BAD STAFFELSTEIN

Keltenfilm: Vor grüner Wand in alte Welten

Die engagierte Reenactmentgruppe aus München hat Filmer wie Experten durch ihre umfangreiche Ausstattung begeistert. Foto: Andrea Musiol/Landratsamt Lichtenfels

Wie lässt sich eine Kultur, die vor mehr als 2000 Jahren den Staffelberg besiedelte, für heutige Generationen zugänglich machen? Diese Frage versucht gerade ein Team von App-Entwicklern, Filmern, Museumsplanern und 3-D-Technikern zu beantworten, berichtet ein Pressetext des Landratsamts Lichtenfels.

Eine Gruppe von Darstellerinnen und Darstellern aus einem Münchner Geschichtsverein schlüpfte in die Rolle(n) der Kelten. Im Rahmen der aufwändigen Dreharbeiten wurden dabei verschiedene Lebensszenen vor einer Grünwand inszeniert.

Szenen aus der Vergangenheit werden lebendig

Das Prägen von Münzen ebenso wie das Zubereiten einer Mahlzeit oder Szenen am Markt oder vor dem Zangentor am Staffelberg wurden nachempfunden. Damit alles lebensecht und lebensnah dargestellt werden kann, sind viele Details wichtig: die Kleidung aus gewebtem Leinen, Gewandspangen, die archäologischen Funden aus genau dieser Zeit nachempfunden wurden, getöpfertes Geschirr mit Verzierungen, die die Kelten zu dieser Zeit verwendeten, geschmiedete Messer und Schwerter.

Dass nicht nur das Equipment, sondern auch die Gesamtinszenierung passte, dafür sorgte Dr. Markus Schußmann. Als leitendender Archäologe war er auch für die Grabung rund um das Zangentor am Staffelberg verantwortlich. Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt in der Keltenzeit.

Manches hat sich gar nicht geändert

Die gefilmten Alltags-Situationen sind den heutigen dabei gar nicht unähnlich. Wie vor 2000 Jahren, werden auch heute Speisen in getöpferten Gefäßen serviert, auch heute zeigt der Hals- und Armschmuck häufig die Bedeutung oder den finanziellen Spielraum der Träger und Trägerinnen an. Und auch heute gibt es noch Märkte, auf denen Händler ihre Ware feilbieten. Damit die Szenen in die damalige Lebenswelt passen, werden Landschaft und Dorfstrukturen konstruiert und im Nachhinein hinter die Spielszenen gelegt, erläuterte das Film-Team.

Der kleine Filmspot ist Teil der Aufbereitung all der Informationen und Erkenntnisse, die im Rahmen der Grabung am Zangentor gewonnen wurden, und wird voraussichtlich im nächsten Jahr vorgestellt.

Interessant ist ein Blick in die „Chronik“ des Staffelbergs. Die Kelten nutzten das markante Gipfelplateau zur Anlage eines befestigten Siedlungsplatzes, eines sogenannten Oppidums.

„Ausgrabungen in jüngerer Zeit haben die Vermutung, dass es sich um die keltische Stadt Menosgada handelte, die in der Geographie des römischen Imperiums und der angrenzenden Gebiete des Griechen Claudius Ptolemäus (85–160 nach Christus) erwähnt wurde, gestützt, obwohl es für den Namen Menosgada in Verbindung mit dem Staffelberg keinen sprachlichen Beweis gibt. Um zirka 30 vor Christus wurde das große Oppidum aus noch unbekannter Ursache aufgelassen.

Die Kelten und der Staffelberg

Die keltische Besiedlung des Berges begann bereits während der späten Hallstattzeit. Schon damals wurde das Hochplateau mit einer Steinmauer umgeben, die auch auf einer unteren Geländestufe den Himmelsteich, wohl eine antike Zisterne, umschloss.

Das etwa drei Hektar umfassende Hochplateau des Staffelberges wurde während der Frühlatenezeit (ca. 480 bis 380 vor Christus) durch eine fünf Meter breite Steinmauer gesichert. Warum die Besiedlung am Ende der frühen La-Tene-Zeit wie überall im nördlichen Franken plötzlich abbrach, ist nicht gesichert, dürfte aber mit der historisch belegten Keltenwanderung in Zusammenhang gestanden haben.

Einen Münzstempel geborgen

Das felsige Gipfelplateau überragt um etwa 50 Meter als ,Akropolis' die etwa 49 Hektar große Hochfläche des Berges. Dieses Gipfelplateau wurde durch eine Pfostenschlitzmauer befestigt. Von dort aus entstand in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts vor Christus das spätkeltische Oppidum. Das untere Areal dieses nördlichsten Oppidums Bayerns wurde wieder besiedelt und neu befestigt. Die ausgedehnten Befestigungsanlagen dieses Oppidums waren von zwei Toren unterbrochen. Die zu Wällen zerfallenen Wehrmauern, bei denen es sich zum größten Teil wieder um Pfostenschlitzmauern gehandelt hat, lassen sich auf weite Strecken noch gut im Gelände verfolgen. Neben Keramik, Werkzeugen, Fibeln und Münzen konnten auf der ,Akropolis' auch zwei eiserne Münzstempel geborgen werden“, weiß Wikipedia zu berichten. (red)

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