EBENSFELD

Georg Meixner aus Ebensfeld: Der letzte politische Prälat

Georg Meixner aus Ebensfeld: Der letzte politische Prälat
Im Jahr 1910 empfing Georg Meixner die Priesterweihe, anschließend war er in verschiedenen Pfarreien des Bistums als Kap... Foto: Repro: Fabian Brand

Geboren wurde Georg Meixner am 26. Juli 1887 in Ebensfeld. Das Geburtshaus befindet sich in der Unteren Straße 65. Meixners Vater Andreas stammte aus Prächting, seine Frau Katharina Leicht kam aus Ebensfeld, wo sich das Ehepaar seinen Lebensunterhalt als Landwirt und Kappenschneider verdiente. Georg Meixner wuchs mit vier Geschwistern auf und besuchte zunächst die Volksschule in Ebensfeld. 1897 kam er nach Bamberg, wo er fortan im Erzbischöflichen Knabenseminar, dem Ottonianum, lebte und am Neuen Gymnasium zur Schule ging. 1906 legte Georg Meixner dort sein Abitur ab.

Nach dem Studium der Theologie und Philosophie in Bamberg, wurde Meixner am 31. Juli 1910 von Erzbischof Friedrich Philipp von Abert im Dom zum Priester geweiht. Nachdem der Neugeweihte am Nachmittag seiner Weihe feierlich in seiner Heimatgemeinde empfangen wurde, feierte er dort tags darauf seine erste heilige Messe. Primizprediger war der ehemalige Ebensfelder Pfarrer Georg Güttler. Die erste Kaplanstelle führte Meixner nach Röthenbach an der Pegnitz, bereits ein Jahr später kam er nach St. Gangolf in Bamberg und 1913 schließlich nach Nürnberg. Dort wurde er mit den Sorgen und Nöten der Arbeiter konfrontiert und entwickelte ein erstes politisches Engagement.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Meixner Kaplan in Nürnberg St. Martin. Infolge des Krieges kam es in der Arbeiterstadt Nürnberg zu großen Umstürzen. Kaplan Meixner versuchte zu vermitteln und die päpstliche Soziallehre gegen marxistische Tendenzen zu etablieren. Als er zum Bezirkspräses der katholischen Arbeitervereine gewählt wurde, kam Meixner wieder nach Bamberg zurück, wo er sich aktiv in der Sozialpolitik des Erzbischofs Jakobus von Hauck engagierte.

Georg Meixner aus Ebensfeld: Der letzte politische Prälat
Meixner war auch an der Wiedergründung der seit 1930 bestehenden und im Dritten Reich verbotenen Studentenvereinigung „M... Foto: Repro: Fabian Brand

Die Kandidatur war nicht unumstritten

Anfang des Jahres 1932 erklärte Meixner seine Kandidatur für den Landtag für die BVP, die Bayerische Volkspartei. Am 10. April 1932 erklärte er bei einer öffentlichen Veranstaltung in Bamberg: „Ich will nach bestem Wissen und Gewissen zum Wohle unseres Volkes, besonders des kleinen Mannes im Volke, arbeiten! Ich will ein christlicher, sozialer, bewusst bayerischer Politiker sein!“ So wollte sich Meixner vor allem für die Mittelschicht einsetzen und für die Arbeiterschaft, in denen er seine potenziellen Wähler sah.

Die Kandidatur von Georg Meixner war nicht unumstritten: Vonseiten der Nationalsozialisten war er massiver Kritik ausgesetzt, denn die NSDAP versuchte mithilfe verschiedener Wahlkampftaktiken Wähler abzuwerben. Zwar mahnte Meixner, die NSDAP sei der größte Feind der Demokratie und warnte vor nationalsozialistischem Gedankengut, doch stand die Landtagswahl 1932 unter dem Zeichen der Furcht vor der NSDAP. Nach erfolgter Wahl konnte Georg Meixner in den Landtag einziehen und widmete sich dort hauptsächlich wirtschaftlichen Fragen.

Mit dem Jahr 1933 konnte Meixner parlamentarisch nur noch im Hintergrund arbeiten. Dafür widmete er sich verstärkt Aufgaben in seinem Heimatbistum Bamberg: Im „Bamberger Volksblatt“, das vom katholischen St. Otto-Verlag herausgegeben wurde, war Meixner als Berichterstatter über die Verbrechen der Nationalsozialisten tätig. Er schrieb über die Verhaftungen von Priestern, aber auch über die Ermordung von Juden in den Konzentrationslagern. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Bereits am 26. Juni 1933 wurde Meixner für einige Tage von der Gestapo in Schutzhaft genommen. Meixner musste sich aus der aktiven Pressearbeit zurückziehen, außerdem wünschte der Erzbischof, dass er sein politisches Mandat niederlege. Einzig die Funktion als Direktor des St. Otto-Verlags durfte Georg Meixner weiterhin ausüben.

Weil Meixner versuchte, eine neutrale Berichterstattung zu wahren und vor allem weiterhin christliches Gedankengut zu verbreiten, war er immer wieder Repressalien durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. Am 5. Juli 1938 wurde er zusammen mit anderen Persönlichkeiten vor Gericht angeklagt. Dabei wurde er in Untersuchungshaft genommen.

Steter Mahner vor dem Nationalsozialismus

Bereits 1936 wurde Meixner zum päpstlichen Geheimkämmerer ernannt, ehe er ab dem Juli 1937 als Pfarrverweser in Bamberg St. Gangolf wirkte. Immer wieder mahnte er dabei in Predigten die Gefahr an, die von der NS-Diktatur ausginge. Als die Gefahr wuchs, dass ihm durch das NS-Regime eine längere Haftstrafe drohte, ernannte man ihn zum Domkapitular. Am 15. April 1941 wurde er in sein neues Amt eingesetzt. Nach dem Krieg wurde Meixner 1946 zum päpstlichen Hauskaplan ernannt.

Der Zustand im Erzbistum Bamberg war nach dem Krieg desolat: Es herrschte Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot und eine große Zahl an Flüchtlingen suchte eine neue Heimat. Meixner, der schon seit seiner Zeit als Kaplan an sozialen Fragen interessiert war, wirkte in dieser Situation als treibende Kraft. So wurde nicht nur die „St. Joseph-Siedlung für Flüchtlinge, Bamberg“ gegründet, auch das „Diözesanjugendwerk St. Heinrich und St. Kunigunde“ wurde von Meixner maßgeblich vorangebracht. Schließlich setzte er sich auch für die Gründung eines christlichen Radiosenders in Bamberg ein, dessen Umsetzung allerdings von der Militärregierung verweigert wurde. Auch der Wiederaufbau des St. Otto-Verlags fand in Prälat Meixner einen engagierten Unterstützer: Schon im August 1947 konnte der Verlag seine Arbeit wieder aufnehmen.

Georg Meixner aus Ebensfeld: Der letzte politische Prälat
Am Ende der 1950er Jahre war die Gesundheit Meixners schon sehr desolat. Dies führte auch dazu, dass er 1959 endgültig a... Foto: Repro: Fabian Brand

Maßgeblich beteiligt an der Gründung der CSU in Bamberg

Das politische Engagement nahm Meixner ebenfalls wieder auf: Maßgeblich beteiligt war er an der Gründung der CSU in Bamberg, welche am 16. September 1945 im Liederkranzheim am Gangolfsplatz erfolgte. Nach erfolgreicher Wahl nahm er am 1. Dezember 1946 seine Arbeit als Landtagsabgeordneter für den Stimmkreis Bamberg-Land auf. Fünf Jahre später, am 19. Juni 1951, wurde Meixner zum Fraktionsvorsitzenden der CSU im bayerischen Landtag gewählt und gehörte somit auch dem Landesvorstand der CSU an. Das Amt des Fraktionsvorsitzenden übte er auch in der Wahlperiode 1954 bis 1958 aus, wenngleich er zu dieser Zeit schon von einer schweren Krankheit gezeichnet war. Am 2. Juni 1957 erhielt Meixner gar einen Krankenbesuch von Bundeskanzler Adenauer.

Mit dem Jahr 1959 schied Georg Meixner endgültig krankheitsbedingt aus der aktiven Politik aus. Nur ein Jahr später, am 28. Oktober 1960, starb Meixner und wurde am 31. Oktober in der Kapitelsgruft des Bamberger Domes beigesetzt. Neben dem bayerischen Ministerpräsidenten waren auch andere hochrangige Politiker anwesend, um Prälat Meixner die letzte Ehre zu erweisen. Im St. Heinrichsblatt konnte man anlässlich seines Todes lesen: „Unser Prälat ist von uns gegangen. Unersetzlich und unvergessen lebt sein Werk in Kirche und Staat weiter.“ Und Landtagspräsident Rudolf Hanauer würdigte ihn mit den Worten: „Sein Leben und seine Haltung sind für uns alle ein Vorbild. Der Verstorbene wird im bayerischen Landtag unvergessen bleiben.“

 

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