BAD STAFFELSTEIN

Harte Vorwürfe und bohrende Fragen zur Wasserversorgung

Bei der Wasserversorgung im Lautergrund (im Bild: Horsdorf) hakt es. Die Stadt Bad Staffelstein ist zum Handeln gezwungen. Foto: M. Drossel

Um die 90 Zuhörer bei der Bürgerversammlung, davon ein Viertel aus einem einzigen Ortsteil: Um die 20 Einwohner des Lautergrunddorfes Stublang wollten aus erster Hand wissen, wie es um ihre Trinkwasserversorgung und vor allem um ihre Quelle steht. Immer wieder und immer häufiger war es in den vergangenen Jahren zu Keimbelastungen und Beanstandungen im Trinkwasser gekommen.

Immer wieder wurden die Bürger aufgefordert, ihr Wasser abzukochen. Auch die Einwohner von Horsdorf und Loffeld waren von dem Problem betroffen. Aus Loffeld saß unter anderem der neue Ortsbeauftragte Simon Schmitt im Zuhörerraum, ebenso wie Stublangs Wolfgang Herold und viele weitere Stadträte.

Das Problem ist akut im Lautergrund

Erhard Ott vom Planungsbüro Baur Consult Hassfurt stellte das Wasserstrukturkonzept vor, dass die Stadt Bad Staffelstein in Auftrag gegeben hatte (diese Redaktion berichtete). Dass es dringend Änderungen in der Trinkwasserversorgung beziehungsweise in der Beschaffung geben muss, sei nicht nur dem wegen dem schlechten Zustand der Quellen in Horsdorf, Loffeld und Stublang notwendig. Auch der gestiegene und weiter ansteigende Verbrauch von Trinkwasser müsse kompensiert werden. „Die maximale Schüttung der Quellen decken vor allem in den Sommermonaten den Bedarf nicht mehr“, verdeutlichte Erhard Ott anhand der Berechnungen.

Zu geringe Schüttung und oft verkeimt: Der Heiligenbrunnen bei Stublang lässt sich wohl nicht fit machen für eine sicher... Foto: Markus Drossel

Die Stadt Bad Staffelstein und der überwiegende Teil der Stadtteile werden im Wesentlichen aus eigenen Quellen mit Trinkwasser versorgt. Einzelne Stadtteile sind an das Fernwasser der FWO angeschlossen. Das Brunnenfeld bei Bad Staffelstein liefert maximal 57 Liter pro Sekunde, die Schüttungen aus insgesamt sechs genutzten Quellgebieten unterliegt starken Schwankungen. Ein Teil des Wassers aus den Gewinnungsanlagen werde aufbereitet, etwas das aus Uetzing und der Reha-Klinik Lautergrund Schwabtal, informierte Ott.

Es ist eine Frage der Wirtschaftlichkeit

Für die langfristige Sicherstellung der Versorgung wurden die bestehenden Anlagen überprüft und erforderliche Maßnahmen in einem Versorgungskonzept zusammengefasst. Aus wirtschaftlichen und finanziellen Gründen wird ein Teil der Quellen künftig nicht mehr zur Trinkwasserversorgung genutzt.

Die Tage der Stublanger Quelle sind gezählt: die Anlage oberhalb des Friedhofes (Foto) wird ab nächstes Jahr kein Trinkw... Foto: Monika Schütz

Die bisher eigenständigen Versorgungsbereiche werden miteinander verknüpft, was mit einer deutlichen Verbesserung der Versorgungssicherheit einhergehen soll. Bei Stublang soll ein gemeinsamer Hochbehälter gebaut werden. Fabian Leppert, Geschäftsleiter der Stadt Bad Saffelstein, sagte „Der endgültige Standort ist noch nicht festgelegt. Hier kommen mehrere Grundstücke in Frage, die teils in kommunalem und teils in privatem Eigentum sind“.

Moni Schmitt: Woraus resultiert eigentlich die Keimbelastung?

Mögliche Variante: zwischen Stublang und Loffeld könnte rechts unten auf der roten Fläche der geplante Hochbehälter steh... Foto: Baur Consult

„Warum sind denn die Quellen überhaupt so verkeimt?“, wollte Moni Schmitt aus Horsdorf wissen. Im Maintal werde doch viel mehr Gülle gefahren und da gebe es nie Probleme. Außerdem habe sie bei Wanderungen rund um die Ködeltalsperre bemerkt, dass diese, vor allem im Sommer. eine sehr niedrigen Wasserstand habe. Reiche das aus, um noch mehr Orte „dranzuhängen“? Erhart Ott antwortete: „Die Verkeimung kommt im Maintal tatsächlich nicht im Grundwasser an.“ Die Ködeltalsperre sei im Verbund mit anderen Wasserversorgern, da könne man sich bei Bedarf ohne weiteres gegenseitig aushelfen.

Zudem wollte Moni Schmitt wissen, ob man die jetzigen Quellen nicht weiterhin als zusätzliche Versorgung nutzen könne. Die müssten aufbereitet werden, so Ott, das koste und sei nicht wirtschaftlich.

Wasserwart Wolfgang Polster unterzieht den Stublanger Heiligenbrunnen einem pH-Test. Foto: Markus Drossel

Auf die Frage des Stublangers Bastian Fischer, was dies denn kosten könne, antwortete Erhard Ott: „Allein die Quellensanierung mit entsprechender Überdeckung und Reinigung würde 350.000 bis 500.000 Euro kosten. Sicherheitshalber müssten auch ein Filter und eine Entkeimungsanlage eingebaut werden – nochmal rund 500.000 Euro. “ Pro Quellgebiet wären das 900.000 bis eine Million Euro, und das sei laut Ott noch vorsichtig geschätzt.

Die Frage nach Brandschutz und Naturschutz

„Wo werden denn eigentlich die Proben gezogen?“, wollte Klemens Fischer aus Stublang wissen. Sowohl im Ortsnetz, als auch an der Quelle, lautete Otts Antwort. „Was passiert mit dem Bachlauf? Was ist mit dem Brandschutz und dem Naturschutz?“, fragte Harald Eichhor, ebenfalls Stublang. Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun, erwiderte Erhard Ott. Hier gebe es wasserwirtschaftliche Vorgaben des Wasserwirtschaftsamtes Kronach.

Immer wieder muss im Lautergrund das Wasser abgekocht werden. Foto: M. Drossel

Viele Fragen aus der Versammlung, vor allen von Peter Grasser aus Loffeld, betrafen die Wasserhärte des „neuen“ Wassers und die Möglichkeit zur Entkalkung. Fabian Leppert verwies auf die Internetseite der Stadt: Die aktuellen Härtegrade für das gesamte Stadtgebiet finden Interessenten auf www.bad-staffelstein.de.

„Die Stadt hat geschlafen“, befand Klemens Fischer. „Wir hätten schon vor 40 Jahren ein neues Bassin gebraucht. Jetzt machen wir uns abhängig!“ Man erlebe doch gerade, wie weit Abhängigkeit gehen könne. Und: Was passiere bei Stromausfall Wie lange könnte dann noch Wasser aus dem neuen geplanten Hochbehälter fließen? Ott konnte beruhigen: Der Hochbehälter habe eine Kapazität von 400 Kubikmetern, das reiche für etliche Tage.

Harte Vorwürfe und bohrende Fragen zur Wasserversorgung
Passt: Das Ergebnis des pH-Tests ist genau im zulässigen Bereich. Foto: Markus Drossel

Aus den Ergebnissen des Strukturkonzeptes ergaben sich vordringliche und mittelfristige Maßnahmen, um die zukünftige Versorgung langfristig sicherzustellen: dringlich seien laut Ott die Aufgaben im Vorsorgungsbereich von Horsdorf, Loffeld und Stublang (im Verbund). Spätestens im nächsten Jahr solle mit dem Bau begonnen werden. Einschließlich der weiteren Arbeiten in den Bereichen Uetzing, Kaider, Schwabthal, Vierzehnheiligen, Romansthal, und End (gesonderter Bericht!) nannte Erhard Ott eine Investitionssumme von 13 Millionen Euro netto.

Bericht des Bürgermeisters

• Damit die Bürger der Stadt sich noch besser informieren können, was gerade wo in der Planung, im Bau oder auch in der Diskussion ist, hat das Rathaus vor einiger Zeit eine extra Seite im Internet freigeschaltet. Hier kann auch nachgelesen werden, welche Beschlüss wann gefasst wurden oder wann die nächste öffentliche Sitzung samt diversen Tagesordnungspunkten stattfindet. Die Seite ist einfach zu finden unter: buergerinfo-bad-staffelstein.digitalfabrix.de. Hier ist auch schon der Termin eingetragen, an dem der Öffentlichkeit das Konzept Bahnhof Bad Staffelstein vorgestellt wird, nämlich in der Stadtratssitzung am 26. Juli um 19 Uhr.

• Bürgermeister Mario Schönwald stellte den Interessenten bei der Bürgerversammlung die aktuellen Einwohnerzahlen der Stadt und die Entwicklung seit 2011 vor. Von 10.517 sei die Zahl auf 10.703 gestiegen, freute er sich.

•„Bitte pflegen Sie ihr Anwesen, nehmen Sie mal den Besen in die Hand und kehren die Rinne vor dem Haus“, so Schönwald. „Oder den Gehweg". (ds)

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