BAD STAFFELSTEIN

In Bad Staffelstein bietet man Corona die Stirn

Noch steht er leer, der Gasthof Adam Riese direkt am Marktplatz. Quartiersmanager Michael Böhm hat aber bereits einen Investor gefunden. Foto: Markus Drossel

Bad Staffelstein Als Quartiersmanager der Stadt Bad Staffelstein ist Michael Böhm für die Händler, Dienstleister und Unternehmen der Ansprechpartner in Bad Staffelstein. Im erweiterten Vorstand der Adam-Riese-Unternehmergemeinschaft bekommt er die Auswirkungen der Pandemie auf die heimischen Unternehmen in Bad Staffelstein direkt mit.

Obermain-Tagblatt: Was passierte ab dem 18. März 2020 in Bad Staffelstein? Michael Böhm:

Es war eine ungewöhnliche Situation für alle Beteiligten. In Zusammenarbeit mit der Adam-Riese-Unternehmergemeinschaft haben wir uns in kürzester Zeit dazu entschlossen, den Status quo so weit wie möglich zu erhalten und unseren Unternehmen die bestmöglichen Instrumente hierzu anzubieten. Ein erstes Werkzeug für unsere Mitglieder war die neue Internet-Plattform www.arplus-online.de. Hier haben wir mit allen Mitgliedern neue Angebote wie Liefer- und Abholdienste oder besondere Aktionen unserer Unternehmen in der Unterrubrik „Online-Shop“ aufgenommen und vermarktet. Schnell wurde uns klar, dass wir die Plattform für alle Unternehmen in Bad Staffelstein öffnen müssen, um unsere Infrastruktur zu stärken. Eines der wichtigsten Instrumente ist unsere Informationspolitik. Sehr zeitnah haben wir die Unternehmen über alle aktuellen Maßnahmen der Landesregierung und der Institutionen zu Hilfestellung für die Unternehmen informiert.

Jedes Unternehmen kann sich anmelden

Zuerst über einen E-Mail-Verteiler, bei dem sich jedes Unternehmen anmelden konnte, und jetzt über unsere Internetseite. Dieses Handeln hat auch unsere Unternehmen gestärkt, da sie sich in der Situation nicht allein gelassen fühlten. Durch unseren Bürgermeister Jürgen Kohmann wurde zeitnah ein „Runder Tisch der Unternehmer“ initiiert, um von den Vertretern aus unterschiedlichen Institutionen und Unternehmen, welche in Bad Staffelstein aktiv sind, nachhaltige Informationen für ein Gesamtbild zu bekommen (das OT berichtete).

Ein weiterer Schritt war, den Instagram-Account arplus2020 durch die Unternehmen befüllen zu lassen und somit Aufmerksamkeit in den sozialen Medien für die Unternehmen und die Stadt Bad

Staffelstein zu generieren. Auch wir konnten die abgeschlossenen Vorbereitungen für unseren ersten verkaufsoffenen Sonntag im März nicht umsetzen. Jedoch hatte das Quartiersmanagement in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Bad Staffelstein und einem externen Veranstalter mit dem Gartenmarkt-DriveIN einen positiven Event für die Stadt und die Unternehmen schaffen können, welcher weit über die Landkreisgrenzen gewirkt hat.

Ein wesentlicher Umsatzfaktor sind die vielen Besucher von Bad Staffelstein, gibt es hier einen Lichtblick? Michael Böhm:

Bei unserem „Runden Tisch der Wirtschaft“ hat Bürgermeister Kohmann sehr deutlich auf zwei wesentliche Punkte hingewiesen. Zum einen die jährlich rund 800 000 Besucher der Obermain-Therme und darauf, dass sich die Einwohnerzahl von Bad Staffelstein in der Saison durch die Gäste fast verdoppelt. Natürlich hoffen viele Unternehmen und besonders die Gastronomie auf eine schnelle Normalisierung nach der Wiedereröffnung unserer Obermain-Thermen.

Der Tourismus ist die Kurstadt Bad Staffelstein ein wichtiges Standbein. In den Kurpark mit den Gradierwerken gehen aber... Foto: Markus Drossel

Jedoch ist allen klar, dass wir neben unserem Zugpferd Obermain-Therme auch noch die anderen Vorzüge unserer Region, wie Wandern, Radfahren oder unsere Kulturdenkmäler, viel stärker in den Vordergrund bei unseren Marketingaktivitäten rücken müssen. Mit dem Ende des Lockdown für Camper und Wohnmobilisten konnten wir auch schon eine höhere Frequenz von Besuchern in Bad Staffelstein feststellen. Die Entscheidung der Stadtverwaltung Bad Staffelstein und dem Betreiber, mehr Stellplätze für Wohnmobilisten am Aqua-Riese-Hallenbad zur Verfügung zu stellen, war mehr als vorausblickend. Die Besucherfrequenz wird sich nach der Eröffnung der Obermain-Therme und möglichen Lockerungen für unsere Gastgewerbe sicherlich noch stärker erholen. Wann wir jedoch auf ein Vorjahresniveau kommen werden, ist bis heute noch nicht klar.

Wie werden sich die nächsten sechs Monate entwickeln? Michael Böhm:

Bad Staffelstein ist mit seinen Unternehmen sehr gut aufgestellt. Dies betrifft nicht nur den Handel, sondern auch die Gastronomie und Hotellerie. Im Vordergrund steht für alle Unternehmen ihre Kostenblöcke zu decken, um stufenweise in den Regelbetrieb zurück zu finden. Hierzu müssen wir die passenden Hilfen anbieten. Neben einer Sommerpunkte-Aktion der

Quartiersmanager Michael Böhm gibt der Stadt Bad Staffelstein viele Impulse und neue Ideen. Foto: Markus Häggberg

Unternehmergemeinschaft, welche auch für alle „Nicht-Mitglieder“ geöffnet wurde, haben wir uns zu den Terminen des Altstadtfestes und des Bierbrauerfestes, die beide 2020 nicht stattfinden können, bereits besondere Aktionen ausgedacht und arbeiten an deren Umsetzung. Auch überlegen wir verschiedene Möglichkeiten, die verkaufsoffenen Sonntage zu kompensieren beziehungsweise alternative Angebote zu schaffen. Positive Signale aus Bad Staffelstein zu senden und die vielen Vorteile unserer Stadt und Region in das Bewusstsein unserer Besucher und Gäste zu transportieren, hat oberste Priorität. In jedem Fall wollen wir die Online-Präsenz unserer Unternehmen weiter ausbauen. Hierzu werden wir unter anderem einen „allgemeinen“ Facebook-Account zur Verfügung stellen beziehungsweise die entsprechenden Inhalte für unsere Unternehmer und ihre Unternehmen einarbeiten. Die Zusammenarbeit mit der Kulturinitiative Staffelstein und der Adam-Riese-Unternehmergemeinschaft soll gestärkt werden. Hier ist zum Beispiel der Fotowettbewerb und die Sommer-Schaufenster-Aktion zu nennen.

Positive Signale für die Zukunft

In den Corona-Sitzungen des Stadtrates wurden unterschiedliche Weichen gestellt und positive Signale für die nächsten Monate und Jahre gesetzt. Ein wichtiger Punkt ist hierbei das sogenannte Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (Isek) und der aktuell laufende Architektenwettbewerb zum Bären-Areal, die unseren Unternehmen und den Bürgerinnen und Bürgern Zukunftsperspektiven für Bad Staffelstein aufzeigen. Zu dem wurden die Bauabschnitte IV und V für die Bahnhofstraße auf den Weg gebracht und ein Beginn auf das erste Quartal 2021 verschoben, um die innerstädtischen Wegebeziehungen zu den Unternehmen nicht zusätzlich zu belasten.

Gibt es regionale Standortvorteile, die man für die Zukunft besser nutzen könnte? Michael Böhm:

Die Corona-Krise hat viele Unternehmer dazu gebracht ihre Geschäftsmodelle zu überdenken. Hierbei wurde von einigen Unternehmen sehr schnell erkannt, dass eine Präsenz im Internet und Kundendienstleistungen, wie zum Beispiel ein Lieferservice, erhebliche Umsatzpotentiale enthalten können. Auch unsere Besucher, Gäste und Bürgerinnen und Bürger haben erkannt oder erkennen, wie wichtig regionale Liefer- und Produktionsketten für einen Standort sind. Hier ist Bad Staffelstein hervorragend aufgestellt und dieses gehört bewahrt und ausgebaut.

Mit ihm kann man rechnen: Michael Böhm, der Quartiersmanager der Adam-Riese-Stadt Bad Staffelstein. Foto: Markus Drossel

Als klarer Standortvorteil sind die Glasfaseranschlüsse in jedem Haushalt von Bad Staffelstein zu nennen, die auch in Verbindung mit erhöhten Homeoffice-Aktivitäten einen klaren Vorteil bringen.

Anschluss an den Verkehrsbund

Der Anschluss an den Verkehrsverbund der Metropolregion wird uns in den nächsten Monaten weiter Besucher zuführen und die Obermain-Therme, wie aber auch die Hotellerie und Gastronomie, stärken. Wichtig ist es, die Gästezahl aus dem Inland zu stärken und im gemeinsamen Handeln neue und vielleicht auch vergessene Märkte zu erschließen. Weitsicht, Umsicht, Kreativität und Mut werden uns auf dem weiteren Weg gute Begleiter sein, und die Stadt und die Region gestärkt aus der Krise führen.

 

Schlagworte