BAD STAFFELSTEIN

KIS in Bad Staffelstein: Lach-ART zu Zeiten von Corona

KIS in Bad Staffelstein: Lach-ART zu Zeiten von Corona
Man hofft sehr, dass die Alte Darre bald wieder dem kulturellen Leben in Bad Staffelstein durch die KIS Dienste leistet. Foto: Markus Häggberg

Von Corona liest man auf der Webseite der KIS (Kultur-Initiative Bad Staffelstein) wenig. Keine Beschwerde, kein Lamentieren – nichts. Dabei hätte gerade ein Verein wie dieser Grund zum Klagen. Doch bei der KIS klagt niemand. „Wir mussten alles ausfallen lassen“, erklärt zwar ihr Vorsitzender Hermann Hacker zu weiten Teilen des Jahresprogramms.Aber er darf es aus einer anderen Haltung heraus tun. Denn das „K“ steht nicht nur für Kunst, es steht vor allem für Kultur. Und die geht in viele Richtungen.

Bürgergesellschaft – ein Begriff, der fallen kann, wenn man sich mit Hacker über Kultur unterhält. Dabei blickt der Pensionär über die in diesen heißen Tagen ausgedörrte Rasenfläche an der Wohnanlage, in der er mit seiner Frau eingezogen ist und zieht einen heiteren Vergleich zur mongolischen Steppe. Dann fällt ein anderes Wort: „Bildungsbürgertum.“

Kultur hat für den Mann eine gesellschaftliche und politische Komponente, denn es gehe auch darum, das Individuelle hochzuhalten und dem Individuum sollte es darum gehen, zu einem eigenständiges Urteil über die Dinge und die Welt zu gelangen. Dazu diene die Kunst und die Kultur und so ähnlich steht es jedenfalls auch auf einem Fazit zu 20 Jahren ehrenamtlicher Kulturarbeit, welches die KIS vor vier Jahren zum eigenen Geburtstag anstellte.

Umbauabreiten in der Alten Darre

Doch seitdem ist viel passiert, denn das „Vereinshaus“ Alte Darre ging den Weg in den Umbau und Corona brach aus. Wenn Hacker also sagt „Wir mussten alles ausfallen lassen, was geplant war!“, dann betrifft das hauptsächlich Konzerte an befreundeten KIS-Standorten wie beispielsweise dem Geldner-Saal in Loffeld, denn die Alte Darre mit ihrer Bühne und den rund 100 Sitzplätzen ist durch anhaltende Umbauarbeiten eh noch nicht fertiggestellt. Aber auch diese Verzögerung sei teilweise coronabedingt.

Wie bleibt man im Verein untereinander verbunden? Bleibt man verbunden? „Man bleibt per Mail in Kontakt“, so Hacker, der einräumt, dass es derzeit nicht gerade Überhand nimmt mit dem Mailverkehr. Sitzungen jedenfalls gibt es keine. „Wir treffen uns alle zwei, drei Monate – da machen wir Rückblicke. Wir warten auf die Öffnung der Alten Darre, dann werden wir uns wieder mehr treffen.“ Was Hacker sagt, betrifft auch das Vereinsleben, welches durch die Arbeitskreise (AK) Ausdruck findet. Oder genauer gesagt: fand. In den Sparten Stadtkultur, Archäologie, Musik, Literatur, Fotokunst, Stadtgeschichte, Kunst und Theater gibt es diese AK. Sie kümmern sich um die Organisation verschiedener Darbietungen, um Malerei in Gemeinsamkeit, um das Anberaumen von Terminen und mehr.

KIS in Bad Staffelstein: Lach-ART zu Zeiten von Corona
Umbau: Einblick in das Innenleben der Alten Darre. Foto: Markus Häggberg

Doch Corona beeinträchtigt auch durch Abstandsregularien die Arbeit in diesen Gremien. „Die Aktivität in den Arbeitskreisen ist jetzt eingestellt“, erklärt dazu Anton Köcheler, Leiter der AK Kunst und Archäologie. Vieles hängt an der Alten Darre, dort werden die AK auch gelebt, dort finden aber auch Kabarett, Konzerte und Ausstellungen statt. Doch selbst wenn die Alte Darre jetzt geöffnet wäre, wären Veranstaltungen mit Eintritt sinnfrei. Durch die Abstandsregeln bei der Bestuhlung würden nun statt 80 Besuchern nur 30 oder 40 reinpassen.

Was, wenn eine zweite Corona-Welle kommt?

„Kommerzielle Veranstaltungen können wir hier derzeit nicht machen, wir können ja nicht doppelten Eintritt verlangen“, erklärt Hacker zu wirtschaftlichen Fragen. Zwar sei zu hoffen – und auch ein wenig davon auszugehen – , dass der Umbau der Alten Darre bis zum Herbst abgeschlossen sein wird, doch was, wenn eine zweite Corona-Welle kommt? „Für Künstler ein Graus“ nennt Hacker die derzeitige Situation. Sie müssen Geld verdienen, aber „ich kann keine Zusagen zu Terminen machen“. Überhaupt, so versichert Hacker, werde es so laufen, dass anstelle der Planung von neuen Terminen, erst einmal die ausgefallenen nachzuholen wären.

KIS in Bad Staffelstein: Lach-ART zu Zeiten von Corona
Hermann Hacker lässt sich von Corona nicht erschüttern. Foto: Markus Häggberg

Hermann Hacker neigt nicht dazu, jemandem Honig ums Maul zu schmieren. Er entscheidet, wann und ob er diplomatisch wird, und ansonsten spricht er Dinge aus. Er kann zwar Optimist sein, aber er beschwört Optimismus nicht. Und so sagt er im Hinblick auf den künftigen Veranstaltungskalender und die Neugierde der Menschen auf Angebote: „Ich fürchte, dass es ganz schwer wird, dem wieder Leben einzuhauchen.“ Er mutmaßt, dass Corona bei vielen Menschen einen Rückzug ins Private mit sich bringen wird. Ansonsten sagt er noch etwas mehr: „Wir sind kein Veranstaltungsverein, der versucht, Leute zu ergötzen. Für uns erreichen Veranstaltungen eine gewisse Öffentlichkeitswirkung.“ Dann soll sich das Interesse der Öffentlichkeit den anderen Dingen zuwenden, welche die KIS anbietet. Vor Corona waren das beispielsweise Vorträge. „Es wird zäh anlaufen, bis der alte Standard wieder erreicht wird“, meint Hacker. Aber es bleibt ja noch Kultur übrig. Beispielsweise in Form von Exkursionen hinein in die Geschichte, die Architektur und durch Wanderungen. Kultur ist mehr als Kunst. Trotz der Corona-Krise fanden derlei Veranstaltungen statt, auch weil Abstände im Freien besser eingehalten werden können.

Die plötzliche Corona-Freundlichkeit

Dann sagt er etwas, das doch erstaunt. „Wenn ich früh das E-Mail-Fach aufmache, lese ich dort täglich von zehn Agenturen, die mir Künstler empfehlen. Jetzt umso mehr. Und ich kriege so viele Angeboten von Künstlern, die ich noch nie gesehen habe.“ Diese täten Hacker gegenüber häufig sehr vertraut und duzen ihn. „Kennst du die womöglich?“, müsse er sich dann schon selbst fragen. „Ja, immer“, so der Mann auf die Frage, ob von KIS-Seite aus eine gewisse Offenheit für Themenanregungen aus anderen Kreisen bestehe.

Jetzt stünde auch bald etwas an, das in diesen Zeiten aufheitern soll, wie Anton Köcheler es erklärt. Es geht um „Kunst in Schaufenstern“. Genauer um Lach-ART, also „heiteren Bildern in schwieriger Zeit“, wie Köcheler das nennt, was eine Co-Produktion zwischen der Adam-Riese-Unternehmergemeinschaft, Quartiersmanager Michael Böhm und eben der KIS ist. „Wir wollen Leute schon ein bisschen aufheitern.“ Damit hat die KIS Erfahrung, denn eine Lach-ART gab es schon mal.

Mehr Informationen unter www.kis-badstaffelstein.net.

 

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