KUTZENBERG

Hommage an Marlene Dietrich in Gut Kutzenberg

Hommage an Marlene Dietrich in Gut Kutzenberg
Ein nachdenklich machendes Lied ist Marlene Dietrichs Evergreen „Sag mir wo die Blumen sind“. Foto: Monika Schütz

Für 14 Scheidungen und mehrere Schwangerschaftsabbrüche verantwortlich, Verursacherin von Nervenzusammenbrüchen, dem Alkohol sehr zugetan und Männlein wie Weiblein liebend: Das ist eine Seite der Marlene Dietrich. Steppende Tänzerin und Sängerin mit erotisch rauchiger Stimme, gekleidet in Glitzer oder in den letztlich nach ihr benannten Hosen – das ist eine andere Seite der Dietrich. Und es gibt noch mehr: die gehorsame, brave, gebürtige Berlinerin, die als Schülerin den Ersten Weltkrieg miterlebt, in den Jahren zwischen den Kriegen wie viele andere auch Entbehrungen erduldet und kurz vor dem Zweiten Weltkrieg ihrer Heimat den Rücken gekehrt hat und US-Bürgerin geworden ist.

Hommage an Marlene Dietrich in Gut Kutzenberg
„Marlene Dietrich“ (Clarissa Hopfensitz) blättert nachdenklich in den Biographien über sich - nicht alles gefällt der D...

Der Fränkische Theatersommer erinnerte an die unvergessene Künstlerin mit einem Schauspiel in Gut Kutzenberg. Wegen des wechselhaften Wetters am Freitag fand die zweistündige Veranstaltung jedoch nicht im idyllisch gelegenen Gartentheater, sondern in einem Scheunenraum auf dem Anwesen statt. „Die Rückkehr einer Diva“ war das Ein-Personen-Stück betitelt, Darstellerin war die Autorin selbst, Clarissa Hopfensitz.

Himmellange Beine, blondes Haar, elegant geschwungene Wimpern

Mit himmellangen Beinen, blondem Haar, dünn gezupften, elegant geschwungenen Wimpern und im sexy bodenlangen Paillettenkleid begrüßte Schauspielerin Clarissa Hopfensitz alias Marlene Dietrich ihre rund 50 Gäste.

Rückblick: Sie befindet sich im Himmel. Denn auch Weltstars müssen einmal von der Bühne abtreten. Im Falle der Marlene Dietrich war das 1992, als sie – 91-jährig – tot in ihrer Pariser Wohnung gefunden wurde. Doch bald ist es ihr im Himmel zu langweilig, sie macht einen Deal mit dem Herrn. Der einstige „Blaue Engel“ darf auf die Erde zurückkehren, muss sich aber mit der Vergangenheit auseinandersetzen.

Eine intensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit

Hommage an Marlene Dietrich in Gut Kutzenberg
"Ich brauch keine Schminke, keine Maske": Die Divawill sich nicht mehr verstecken. Foto: Monika Schütz

Das tut Marlene Dietrich dann auch intensiv. Zur Freude der Zuschauer stöbert sie in den Nachrufen und Biografien, die andere über sie verfasst hatten. „Mal schau'n, was meine Tochter Maria so über mich schreibt“, sinniert sie, nun in ihrer Künstlergarderobe sitzend. Schnaps trinkend. Einen ganzen Müllsack voll mit Literatur hat der Herr ihr mitgegeben, nicht alles schmeichelt der Diva. Aber sie will ja noch einmal auf einer Bühne stehen, also muss sie sich wohl oder übel mit einigen Eskapaden aus ihrem Leben befassen.

„Ein widerliches Wrack war ich zum Todeszeitpunkt“, stellt sie fest. Viele Männer und Frauen habe sie unglücklich gemacht – und auch glücklich. Denn: „Ich kann ja Liebe nur, und sonst gar nichts!“ singt sie mit erotischer Stimme ihren Welthit „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“.

Als fesche Lola sorgte sie für viel Unruhe in Gesellschaft und Politik, denn auch dahin streckte sie ihre rot lackierten Finger aus. Mit den US-Truppen reiste sie während des Krieges durch ganz Europa, knüpfte und zerstörte Freundschaften, sorgte auch bei sich selbst für eine „ungewöhnliche Familiensituation“, so die Diva in ihrem Resümee. Dabei wollte sie doch nur geliebt und anerkannt werden.

Sie wurde es: Die Dietrich gilt als Hollywood- und Stilikone und ist eine der wenigen deutschsprachigen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, die auch international Ruhm erlangten. Das American Film Institute wählte sie 1999 unter die 25 größten weiblichen Leinwandlegenden aller Zeiten. Die von ihr getragenen Hosenanzüge machten das Kleidungsstück in den 1930-er Jahren für Frauen salonfähig.

Fesche Lola, Hollywood- und Stilikone, Leinwandlegende

Singend und steppend verabschiedete sich „Marlene“ von ihren Kutzenberger Zuschauern. Unvergessener Ohrwurm? Oder etwas, was noch immer zum Nachdenken anregt? „Sag mir wo die Blumen sind“ und „Lili Marleen“ – ihre beiden Klassiker haben auch heute nicht an Aktualität nicht verloren. Dafür und für einen ungewöhnlichen, schönen Theaterabend bedankte sich das Publikum mit herzlichem Applaus. Hut ab, Marlene!

 

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