BAD STAFFELSTEIN

Bad Staffelstein: Ist die Kleinkunst in der Krise?

Ihr köstliches Rumgeblödel brachte Köhler (li.) und Streckenbach immer wieder lautstarken Applaus. Foto: Monika Schütz

Nein, beim Interview lacht er nicht: Hermann H. Hacker sitzt mit ernster Mine im Zuschauerraum der Alten Darre. In Kürze soll hier ein Kabarett beginnen. „Die Leute gehen einfach nicht mehr fort!“, sagt er und macht so seinem Ärger Luft.

In der frisch renovierten Alten Darre: da glaubte Hermann Hacker noch an einen guten Neubeginn nach den ganzen Lockdowns... Foto: Monika Schütz

Diese Veranstaltung hätte eigentlich abgesagt werden müssen: gerade mal 24 Karten waren zum musikalischen Kultabend mit Streckenbach und Köhler vorbestellt. Das sei schlichtweg zu wenig, so der Vorsitzender der Kulturinitiative (KIS). Vor drei Wochen musste bereits das Kabarett mit Christoph Maul aus Mangel an Interesse abgeblasen werden. Den „Mangel durch Überfluss“ – so hieß Mauls Programm – wollten sich nicht einmal zehn Zuschauer ansehen.

„Es ist einfach trist, nur trist! Die Leute bleiben einfach daheim.“
Hermann H. Hacker, Kulturinitiative

100 Sitzplätze gibt es in der neuen „Alten Darre“. Die Bühne, die Küche, Garderobe und sanitären Anlagen sind großzügig renoviert worden und auch die Akustik ist richtig gut in der Kleinkunststätte. „Es ist einfach trist, nur trist!“, sagt Hacker, „die Leute bleiben einfach daheim“.

Alles würde geliefert, zetert er weiter, nicht nur das Essen und Trinken bis an die Haustür. Auch Streamingdienste und Netflix würden mit dafür sorgen, dass man die heimische Couch nicht mehr verlassen müsse. „Wir sind längst in den Händen von den US-Märkten!“.

Das Ausbleiben der Besucher hat vielfältige Gründe

Natürlich spiele auch die Pandemie eine Rolle, sagt er. „Wenn die Besucher Angst haben, sich anzustecken, dürfen sie doch eine Maske tragen, ich mache es doch auch“, bietet er hierfür eine Lösung an. Und ja, die steigenden Spritkosten würden wohl auch eine Rolle spielen. Andererseits: „Wie viele Staffelsteiner sind denn da?“, fragt er. Es sind die wenigsten.

„Wir versuchen, was zu machen, aber die Leute ziehen einfach nicht mit“, ärgert sich der Vorsitzende der KIS. Seit Monaten seien Programm und Künstler bekannt, Informationen würden auf Flugblättern, Plakaten, in den Tageszeitungen in Papierform oder online auf der KIS Homepage vorliegen.

„Die Staffelsteiner bringst du einfach nicht hinterm Ofen vor!“, bedauert er. Und er ärgert sich noch über zwei andere Gruppen: einerseits die „großen“ Politiker, die keiner Weise das Ehrenamt für die Kultur fördern. „Die machen nur ein blödes Geplauder. Ich hab‘ so meine Wut“, schimpft er. Es gebe kein Danke, keine Urkunde für mehr als 30 Jahre Ehrenamt im Namen der Kultur.

Von den Lokalpolitikern im Stich gelassen

Hermann Hacker ärgert sich andererseits aber auch über die Kommunalpolitiker: „Wenn die Banken einladen, ja, dann kommen sie. Aber zur KIS , da geht kein Bürgermeister oder Vertreter der Stadt hin! Da siehst du keinen Stadtrat.“ Das sieht Hacker als geringe Wertschätzung gegenüber der kulturellen Arbeit der KIS an.

Er befürchtet nicht nur, dass der Verein die gleiche Pleite wie in den vergangenen beiden Coronajahren erleben muss, sondern dass alles noch viel schlimmer kommen wird. Es reiche nicht, dass man Vierzehnheiligen da habe und Kloster Banz da habe: Kultur müsse gelebt werden. Man sei doch eine Kulturstadt, oder etwa nicht?

Hacker: Alles geht kaputt, wenn niemand etwas macht

Schon seien Geschäfte in der Stadt geschlossen: „Sie haben wohl zu viel Konkurrenz vom Internet und den amerikanischen Großkonzernen bekommen“, mutmaßt Hacker. „Die Leute müssen mitbekommen, dass alles kaputt geht, wenn niemand was macht!“

Etwas andere Ursachen sehen die beiden Künstler, die an diesem Abend eine grandiose Vorstellung abgeliefert hatten. Für die nur knapp 40 Zuschauer. „Die Auftragsbücher sind voll, allein die Zuschauer fehlen“, antwortet André Streckenbach, studierter Tenor, Musik-Comedian und Kabarettist. „Das Stammpublikum ist nicht mehr da“, kann auch sein Partner Alexander Köhler (Klavier) zustimmen.

Streckenbach unterhielt die Zuschauer als begnadeter Tenor und als doppeldeutiger Komödiant Foto: Monika Schütz

Allerdings sehen beide Künstler Licht am Horizont: „Die Leute können sich nicht klonen. Jedes Wochenende sind drei, vier Veranstaltungen“, gibt André Streckenbach zu bedenken. Alles würde jetzt nachgeholt, auch die ganzen ausgefallenen Feiern. Da bliebe halt manches auf der Strecke.

Es geht (auch) um die Existenz der Künstler

Streckenbach bestätigt das mit einer kleinen Episode, die sich kurz vor Show-Beginn, also Freitagabend gegen 18 Uhr in Bad Staffelstein genau so zugetragen habe: Er und sein Kabarett-Partner wollten in einer bürgerlichen Gaststätte eine Kleinigkeit essen. Ohne vorher reserviert zu haben. Zu Zweit. Keine Chance, so Streckenbach. Die Gaststätten seien rapelvoll gewesen. „Nicht mal Platz für zwei“.

Was sich Köhler und Streckenbach sehnlichst wünschen: „Leute, kommt zu den Live-Shows! Die Künstler brauchen euch! Sonst gibt es bald keine Künstler mehr!“

Am Samstag, 22. Oktober, hat der junge Erik Konietzko mit Band seinen Auftritt beim „Liedermacherabend“ in der Alten Darre. Infos und Tickets gibt es beim Kultur und Tourismus Service Bad Staffelstein, Tel. (09573) 33120) oder auf der Homepage der KIS (www.kis-badstaffelstein.de).

 

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