl von Michael Bienlein zum Kreisobmann sowie Marion Warmuth zur Kreisbäuerin 2012, dem Umzug der Kreisgeschäftsstelle nach Bad Staffelstein 2016 in das aufwändig restaurierte ehemalige Amtshaus des Bamberger Domkapitels sowie wichtigen Aktionen der Öffentlichkeitsarbeit wie dem Tag des offenen Hofes oder die „Stallgespräche“. Große Stücke hält Rebelein auf seinen Nachfolger Gabriel Lieb, der bei einer künftigen Feierstunde noch offiziell ins Amt eingeführt werden wird. Wichtig war Rebelein der Dank an alle Weggefährten bei seiner Arbeit in Coburg, Lichtenfels und Bad Staffelstein.

Aus Holz gefertigte „Ruhestandsbänkla“ als Dank

Als Teamassistentin in der Kreisgeschäftsstelle bereits 2020 ausschied Marga Geck, die ebenfalls ihren Ruhestand antritt. Corona-bedingt fand sich aber erst jetzt eine passende Gelegenheit, ihr offiziell Dank auszusprechen. Auch hier sei mit Kerstin Düßel eine kompetente und engagierte Nachfolgerin gefunden werden, hieß es in den Reden. Rebelein und Geck erhielten als Zeichen der Wertschätzung aus Holz gefertigte „Ruhestandsbänkla“ überreicht, über die sie sich sehr freuten. Aber auch an die, welche nicht mehr unter uns weilen, wurde gedacht. „Sie hat enorm viel bewirkt im Kreisverband“, würdigte Kreisbäuerin Marion Warmuth ihre im Juli vorigen Jahres verstorbene Vorgängerin Elisabeth Fischer.

Landfrauentag: Wehmütiges Adieu und berührende Songs
Zuverlässigkeit und Kompetenz zeichnete auch die scheidende Teamassistentin Marga Geck (li.) aus, die aus diesem Anlass ... Foto: Mario Deller

Getreu dem aktuellen Jahresthema des Bayerischen Bauernverbandes „Blick durchs Schlüsselloch in Richtung Zukunft“ richtete Warmuth selbigen vor allem nach vorne. Die Landwirtschaft habe sich, so die Kreisbäuerin, stetig weiterentwickelt. Sie nannte unter anderem Stalltechnik, Pflanzenschutz oder boden- und klimaschonende Bearbeitung Es bedürfe aber zwecks Akzeptanz in der Gesellschaft mehr denn je Aufklärungsarbeit über die landwirtschaftliche Arbeit.

„Die regionale Direktvermarktung erlebt derzeit einen gewissen Aufschwung und Wertschätzung, das gibt uns in unserer Arbeit Hoffnung und Zuversicht.“
Marion Warmuth, Kreisbäuerin

Durch den Krieg in der Ukraine in den Fokus gerückt ist das Thema Versorgungssicherheit betreffend Lebensmittel, Betriebsmittel, Energie und Rohstoffen. „Ich bemerke in unserem schönen Landkreis hier ein positives Umdenken der Gesellschaft. Die regionale Direktvermarktung erlebt derzeit einen gewissen Aufschwung und Wertschätzung, das gibt uns in unserer Arbeit Hoffnung und Zuversicht.“

Schmerzlich vermisst wurde der Landfrauenchor, der im Zuge von Corona und vor allem Problemen bei der Nachwuchsfindung nicht mehr zustande gekommen ist. „Danke, dass ihr immer da wart“, würdigte Rebelein das Ensemble als wertvolle Stütze und sprach die Hoffnung aus, dass dieser irgendwann wieder aktiv werde.

Stellvertretende Bezirksbäuerin Beate Opel thematisierte die geplante diesjährige Umsetzung des Projekts „Landfrauen machen Schule“. Opel verlieh ihrer Hoffnung Ausdruck, dass zu den sieben Höfen, die ihr Mitwirken zugesagt haben, noch zahlreiche hinzukämen.

Um die Landwirtschaft zu stärken, sei es unerlässlich, dass alle an einem Strang ziehen, betonte Landrat Christian Meißner. „Ich werde dafür sorgen, dass wir im Landkreis nicht weiterhin alle nebeneinander arbeiten“, versprach er und redete Klartext: „Wenn manche die Landwirtschaft noch immer als Problem im Kopf haben, werden wir nicht weit kommen. Partnerschaftliches Denken ist jetzt wichtig, sonst wird?s nicht funktionieren.“ Die derzeitige Situation mache bewusst, das volle Regale in den Einkaufsmärkten nicht selbstverständlich seien, lobte der Dritte Bürgermeister Bad Staffelsteins, Holger Then, die Arbeit der Landwirte.

Hauptreferentin Ursula Lux: Das eigene Tun reflektieren

Landfrauentag: Wehmütiges Adieu und berührende Songs
Hauptreferentin Ursula Lux sprach zum Thema „Gelassenheit“. Foto: Mario Deller

Das eigene Tun und vor allem Denken zu reflektieren – hierzu ermunterte der Vortrag der Hauptreferentin Ursula Lux, unter dem Titel „Mit Gelassenheit durchs Leben gehen“. Andere Menschen ändern zu wollen, sei zum Scheitern verurteilt, lautet ein wichtiger Aspekt des Vortrags, der im weiteren Verlauf noch allerhand weitere „Werkzeuge“ an die Hand gab, um die Herausforderungen des Alltags und auch Zielsetzungen mutig und selbstbewusst anzugehen. „Das Fundament der Gelassenheit – nicht mit Gleichgültigkeit verwechseln – ist, sich selbst zu mögen“, so Lux, die hervorhob, wie wichtig es sei, den „inneren Kritiker“ zum Schweigen zu bringen.

Wort- und gestenreich in kunterbunter Hausfrauentracht

Mit einem Mix aus Humor und von christlichem Glauben geprägtem Tiefsinn trug Birgit Geßlein aus Eichenbühl im Kronacher Raum sehr gelungen bei. Kein Auge trocken blieb, als Geßlein in ihrer kabarettistischen Paraderolle als „Retl“ in kunterbunter Hausfrauentracht kein Blatt vor den Mund nahm. In amüsanter Art und Weise sprach sie überspitzt-unverblümt die in Ruhestand gehenden Hans-Jürgen Rebelein und Marga Geck an und ließ wort- und gestenreich das begeisterte Publikum an ihrem fiktiven Alltag als „Retl“ teilhaben: „Ich mach' grade zwei Diäten – weil von einer wird ma ja net satt.“

Landfrauentag: Wehmütiges Adieu und berührende Songs
Wortreich, gestenreich und vor allem kurzweilig-amüsant schlüpfte Birgit Geßlein in ihre kabarettistische Paraderolle al... Foto: Mario Deller

Hin und wieder streute sie auch einen frivolen Satz mit ein – und formulierte frech-witzige Wortspiele, die für Lacher im Publikum sorgten. „Neulich sagte ich zu meinem Mann: Wenn du nicht bald das Ackern anfängst, verpachte ich mein Land – aber eigentlich bin ich eh schon längst im Flächenstillegungsprogramm.“

„Ich mach' grade zwei Diäten – weil von einer wird ma ja net satt.“
Birgit Geßlein als „Retl“

Die gelernte Erzieherin, die sich auch einen Namen gemacht hat als Referentin im Bereich positive Lebensbewältigung, verlieh der Veranstaltung aber zudem eine besondere Note durch, wie eingangs erwähnt, ans Herz gehende, besinnliche Gesangsdarbietungen. Das Lied „Nimm dir Zeit, werde still“ thematisierte Gottvertrauen und die Aufforderung, sich auch an kleinen Glücksmomenten zu erfreuen.

Landfrauentag: Wehmütiges Adieu und berührende Songs
„Welche Farbe hat die Welt“ oder „Ein bisschen Frieden“ - eine für die derzeitigen Umstände passende und nachdenkliche A... Foto: Mario Deller

Und der Text des berühmten Lieds „Ein bisschen Frieden“, welches das Publikum - darunter auch viele weitere Ehrengäste aus Landwirtschaft, Kirche und Gesellschaft – bewegt mitsang, spricht in diesen Tagen ohnehin für sich.

500 Euro an Spenden für ukrainische Frauen

Wie immer beim Landfrauentag in Bad Staffelstein wurde per Spendenkorb wieder für eine gute Sache gesammelt. Aus aktuellem Anlass wird die Summe diesmal zur Unterstützung ukrainischer Flüchtlinge im Landkreis verwendet. Den zustande gekommenen Betrag von 450 Euro rundete Landrat Meißner, der für den Landkreis die Spende entgegen nahm, auf 500 Euro auf und dankte für diese schöne Zeichen der Solidarität.

 

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