UNNERSDORF

Kilian Düring: Ein großer Förderer des Klosters Banz

Kilian Düring: Ein großer Förderer des Klosters Banz
Porträt des Abtes Kilian Düring im Kloster Münsterschwarzach. Foto: Günter Dippold

In Unnersdorf erinnert die Abt-Düring-Straße, die seit 1970 bebaut worden ist, an einen bedeutenden Prälaten des Klosters Banz. Kilian Düring war 1641 in Bamberg als Sohn eines Beamten des Domkapitels Bamberg geboren. Als Siebzehnjähriger trat er ins Kloster Banz ein. 1665 wurde er zum Priester geweiht worden. Damals stand Otto de la Bourde an der Spitze des Klosters.

Dieser Abt trat später in die Dienste des Kaisers. Als Diplomat war er an verschiedenen Orten eingesetzt. Über Jahre hinweg wirkte er als kaiserlicher Gesandter am kursächsischen Hof zu Dresden. Seit 1697 war Otto de la Bourde als Bischof von Gurk in Kärnten. Obwohl er 1677 sein Amt als Banzer Abt niederlegte, blieb der wohlhabende Diplomat seinem ehemaligen Kloster eng verbunden: Er beschenkte es reichlich und ermöglichte so den barocken Neubau. Als Beichtvater und Sekretär hatte Otto einen Banzer Mönch an der Seite.

Von Kärnten nach Banz

Diese Funktion übte seit spätestens 1680 Pater Kilian Düring aus. Er lebte also über Jahre in Dresden, begleitete seinen Herrn zu Missionen nach Stettin und Paderborn und hielt sich schließlich auf der bischöflichen Burg Straßburg oberhalb des Gurktals auf. Im April 1701 starb der Banzer Abt Eucharius Weiner, der zugleich an der Spitze des Würzburger Benediktinerklosters St. Stephan gestanden hatte. Das Kloster Banz hatte er seit 1677 geleitet. Als Otto de la Bourde vom Tod seines Nachfolgers erfuhr, schickte er umgehend seinen Sekretär Kilian Düring von Kärnten nach Banz.

Düring überbrachte ein Schreiben an die Mönchsgemeinschaft, das neben formelhaften Wünschen für eine glückliche Wahl auch einen Hinweis enthielt: „P. Chilianus (welcher biß dahero zue beßeren sonderbahren Vergniegen bey unseren hiesigen Hoff sich dise Zeit über [...] aufgehalten)“ habe dem Konvent „ein und anderes nahmens unßerer (deme auch aller Glauben zuezuestellen ist) zue hinterbringen“.

Beschenkt mit Juwelen

Ihn, Pater Kilian Düring, wählten die Mönche zum neuen Abt. Die Vermutung liegt durchaus nahe, dass die Nachricht, die er dem Konvent aus Kärnten zu überbringen hatte, eine Wahlempfehlung zu seinen eigenen Gunsten war. Kaum gewählt, reiste Düring ins Schloss Straßburg, und er kehrte, beschenkt mit Juwelen, nach Banz zurück. Mehrmals förderte der zu Reichtum gelangte Bischof Otto durch hohe Summen den barocken Neubau von Banz. 1704 gab er mit einem Kreuzpartikel eine wertvolle Reliquie dorthin. Der Konvent wählte mit Kilian Düring einen Mönch, den seine jüngeren Mitbrüder bei dieser Wahl vielleicht zum ersten Mal sahen; er war offenbar, von kurzen Besuchen abgesehen, seit über zwei Jahrzehnten kaum mehr in Banz gewesen.

Kilian Düring war ein weltläufiger Mann. Dies zeigen die Glückwunschschreiben, die 1701, nach seiner Wahl, von weither, zumal aus den habsburgischen Erblanden, in Banz eingingen. Der Festprediger anlässlich seines goldenen Priesterjubiläums 1715, der Abt von Weißenohe, stellte seine Erfahrenheit und seine Kontakte heraus, ebenso tut dies Festschrift des Konvents zum selben Anlass. Zweimal war er in Rom. Dort hatte er Ganzkörperreliquien, bis heute in Banz zu sehen, für sein Kloster beschafft. In Dresden hatte ihn – wie er als Banzer Abt stolz berichtete – der evangelische Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen gerühmt, „daß er ein rechter wahrhaffter Priester seye“.

Abt in schwierigen Zeiten

Ein solcher Mann schien offenbar als der geeignete Abt in schwierigen Zeiten. „Es war eben selbiger Zeit der Himmel mit schwartzen und trüben Kriegs-Wolcken überzogen“, sagte der Weißenoher Abt bei seiner Banzer Predigt rückblickend. Die Schwerter des Kriegsgottes Mars „glantzten und blitzten überall. [...] Jedermann stund in gröster Forcht und Zittern.“

In der Tat zeichnete sich zur Zeit der Abtswahl eine bevorstehende Auseinandersetzung ab, die ganz Europa erfasste: Der Spanische Erbfolgekrieg währte über ein Jahrzehnt und verheerte, zumal in den Jahren 1703/04, Süddeutschland. Elchinger Mönche wollten damals vorübergehend in Banz unterkommen. Sogar der nach Nürnberg geflohene Reichsabt von Neresheim erwog, nach Banz zu gehen.

Neubau der alten Klosterkirche

Trotz der unruhigen Zeit setzte Kilian Düring den von seinem Vorgänger begonnenen Neubau des Klosters fort. Hatte das erste Konzept noch vorgesehen, die alte Klosterkirche zu erhalten, so entschied sich der Abt zum Neubau. Im Mai 1710 legte er den Grundstein, der Rohbau war Ende 1713 fertiggestellt; ab 1714 schlossen sich Stuckierung, Ausmalung und Ausstattung an; 1718 wurde die Westfassade der Kirche vollendet. Am 19. Oktober 1719, wenige Monate vor dem Tod des Bauherrn, konsekrierte der Würzburger Weihbischof das Gotteshaus.

Mit der Kirche schuf Kilian Düring dank seines Baumeisters Johann Dientzenhofer einen architektonisch wegweisenden Bau. Zugleich war die Kirche ein geistliches Zentrum dank der erwähnten neuen Reliquien. Vor allem war sie Mittelpunkt der 1714 vom Abt gegründeten Rosenkranzbruderschaft. Rühmendes berichten die Gratulationen, die der Abt zu seinem Namenstag oder zu seinem Priesterjubiläum empfing. Doch die spärlichen Notizen, die wir über das innerklösterliche Leben aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts besitzen, bieten Indizien, dass es auch Spannungen zwischen dem Prälaten und seinem Konvent gegeben haben mag.

Ins Ausland nach Coburg geflüchtet

1709 setzte er Pater Maurus Büchner als Prior ab, der daraufhin heimlich das Kloster verließ und evangelischer Pfarrer wurde. Auch die Amtszeiten der nächsten Prioren endeten abrupt. Neben Büchner floh noch ein weiterer Mönch aus Banz: Pater Anselm Hailer aus Karlsbad, ein begabter Musiker. Er erlangte am 3. März 1711 die Erlaubnis, mit einigen anderen Mönchen spazieren zu gehen, verschwand im verschneiten Wald, lief ins benachbarte Ausland, nach Sachsen-Coburg, wo ihn die vom Abt eilends hinterher geschickten Häscher nicht mehr greifen konnten. Er lebte in Coburg und an anderen Orten acht Monate, dann wandte er sich an den Würzburger Weihbischof, der die Heimkehr nach Banz vermittelte.

Der Abt hatte einen Kammerdiener. Diese Aufgabe übernahm 1707 der 25-jährige Johann Valentin Rathgeber (1682–1750), der als Lehrer im Würzburger Juliusspital gescheitert war. Noch im selben Jahr trat er als Novize ins Kloster ein. Als Pater Valentin Rathgeber machte er sich einen Namen als Komponist.

Kilian Düring hatte im Alter gesundheitliche Beschwerden. So litt er an Gicht. Im März 1718 musste ein Bamberger Bader offene Stellen an beiden Beinen behandeln. Im Sommer 1716 und nochmals im Juli 1718 verbrachte der Abt einige Wochen in Kissingen. Er erholte sich offenbar, so dass er im September 1718 nach Marienweiher fahren und am Wallfahrtsort ein Hochamt zelebrieren konnte. Wenig später hatte er in Bamberg eine Audienz beim Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn.

Kilian Düring starb am 6. Februar 1720 nach einwöchiger Krankheit im 79. Lebensjahr.

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