KLEUKHEIM

Kopfweiden prägen die Landschaft am Obermain

Kopfweiden prägen die Landschaft am Obermain
Michael Stromer (li.) zeigt die Höhe, die die erst im Februar gesetzte Weide im Herbst erreichen wird. Grundstückbesitzer Christoph Bäuerlein hat sie gepflanzt. Foto: Monika Schütz

Kopfweiden prägen die Landschaft am Obermain. Nicht nur aus optischen und kulturhistorischen Gründen wirbt Michael Stromer, Leiter der Umweltstation des Landkreises in Weismain für das Pflanzen von Weiden und die Kultivierung als Kopfweide. Eine Kopfweide kann bis zu 90 Käferarten einen Lebensraum bieten.

Ihren Kopf erhalten die Baum- und Strauchweiden, indem sie auf Höhe von ein bis vier Metern „geköpft“ werden. An der Verstümmelungsstelle entstehen mehrere Ausschläge, durch wiederholtes Zurückschneiden entwickelt sich im Laufe der Jahre dann eine kopfartige Verdickung. „Das macht man nicht mit der Motorsäge, das macht man einzeln per Hand“, erklärt Michael Stromer beim Ortstermin nahe der Trockenmühle bei Kleukheim. Hier hat die Familie Bäuerlein auf einen knapp eineinhalb Hektar großen Acker eine Streuobstwiese und Beerenkulturen angelegt. Das Grundstück wird auf der einer Seite von Kopfweiden gesäumt.

„Eine Weide braucht relativ viel Wasser und kann einen deutlichen Beitrag zur Boden-Entwässerung für die Obstanlage leisten. Das ist meine persönliche Drainage“
Christoph Bäuerlein
Kopfweiden prägen die Landschaft am Obermain
Schon nach wenigen Wochen im Wasser hat dieses Steckholz ringsrum viele Wurzeln bekommen, wie Michael Stromer (li.) und ... Foto: Monika Schütz

Das hat nicht nur einen ästhetischen Aspekt. Christoph Bäuerlein erklärte, dass das Streuobstgrundstück vor allem nach den Wintermonaten sehr nass sei. „Eine Weide braucht relativ viel Wasser und kann einen deutlichen Beitrag zur Boden-Entwässerung für die Obstanlage leisten. Das ist meine persönliche Drainage“, scherzt er.

Die ersten Weiden setzten Antonie und Christoph Bäuerlein, die sich im Landschaftspflegeverband engagieren, vor vier Jahren. Sie zeigen bereits die typische Kopf-Form. Weitere „Steckhölzer“ kamen heuer im Februar in den Boden. Die bekommen Interessierte vom Wasserwirtschaftsamt, vom Kreisverband für Gartenbau und Landespflege oder anderen Stellen, die Kopfweidenpflege betreiben.

Steckhölzer gibt's bei zahlreichen Einrichtungen

„Die Steckhölzer sind quasi ein Abfallprodukt bei den Pflegemaßnahmen“, sagt Kreisfachberater Michael Stromer. Die Nähe zu einem Bach wie in Kleukheim der Kellbach, sei eine gute Voraussetzung für kräftigen und gesunden Wuchs. Wo das nicht möglich sei, ist regelmäßiges, reichliches Gießen eine gute Alternative.

Und es gibt noch etwas zu beachten: „Zwar sind Weiden die ausschlagfreudigste Baumart, aber auch sie brauchen Pflege und Rückschnitt“, sagt Stromer. Dafür ist Antonie Bäuerlein zuständig. Jedes Jahr im Januar knipst sie die einzelnen Triebe oben am „geplanten“ Weidenkopf ab, jeden einzeln, und lässst jeweils nur einen etwa einen Zentimeter langen Trieb stehen. „Des is a schöna Ärbert“, sagt Antonie Bäuerlein. Und es sei eine der ersten Arbeiten im Jahr, die sie im Garten erledige.

An diesem sommerlichen Junitag trifft sich die Familie für weitere Pflegearbeiten. Die Stämme der Weiden treiben zurzeit kleinen Zweiglein aus, die sogar den Wildverbiss-Schutz durchdringen. Diese Triebe werden entfernt, der Schutz wieder korrekt befestigt. Für die längeren Ruten, die von Januar bis spätestens 28. Februar entfernt werden müssen, gibt es verschiedene Verwendunsgmöglichkeiten. Während man früher die Ruten vor allem zum Flechten benötigte, gibt es heute viele weitere Ideen. Bäuerleins haben sie als eine Deko-Wand für ihren großen Wassertank aufgestellt: der ist somit gleichermaßen vor Blicken und vor Sonneneinstrahlung geschützt. Ein größerer Haufen Weiden-Äste wird zum Totholz-Haufen, der Kleinsäugern und Vögeln Unterschlupf bietet, ein Zaun aus Weidensteckhölzern hält neugierige Rehböcke von den Obstbäumchen fern.

Kopfweiden prägen die Landschaft am Obermain
Die Weidenruten vor dem großen Wassertank dienen als lebender Sicht- und Sonnenschutz. Foto: Monika Schütz

Weiden können bei guter Pflege über 100 Jahre alt werden

Kopfweiden prägen die Landschaft am Obermain
Jetzt im Sommer müssen die unteren seitlichen Austriebe von den Weidenstämmchen weggebrochen werden, erklären Michael St... Foto: Monika Schütz

„Weiden können weit über 100 Jahre alt werden - die Pflege hält sie jung“, weiß Michael Stromer. Er freut sich über viele Nachahmer. Die Umweltstation Weismain des Landkreises Lichtenfels informiert dazu wie folgt: Große Schnitteingriffe an Bäumen, Sträuchern und vor allem Hecken dürfen nach dem 28. Februar nicht mehr durchgeführt werden. Dies gilt für das „auf Stock setzen“ sowie das komplette Entfernen der Pflanzen. Das Auslichten, der fachgerechte Rückschnitt sind hingegen erlaubt bis Mitte März, bevor Vögel ihre Nester bauen. Sie werden sonst auf der Suche nach Nistmöglichkeiten oder beim Nestbau in Hecken, Bäumen und Sträuchern gestört.

 

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