EBENSFELD

Musikvereinigung Ebensfeld: neues Konzept in Probenarbeit

Ein Lichtblick war im November 2021 das Herbstkonzert „Rock meets Brass“, für das die Musikvereinigung Ebensfeld mehrere Gastmusiker ins Boot geholt hatte, darunter auch Gitarrist Benjamin Sand.Archiv Foto: Mario Deller

Von hohem Engagement, Freude am Musizieren und dem Streben nach stetiger Weiterentwicklung geprägt ist das Vereinsleben der Musikvereinigung Ebensfeld, so der erfreuliche Tenor bei der Generalversammlung in der Dreifachturnhalle. Getreu dem Motto „Stillstand heißt Rückschritt“ stellt sich der Verein den Herausforderungen der Zeit und wagt sich dabei mutig an neue Konzepte.

Die Anzahl der Auftritte der Ensembles seit der vergangenen – Corona-bedingt verspätet angesetzten – Generalversammlung im September 2021 hielt sich weiterhin in Grenzen, wie Vereinsvorsitzender Rudolf Dierauf berichtete. Gerne erinnere man sich freilich an das gelungene Herbstkonzert „Rock meets Brass“ im November.

Während der Pandemie ist kein Musiker abgesprungen

„Dieser Virus hat unser Land immer noch im Griff“, so Dierauf, der auch anmerkte, dass durch fehlende Auftritte und abgesagte Feste dem Verein wichtige Einnahmen fehlten. „Wir sind dennoch relativ gut durch diese schwere Zeit gekommen“, zog der Vorsitzende positiv Bilanz. Vor diesem Hintergrund lobte er Dirigententeam, Bläserklassenleiter sowie die in der musikalischen Ausbildung des Vereins Tätigen. „Ihnen ist es zu verdanken, dass es gelang, musikalisch am Ball zu bleiben.“

Erfreulicherweise sei außerdem kein Musiker in der Pandemiezeit abgesprungen. Die Musikvereinigung Ebensfeld umfasst – Stand Jahresbeginn 2022 – 668 Mitglieder. Von dem 144 aktiven Musikern sind 86 jünger als 17 Jahre.

Wo wird die Musikvereinigung während der Schulsanierung proben?

Die Generalsanierung der Schule war auch ein wichtiges Thema. Durch seine Entscheidung hat der Gemeinderat die Basis gelegt, dass auch künftig in der Schule geprobt werden kann, wofür Dierauf dankte. Hierbei stellt sich aber auch die Frage, wo die Proben stattfinden können, wenn in der längeren Sanierungsphase ab Ostern oder Pfingsten 2023 der Schulbetrieb in Container ausgelagert und der bisherige Probenraum nicht zur Verfügung stehen wird. Der Vorstand der Musikvereinigung und der anwesende Bürgermeister Bernhard Storath äußerte sich aber zuversichtlich, hier eine gute Lösung zu finden.

„Wir sind absolut im Zeitplan“, meinte Dierauf im Hinblick auf die mit der Ausrichtung des Kreismusikfestes verbundene 150-Jahr-Feier im Jahr 2023 – so lange reicht die Historie der Blasmusik in Ebensfeld nämlich zurück. Ein Festzelt ist reserviert, ein Sicherheitskonzept erstellt, und auch das musikalische Rahmenprogramm stehe im Wesentlichen fest, nannte Dierauf wichtige Eckpfeiler. Um das große Fest zu stemmen, würden enorme Kosten auf die Musikvereinigung zukommen. Von daher appelliere man an die Spendenbereitschaft von Mitgliedern, Freunden und Gönnern. Es wurde hierzu ein eigenes Spendenkonto eingerichtet (IBAN: DE15 7706 2139 0000 0259 84).

Osterkonzert am 18. April als Benefizkonzert für die Ukraine-Hilfe

Was mögliche Auftritte von Orchester und den übrigen Ensembles in diesem Jahr anbelangt, hofft der Verein, dass Corona diesmal keinen Strich durch die Rechnung macht. Im Juni jährt sich die Fusion von Musikverein und Obermaintaler Jugendkapelle zum zehnten Mal. Ob dies im Rahmen eines kleinen Konzertes gefeiert wird, steht noch nicht fest, ergänzte Dierauf.

Zuversicht lag auch in den Worten der musikalisch Verantwortlichen des Vereins. Orchesterleiterin Kathrin Motschenbacher lobte das akribische und disziplinierte Proben der Musiker. Als nächster Auftritt steht das Osterkonzert in der Ebensfelder Pfarrkirche am Ostermontag, 18. April, an. Aus aktuellem Anlass ist dieses als Benefizkonzert unter dem Motto „Eine Stunde für den Frieden“ konzipiert. Der Veranstaltung solle ein besinnlich-meditativer Charakter beiwohnen, die gesammelten Spendergelder kommen der Ukraine-Hilfe zugute.

Neues Terminplanungstool, neues Konzept für die Probenarbeit

Nach außen zwar kaum sichtbar, hat sich, wie gerade die Ausführungen Motschenbachers offenbarten, in der Pandemiezeit bei der Musikvereinigung auch systemisch allerhand getan. Sehr gut klappe beispielsweise, so die Dirigentin, inzwischen die Nutzung des Anfang 2021 eingerichteten Browser-basierten Termin- und Vereinsplanungstools, welches helfe, die Probenanwesenheit zu überschauen und Infos an die Orchestermitglieder zu kommunizieren.

Seit Anfang dieses Jahres gebe die Musikvereinigung außerdem neue Wege in der Probenarbeit. Es wurde das Konzept der sogenannten „agilen Probenarbeit“ eingeführt. Motschenbacher erläuterte die neue „Scrum-Methode“ kurz: Die verschiedenen Instrumentenregister des Orchesters – also jeweils die Musiker gleicher Instrumentenart, beispielsweise die Trompeter – agieren als Teams und erarbeiten sich selbstständig die Bewältigung musikalischer Aufgaben für das nächste musikalische Projekt. Die Stimmung bei den Proben sei immer gut und konstruktiv, ergänzte sie. „Danke hierfür, das ist keineswegs selbstverständlich.“

Begeisterung und Engagement beim musikalischen Nachwuchs

Auch die Ausbildung des musikalischen Nachwuchses ist in der Musikvereinigung auf einem guten Weg, wie weitere Berichte zeigten. Mit Freude und Engagement bei der Sache ist etwa die Juniorband, deren nächster Auftritt am 30. April beim Leuchsentaler Heimatfest in Mistelfeld geplant sei. Musikalische Begeisterung zu beobachten ist ebenso bei den Bläserklassen, die das Gelernte ebenfalls am 30. April bei der Teilnahme an einem Wertungsspiel unter Beweis stellen werden.

2. Vorsitzender Tobias Engel hob hervor, dass sich der Blockflötenunterricht außergewöhnlicher Beliebtheit erfreue. Nach Jahren sinkender Nachfrage konnten nun 20 Erst- und Zweitklässler hierfür begeistert werden, ein regelrechter Ansturm also. Engel ging außerdem auf die Planungen des Vereins ein, bereits vor dem Blockflötenunterricht Angebote der musikalischen Früherziehung für ganz junge Musikbegeisterte zu schaffen. Erste Vorgespräche zu diesem Vorhaben sollen in den kommenden Wochen geführt werden. Ferner erwähnte Engel die Erneuerung des Jugendvorstands des Vereins am Vortag der Generalversammlung.

Sehr emotionale Worte und ein Lied von Bürgermeister Storath

„Wir stehen weiterhin auf soliden Füßen“, lautete das zufriedenstellende Fazit der Kassiererin Christine Murmann nach Erläuterung des Kassenberichts, wenngleich sich die Einnahmen 2021 infolge wegfallender Feste und sonstiger Veranstaltungen wesentlich geringer gestalteten. Kassenprüfer Christopher Klier bescheinigte ihr eine einwandfreie Buchführung.

Dann richtete Bürgermeister Bernhard Storath sehr emotionale Worte an die Versammelten. Es tue ihm einerseits gut, hier zu sein und das engagierte Wirken in der Musikvereinigung mitzuerleben, so der Rathauschef. Doch im selben Atemzug schilderte er, dass die schrecklichen Geschehnisse in der Ukraine auch ihm zu schaffen machten. „Wir müssen auch im Kleinen so gut wie möglich miteinander umgehen“, nannte er einen wichtigen Aspekt.

Ehrennadeln für 10 und 20 Jahre aktives Musizieren

Man hätte in der Turnhalle eine Stecknadel fallen hören, als der Bürgermeister dann das leider sehr aktuelle Lied „Wozu sind Kriege da?“ von Udo Lindenberg sang: „Die laden die Gewehre und bringen sich gegenseitig um. Sie steh'n sich gegenüber und könnten Freunde sein. Doch bevor sie sich kennenlernen, schießen sie sich tot.“

Nach dieser bewegenden Einlage fiel es schwer, gedanklich wieder die Kurve zu kriegen. Florian Zapf sprach als Stellvertretender Kreisvorsitzender des Nordbayerischen Musikbundes Christine Murmann seine Anerkennung aus für zehn Jahre aktives Musizieren im Verein und überreichte ihr eine Ehrennadel. Genauso lang als aktive Musikerin dabei ist Selina Finzel, gar schon 20 Jahre bereichert Carolin Böhmer mit musikalischem Eifer das Vereinsleben. Die beiden letztgenannten waren aber nicht anwesend, genauso wie sämtliche Mitglieder, die für 25-, 40- oder 50-jährige Mitgliedschaft hätten geehrt werden sollen (siehe Infobox).

Ehrungen

25-jährige Mitgliedschaft:

Stefan Diebl, Thomas Pfadenhauer, Jens Scheftlein, Roland Senger, Hans-Joachim Will, Michael Dietz, Ulrike Dietz, Karl-Heinz Exner, Joachim Gagel, Joseph Hofmann, Heinrich Kunzelmann, Hans Landgraf,, Christine Mack, Georg Senger, Rudi Tischer, Alexander Trütschel, Klaus Wachter und Reinhold Zellmann.

40-jährige Mitgliedschaft:

Irmgard Tischler.

50-jährige Mitgliedschaft:

Rudolf Will.

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