UETZING/DERNAU

Fränkische Musiker bringen Freude ins Ahrtal

Die „f-AHR-ende Musikanten“ spielten am Nachmittag auf den Sportplatzgelände auf. Foto: red

Das gab es so auch noch nie: Da fährt ein Bus mit Musikerinnen und Musikern zu einem Auftritt, und sie bringen selbst Getränke mit. Unter dem Motto „f-AHR-ende Musikanten – Blasmusik aus dem Frankenland“, startete kürzlich ein Reisebus von der Firma Deuber aus Modschiedel ins Ahrtal. Als „Servicewagen“ fungierten dabei zwei Kühlwägen der Brauerei Leikeim aus Altenkunstadt mit 600 Kästen Bier und 100 Kästen alkoholfreien Getränken von verschiedenen Brauereien der Region.

Marcus Ultsch, selbst aktiver Musiker bei der Uetzinger Blaskapelle und Jahrelang bei den Don Bosco Musikanten, hatte die Idee gehabt, wieder etwas für das Ahrtal zu machen. Bereits im Dezember 2021 hatte er sich zusammen mit Manuela Thörmer unter dem Motto „Verzaubere mit uns Kinderaugen im Ahrtal“ um Weihnachtsgeschenke für Kinder dort in der Region gekümmert.

Mit Blasmusik zogen die „f-AHR-ende Musikanten“ durch den Ort. Foto: red

Von Laien- bis zu Profimusikern war alles vertreten

Durch seine Kontakte vor Ort erfuhr er im Februar, dass am Pfingstenwochenende auf dem Sportplatzgelände in Dernau ein Familienfest stattfinden sollte. Zusammen mit Tino Bechmann, einem heimischen Musiker, startete er die Organisation eines besonderen Events. „Daraufhin hab ich dann mal meine musikalischen Kontakte in den sozialen Netzwerken kontaktiert und mein Vorhaben erklärt. Ich erhielt sehr schnell positive Rückmeldungen, und so wurden es nach und nach immer mehr Musiker, die sich anschlossen.

Letztendlich waren wir 50 Musiker von Uetzing über Weidhausen, Oberzell/Fulda, Hülzweiler, Loffeld, Lichtenfels, Wolfsdorf, Stockheim, Marktzeuln, Mistelfeld, Gräfenhäusling, Burkheim, Kümmersreuth, Mürsbach, Scheßlitz, Weismain, Rudolstadt, Rattelsdorf, Ebensfeld, Klosterlangheim, Hochstadt, Schwürbitz, Mitwitz, Wiesengiech, Höhenhäusling, Donauwörth und Roßstadt. Von Laien- bis zu Profimusikern alles war vertreten. Nun galt es, etwas auf die Ausgewogenheit der Instrumente zu achten, denn was nützt es, wenn man fünf Trompeten, aber keine Tuba hat“, erzählte Marcus Ultsch.

Initiator Marcus Ultsch. Foto: red

Ausgestattet mit knapp 70 Stücken – von der Polka bis zu Beat

Das nächste Problem waren die Noten, denn alle Musiker brauchten das gleiche Material. Das hatte sich schließlich Thomas Kauppert aus Scheßlitz auf die Fahne geschrieben. Knapp 70 verschiedene Stücke, von Polka über Walzer und Marsch bis hin zu Beat, alles war vorhanden.

Nach Wochen der intensiven Vorbereitung war es am frühen Pfingstsamstag endlich soweit, und der Reisebus holte die Musiker an den Sammelpunkten ab. Über Zapfendorf und Scheßlitz ging es in die Rhön und dann weiter nach Dernau. Dort folgte zunächst eine Rundfahrt entlang der Ahr. Hierbei bot sich der Gruppe immer noch ein Eindruck der Verwüstung. Knapp ein Jahr nach der Katastrophe fehlt es immer noch an vielem, teilweise sogar an Straßen und Brücken.

Musizierend quer durch den Ort marschiert

Auf dem Sportplatzgelände am Ahrweg hatten sich unterdessen bereits am frühen Nachmittag zahlreiche Hilfsorganisationen eingefunden, um den Ahrtal-Bewohnern und ihren Helfern ein schönes Fest zu bieten. Unter dem Dernauer Maibaum versammelten sich gegen 15 Uhr die „f-AHR-enden Musikanten“, um zunächst mit Blasmusik durch den Ort und schließlich unter großem Hallo auf den sonnengefluteten Festplatz zu ziehen. Bürgermeister Alfred Sebastian, der zusammen mit Weinkönigin Ronja I. und Ingrid Näkel-Surges vom Verkehrsverein Dernau das Fest eröffnete, dankte nicht nur für die musikalischen Beiträge, sondern auch für die große Getränkespende aus dem Frankenland.

„Auf dem Platz an der Ahr spielten wir einen Choral und die Hymne. Danach marschierten wir zum Festplatz. Hier spielten wir zunächst unser Frankenlied sowie den Gruß an Würzburg und zahlreiche Stücke aus ihrer Sammlung. Ohne im Vorfeld zu proben und ohne Dirigenten – dass so viele verschiedene Musiker gleichzeitig musizieren, das war schon eine Meisterleistung“, schwärmt Ultsch noch heute.

Eindrücke aus dem Ahrtal. Foto: red

Die Organisatoren dieses Festes, Ramona Richter und „Dori“ Anja Braumüller, erhielten einen Gutschein für einen „Tag am Meer“ in der Obermain Therme Bad Staffelstein sowie für eine Übernachtung in der Gastwirtschaft „Zum Kutscher“ von den „f-AHR-enden Musikanten“ überreicht.

„Den Menschen dort ist es so wichtig, dass sie nicht vergessen werden, und das habt ihr ihnen mit eurer tollen Aktion gezeigt.“
Susanne Goppert

Am späten Samstagabend fuhr der Bus wieder Richtung Heimat, und jeder Musiker nahm seine Eindrücke mit. „Es war mir eine Ehre und Freude, mit euch musizieren zu dürfen. Danke für den sehr schönen und emotionalen Tag. Es war einfach schön“, so Petr Horejsi auf der Rückfahrt.

Und Susanne Goppert brachte es auf den Punkt: „Ihr habt viel geleistet und so viel Durchhaltevermögen gezeigt. Ich habe es als große Ehre empfunden, als einzige Nicht-Musik-Spielende dabei sein zu dürfen. Danke, besonders an dich, Marcus auch für die Wahnsinns-Organisation. Viele Emotionen kamen wieder hoch, und ich habe den Tag mit euch allen und eurer schönen Musik so sehr genossen. Ihr habt Licht und Freude ins Ahrtal gebracht. Den Menschen dort ist es so wichtig, dass sie nicht vergessen werden, und das habt ihr ihnen mit eurer tollen Aktion gezeigt.“

Dank an alle, die diese Aktion unterstützt haben

Die Musiker und Musikerinnen bedanken sich bei den Firmen, die diese Aktion überhaupt möglich machten, also Holzofenbäckerei Schauer, Landgasthof „Zum Kutscher“, Metzgerei Schnapp, Deuber Reisen, Debus Natursteine, Essmeyer Tiefbau und Baulogistik, Landhandel Ultsch, Obermain Therme Bad Staffelstein, Brauerei Dinkel, Brauhaus Leikheim, Schlossbrauerei Reckendorf, Brobier Reckendorf, Brauerei Göller, Brauerei Hoh, Brauerei Trunk, Staffelberg-Bräu, Brauerei Hetzel, Püls-Bräu und Brauerei Wagner, und bei den Fahrern des Busses, Horst Sünkel und Karl-Heinz Kerner, den Lastwagenfahrern Helmut und Anja Degen sowie den zahlreichen Helfern.

 

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