KALTENBRUNN

Im Itzgrund: Künftig nur noch Altbau-Förderung

Im Itzgrund: Künftig nur noch Altbau-Förderung
Immerhin: Ihren ersten „offiziellen Einsatz“ hat die Itzgrundhalle schon hinter sich gebracht. Die Gemeinderatssitzung war die Premiere für die aufwändige energetisch und behindertengerecht sanierte Halle neben dem Rathaus. Foto: bkö

Nach dem großen Erfolg mit vielen Bauinteressenten für die Flächen im Neubaugebiet „Kapellenfeld“ beginnt die Gemeinde Itzgrund damit, sich neu auszurichten und die Förderung von Altbau-Sanierungen verstärkt in den Blick zu nehmen. Erster Schritt dabei: Nach Abschluss der beiden Neubaugebiete „Kapellenfeld II“ (Kaltenbrunn) und „Kirchäcker II“ wird es keine kommunale Wohnungsbauförderung mehr geben. Das hat der Gemeinderat in der jüngsten Sitzung beschlossen.

Das Familienförderprogramm mit zehn Prozent Nachlass pro Kind beim Kauf eines Bauplatzes hat sich für die Gemeinde als gute Sache herausgestellt. Bürgermeisterin Nina Liebermann (CSU) berichtete, was sich seit dessen Einführung 2017 getan hat: Sechs Förderanträgen (drei in Gleußen, drei in Kaltenbrunn) wurde die Zustimmung erteilt, insgesamt kamen so Nachlässe von 43 000 Euro zusammen. Das sei gut angelegtes Geld für die Gemeinde gewesen, meinte Matthias Schorn (KUL): „Ohne die Förderung würden bei uns deutlich weniger neue Häuser stehen.“

Die günstigen Baupreise locken viele junge Familien in die Gemeinde

Dennoch war der Gemeinderat jüngst bei einem Zukunfts-Workshop mehrheitlich der Meinung, dass es das Sonderprogramm nicht mehr braucht. Alleine schon deshalb, weil es im Itzgrund „die günstigsten Baulandpreise weit und breit gibt.“ Das meinte die Bürgermeisterin. Auch Jürgen Alt (SPD) empfand den Itzgrund als verlockendes Ziel für junge Familien: „Was die Preise angeht, da sind wir unschlagbar.“ Aber es sei eben an der Zeit, sich auch um die Ortszentren zu kümmern, wo es immer mehr Leerstände gebe. Immer nur auf der „grünen Wiese“ neue Baugebiete auszuweisen, sei wirklich nicht mehr zeitgemäß. So sah es Matthias Bauer (Freie Wähler).

Gesprächsbedarf gab es dennoch. So kam von allen Fraktionen der Wunsch, nicht nur – wie von der Verwaltung vorgeschlagen – das „Kapellenfeld II“ aus dem Zuschuss-Stopp herauszunehmen. Jürgen Alt verwies auf das Herrether Neubaugebiet. Auch dort seien die Bauinteressenten davon ausgegangen, bei einem Neubau Unterstützung der Kommune zu bekommen. Da müsse man konsequenter Weise mit im Boot bleiben. Norbert Köhler (CSU) sah es auch so: „Herreth noch durchziehen und was danach kommt, fällt raus.“ Maria Döllinger (Freie Wähler) hätte hingegen damit leben können, einen entschlossenen Schluss-Strich unter das Förderprogramm zu ziehen und bereits in Herreth nichts mehr zu bezahlen: „Das kann zwar ungerecht rüberkommen, aber wir müssen halt irgendwo anfangen.“

Mit 11:4 Stimmen entschied der Gemeinderat dann doch, die Wohnungsbauförderung mit Ausnahme der beiden aktuell ausgeschriebenen Neubaugebiete einzustellen. Nicht davon betroffen ist die „städtebauliche Komponente“ des Programms. Das heißt: Auch wer künftig ein altes Haus im Itzgrund kauft, saniert und Wohnraum schafft, kann einen Zuschussantrag an die Gemeinde stellen. Das kann sich lohnen, denn die Gemeinde hat seit 2017 im Schnitt knapp 5000 Euro bei Altbaukäufen dazugelegt. „Wir sollten uns Gedanken machen, die Sanierung von Altbauten noch stärker zu fördern“, regte die Bürgermeisterin an.

Kritik an Nein des Landratsamts zu einem kleinen Baugebiet in Welsberg

Neu gebaut hätten offensichtlich einige Interessenten in Welsberg, wo es schon Mitte der 1980-er Jahre Überlegungen und positive Signale aus dem Landratsamt zu einem kleinen Neubaugebiet neben dem Gelände des SC „Holzwurm“ gab. Als die Gemeinde jetzt den Weg dafür freimachen wollte, grätschte aber das Landratsamt dazwischen. Wegen dem „Holzwurm“-Gelände samt Sportplatz sowie den umliegenden Gewerbebetrieben sei aus emissionsschutzrechtlichen Gründen dort keine Wohnbebauung (mehr) möglich, hieß es aus dem Landratsamt. Nina Liebermann war enttäuscht darüber, dem Gemeinderat diese Nachricht überbringen zu müssen: „Wir haben da keine Chance, das Landratsamt sitzt am längeren Hebel.“

„Das ist ein Schlag ins Gesicht der Welsberger“, sagte Andreas Liebermann (KUL) und drängte darauf, noch einmal das Gespräch mit dem Landratsamt zu suchen. Den Landrat mit ins Boot zu holen und auch mal entschlossen auf den Tisch zu hauen, wünschte sich Matthias Schorn (KUL): „Wir haben uns bei der Schließung der Sparkassen-Filiale schon als gute Wadlbeißer erwiesen und sollten das auch hier machen.“ „Viel reden und immer wieder nachhaken“, könnte vielleicht zum Erfolg führen, sagte Zweiter Bürgermeister Horst Porzelt (SPD). (red)

Aus dem Gemeinderat

Die Statistik der Coburger Polizei hat es für 2020 zum wiederholten Male ausgewiesen: Nirgends im Landkreis gibt es so wenige Straftaten wie im Itzgrund. Mit 1047 Delikten pro 100 000 Einwohner liegt die Gemeinde Itzgrund an der Spitze der Statistik – lediglich der Nachbarort Großheirath kommt mit 1050 da noch mit. Zum Vergleich: In der Stadt Coburg liegt diese „Häufigkeitszahl“ bei 6696. Bürgermeisterin Nina Liebermann: „Wir sind halt sehr brav hier im Itzgrund.“

„Mehr als erschreckend“ sei in einigen Bereich der Zustand des Flachdaches an der Bodelstadter Schule, sagte die Bürgermeisterin. Deshalb hat der Gemeinderat die Zustimmung erteilt, dass die Verwaltung auch noch vor Verabschiedung des Haushalts 20 000 Euro für dringliche Arbeiten auf dem Dach ausgeben darf. Das schadensanfällige Flachdach durch eine andere Konstruktion zu ersetzen, dürfte aus statischen Gründen nicht möglich sein, sagte die Bürgermeisterin.

Ihren ersten Einsatz hat die Itzgrundhalle schon hinter sich gebracht. Die Gemeinderatssitzung war die Premiere für die aufwändig energetisch und behindertengerecht sanierte Halle neben dem Rathaus. „Rundherum noch ziemlich viel Baustelle“ gibt es nach den Worten von Bürgermeisterin Nina Liebermann (CSU) zwar noch – aber auch das soll in den kommenden Wochen vorbei sein. Einen Einweihungstermin oder gar den für einen „Tag der offenen Tür“ gibt es indes noch nicht - wegen der Corona-Pandemie. Die Sanierung der Halle hat über 1,5 Millionen Euro gekostet.

Schlagworte