BAD STAFFELSTEIN

Hohe Mehrkosten für das Kanalnetz in Bad Staffelstein

Auch im kommenden Jahr soll die Sanierung der Abwasser- und Regenwasserkanäle in Bad Staffelstein vorangetrieben werden. Das kostet aber insgesamt weit mehr, als die Stadträte bislang gedacht hatten. Foto: Markus Drossel

Mal eben doppelt so hohe Kostenansätze pro Jahr: Die Kost, die Bauingenieur Carsten Mikosch den Stadträten bei der letzten Sitzung des Jahres servierte, war zweifelsohne keine leichte. Die Sanierung und der Erhalt des rund 110 Kilometer langen Kanalnetzes im Stadtgebiet wird in den kommenden Jahren wohl eine große und weitaus teurere Rolle einnehmen, als bislang eingeplant.

„Generalüberblick zum aktuellen Stand der Kanalsanierung“ hatte der Fachmann des Spezial-Ingenieurbüros ISAS seinen Vortrag überschrieben. Und der hatte es in sich. Die Quintessenz: Zwar begutachtete die Stadt Bad Staffelstein schon seit 2018 ihr Kanalnetz in zwei Abschnitten (28,5 km), zwar wurden bereits zwei Sanierungsabschnitte umgesetzt, zwar wurden bereits siebensstellige Summen investiert – doch wird das nicht reichen. Mikosch hatte bereits im Oktober 2020 einen Zwischenstand über den Zustand des Kanalnetzes gegeben. Bislang seien 26 Prozent unter die Lupe genommen worden. Der Schwerpunkt lag dabei in der Kernstadt, aber auch Wiesen, Wolfsdorf, Frauendorf, Schönbrunn oder Vierzehnheiligen wurden untersucht. Oft stammen die Kanäle in weiten Teilen aus den 1960-er und 1970-er Jahren. Und an guten Teilen des untersuchten Kanals gibt es kurz- und mittelfristigen Handlungsbedarf. Die durchschnittliche Haltbarkeit eines Kanals wird mit 75 Jahre angegeben.

Experte Carsten Mikosch: jährlich 600 000 bis 700 000 Euro

„Die Stadt Bad Staffelstein hat in den vergangenen Jahren je einen Sanierungsabschnitt umgesetzt. Das ist grundsätzlich gut, aber es ist zu wenig, denn damit erhält man nicht die Substanz“, stellte der Fachmann heraus. Er riet aufgrund der Befunde und seiner Berechnung, statt der bislang 300 000 bis 330 000 Euro pro Jahr künftig mindestens 600 000 bis 700 000 Euro zu investieren. Pro Jahr solle die Stadt zwei Sanierungsabschnitte angehen, alle eineinhalb bis zwei Jahre zudem zusätzlich einen Inspektionsabschnitt, was jeweils rund eine weitere Million kostet. Denn: „Investieren Sie weniger, zehrt davon die Substanz.“

Blick in einen Steinzeug-Kanal in Frauendorf. Foto: Isas

Alle zehn Jahre muss ein kommunales Kanalnetz eingehend sichtgeprüft und von Ingenieuren bewertet werden. So will es der Gesetzgeber. Unter anderem auch, um Umweltschäden zu verhindern: Dringt ungeklärtes Abwasser durch Risse nach außen, kann das schwerwiegende Folgen haben. Auch für die Kommune, die dafür haften müsste.

Um einen Kanal zu sanieren, gibt es mehrere Möglichkeiten. „In 95 Prozent der Fälle geht das, ohne die Straße aufzugraben“, erläuterte Mikosch. Beim Inline-Verfahren beispielsweise erhält das Kanalrohr eine zweite Hülle aus Glasfasermatte und schnell härtendem Harz. „Mit so einem neuen Innenleben hält ein Kanal dann gut uns gerne weitere 50 Jahre“, so Mikosch.

So sieht der Kanal in der Angerstraße in Bad Staffelstein aus. Foto: ISAS

Die hohen Kosten für den Substanzerhalt des Kanalnetzes trieben Jürgen Hagel (CSU) die Sorgenfalten auf die Stirn. Er fragte nach Alternativen, doch diese konnte ihm der Bauingenieur nicht bieten. „Die Kanalsanierung wird eine Daueraufgabe bleiben“, signalisierte Mikosch. Christian Ziegler (Junge Bürger) hegte die leise Hoffnung, dass die hohen Kosten pro Jahr sinken könnten, schließlich sei der Kanal in der Kernstadt mutmaßlich der schlechteste und in manchen Dörfern fast neu, beispielsweise in Stadel, Kümmersreuth oder Uetzing. „Es muss für den Bürger bezahlbar bleiben, schließlich müssen wir beim Kanal kostenneutral arbeiten“, so Winfried Ernst (Freie Wähler). Sprich die Kosten umlegen. Auch Walter Mackert (CSU) sagte, dass die Gebührenerhöhungen, trotz aller zu tätigenden Investitionen, moderat bleiben müssten. Es sei aber nun einmal eine Pflichtaufgabe, meinte Werner Freitag (Grüne/Sbun). Mit Gegenstimme von Stefan Dinkel (CSU) nahm der Stadtrat den Expertenbericht zur Kenntnis, ebenso die Notwendigkeit des Mehrbedarfs an Haushaltsmitteln.

Eine erste Bilanz nach zehn Wochen Amtszeit gezogen

Da es auch in diesem Jahr keine feierliche Jahresschlusssitzung gibt, nutzte Bürgermeister Mario Schönwald (Freie Wähler) die Dezembersitzung für eine kurze Bilanz. Die Zusammenarbeit in den ersten zehn Wochen, in denen er als Bürgermeister amtiert, sei gut gewesen, wofür er sich ausdrücklich bedankte. „Die Arbeit bereitet mir große Freude“, stellte er heraus und bat, genau so weiterzumachen in 2022. Zweiter Bürgermeister Hans-Josef Stich (CSU) gab namens des Stadtrats das Lob zurück: „Die Grundstimmung iat sehr gut, wir haben eine gute, positive Zusammenarbeit“, sagte er und signalisierte, dass der neue Bürgermeister sich einer Unterstützung mit Rat und Tat stets gewiss sein könne.

 

Im Stadtrat kurz notiert

• Coronabedingt litt der Tourismus im Jahr 2020. Das schlägt sich auch im Jahresabschluss der Fremdenverkehrsbetriebe der Stadt Bad Staffelstein nieder. Die Bilanz schloss mit einer Summe von 3,76 Millionen Euro und damit knapp geringer als in 2019.- Der Verlust in Höhe von 929 076 Euro aber fällt rund 200 000 Euro höher aus als im Vorjahr. Dies sei Mindereinnahmen beim Kurbeitrag, dem Defizit des AquaRiese, reduzierten Einnahmen auf dem Parkplatz Vierzehnheiligen und dem Wegfall von Veranstaltungen geschuldet, erläuterte Bürgermeister Schönwald.

• Wasserversorgung und Energieerzeugung Bad Staffelstein haben im vergangenen Jahr einen Verlust von 194 671 Euro eingefahren (2019: 13 129 Euro). Hauptsächlich liegt das an niedrigeren Einnahmen durch Wassergebühren bei gleichzeitig gestiegenen Aufwendungen für Betrieb und Unterhalt.

• Michael Lunz ist der neue Ortsbeauftragte von Kümmersreuth. Die Stadträte votierten einstimmig dafür. Lunz löst damit Richard Krappmann ab, der altersbedingt das Amt niederlegte. Bürgermeister Schönwald würdigte in der Sitzung Krappmanns Engagement und betonte, sich noch persönlich bedanken zu wollen.

• Mangelhaft sei sie, die Akustik bei Stadtratssitzungen in der Adam-Riese-Halle: Es war nicht zum ersten Mal, dass Winfried Ernst (Freie Wähler) monierte, die Wortbeiträge seiner Kollegen schlecht verstehen zu können. „Da muss endlich etwas geschehen, auf die Dauer ist das nicht gut“, forderte er. Er regte an, Mikrofone an die Plätze der Stadträte zu stellen. Bislang haben nur der Bürgermeister und die Referenten technische Unterstützung, das Standmikrofon seitlich des Gremiums wird kaum genutzt. Das sei auch ein Manko für die Zuschauer auf der Galerie der Adam-Riese-Halle, so Ernst. • Rica Kohmann (Grüne/Sbun) würde Bad Staffelstein gerne im Förderprogramm „100 blühende Kommunen“ sehen, das das bayerische Umweltministerium auslobt. Derzeit laufe die Bewerbungsfrist. Fabian Leppert, der künftige Geschäftsleitende Beamte der Stadt Bad Staffelstein, hat sich das Förderprogramm bereits angesehen. Momentan sei man in Absprache mit der Bauverwaltung, welche städtischen Flächen in der Innenstadt geeignet seien.

• Jürgen Hagel (CSU) machte das Gremium auf ein Förderprogramm für überregionale Flur- und Verbindungswege aufmerksam, für das das Amt für Ländliche Entwicklung verantwortlich zeichne. Die Verwaltung nahm diese Information gerne zur Kenntnis.

 

Standpunkt: Teuer, aber notwendig

Es hilft alles nichts: Die Stadt Bad Staffelstein muss in Sachen Kanalsanierung tiefer in die Tasche greifen, als zunächst erhofft. Würde sie das nicht tun, würde sie riskieren, dass die Substanz der Abwasser- und Regenwasserkanäle in weiten Teilen des Stadtgebiets schlechter und schlechter werden würde. Das würde zwar kurzfristig den Stadtsäckel entlasten, aber damit würden auf lange Sicht die Reparaturkosten wohl immer höher und höher. Eine klassische Milchmädchenrechnung eben. Heikel wird die Angelegenheit dadurch, dass der Betrieb des Abwassernetzes kostenneutral sein muss. Sprich: Wenn die Kosten steigen, müssen die Kosten auf die Anschlussnehmer umgelegt werden – die Bürger. Dass das nicht auf große Begeisterung stoßen wird, dürfte klar sein. Aber, was soll‘s? Letztlich sind die Millionenbeträge, die in Kanalsanierung und Kanalerhalt investiert werden, ein notwendiges Übel. Stadträte und auch Bürger müssen diese „Kröte“ zähneknirschend schlucken, ob sie nun wollen oder nicht.   Markus Drossel

 

 

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