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Exkursion vom Auwald zum Gottesgarten am Obermain

Exkursion vom Auwald zum Gottesgarten am Obermain
Blick in den Gottesgarten. Foto: red

Der „Gottesgarten am Obermain“ ist ein Landstrich, der sich mit malerischen Dörfern, bunten Obstwiesen, schroffen Felsformationen und munter rauschenden Bächen wie ein riesiger Landschaftspark ausbreitet. Kloster Banz, die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen und der Staffelberg ragen als krönende Landmarken heraus.

Am Sonntagnachmittag griff Bezirksheimatpfleger Professor Günter Dippold bei einem Vortag der „Freunde des Gottesgartens Bad Staffelstein“ das Thema „Wie aus dem oberen Maintal der Gottesgarten wurde“ auf. Eine bemerkenswerte Landschaft, die binnen Jahrhunderten vom Menschen von der Natur- zur Kulturlandschaft geformt wurde. Hätten die Menschen nicht hier gesiedelt, würden Auenwälder im Tal und vermutlich Laubwälder an den Hängen dominieren. Die Landschaft in ihrer Gestalt, auch die Wälder in ihrer heutigen Gestalt sind aber von Menschen gemacht, so Dippold.

Bis zur Endstation nach Lichtenfels

Er erläuterte, dass der Begriff „Gottesgarten“ erst ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert in politischen Reden verwendet wurde. Er stamme aus dem berühmten Gedicht „Wanderfahrt“ von Josef Victor Scheffel, damals noch ohne -von-, diesen Namenszusatz erhielt er erst zum 50. Geburtstag, so der Bezirksheimatpfleger. Scheffel stand im Dienst der Fürsten Fürstenberg und wollte in Eisenach einen Wartburg-Roman schreiben, was erfolglos bleib. Mit der frisch eröffneten Bahn fährt er später von Gotha durch Thüringen bis zur Endstation nach Lichtenfels.

Dort erinnert es sich, wie er als Heidelberger Student 1845 einmal in Banz war. In Banz kommt er allmählich wieder in eine heitere Stimmung und schreibt fröhliche Gedichte, unter anderem 1859 auch das Gedicht „Wanderfahrt“. Hier heißt es: „Wallfahrer ziehen durch das Tal mit fliegenden Standarten, hell grüßt ihr doppelter Choral den weiten Gottesgarten“. Hier erscheint erstmals in diesem populären Gedicht das Wort für diesen Raum. In den 1870er Jahren wurde es vom Würzburger Stadtkämmerer Valentin Eduard Becker vertont und daraus wurde dann das Frankenlied, die inoffizielle Landeshymne von Franken.

Die Wallfaherer kamen vom Westen ins Maintal

„Könnte man das Lied nicht singen, könnten es wenige auswendig. Aber so wird das Lied gesungen und so war es auch im letzten Jahrhundert“, so Dippold. „Wallfahrer ziehen durch das Tal“, das ist etwas was Scheffel in Banz selbst erlebt hat. Er sah die Wallfahrer, die vom Westen über die Hassberge und den Banz-Berg zogen, mit dem Ziel Vierzehnheiligen. Wenn man von dort kommt, dann versteht man auch, warum und wie Balthasar Neumann im 18. Jahrhundert die Fassade dieser Kirche gestaltet hat.

Es ist eine hoch aufragende Fassade mit zwei Türmen, eine Fassade, die in ihrer Fenstergliederung weniger einer Kirche, sondern mehr der Architektur eines Palastes entnommen ist, so Dippold. Die großen Fenster in der Beletage – im ersten Stock, sind typisch für den Palast. Es ist der Palast des Allmächtigen und der 14 heiligen Nothelfer und natürlich auch der Mutter Gottes, die ja bekanntlich auch Patronin von Vierzehnheiligen ist. Es sei deren Palast, den er da gebaut hat und der durch die hoch aufragende Fassade weithin sichtbar sein sollte.

Erstmals eine Kapelle für die Nothelfer

„Die Kirche selbst geht auf Heiligen-Erscheinungen zurück und ist damit die erste Kirche der Christenheit, die diesen Ursprung hat“, so Dippold. Nun ging der Professor auf die Überlieferung der Erscheinung ein. Die 14 Heiligen, drei Frauen und elf Männer, sind wohl schon im 13 Jahrhundert im Bistum Passau an der Donau von einem geschulten Theologen erdacht worden. Diese 14 Nothelfer hatten aber noch kein so richtiges Kultzentrum. Es gibt in diversen Kirchen zwar 14-Nothelfer-Altäre, aber hier in Vierzehnheilgen bekommen sie aufgrund der Erscheinung eine Kapelle errichtet.

Teils waren die Wallfahrten verpönt

Schon früh kommen Wallfahrten aus Böhmen, aus dem Bistum Würzburg, aus dem Raum Eichstädt, ja selbst Gläubige aus Sachsen kommen und suchen Hilfe für ihre Anliegen. Die Wallfahrten haben natürlich auch Höhen und Tiefen. Tiefen im Reformationsjahrhundert, als nicht nur Sachsen evangelisch wird, sondern bis Ende des 16. Jahrhundert auch viele Menschen in der Region. Wallfahrten seien damals nahezu veracht worden, so Dippold. Als die Wallfahrten nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder aufblühten, erschien dem Kloster Langheim die Kirche zu klein und nicht modern. Hier war ein Ort an dem sich das Kloster Langheim, eines der reichsten fränkischen Klöster, präsentieren konnte. Deshalb sollte eine besondere Kirche gebaut werden, die weithin sichtbar ist. Und genau diese Möglichkeit tat sich am Hang zum Maintal hin auf.

Die Sichtachse ist zum Kloster Banz ausgerichtet

Bei der Planung habe sich Balthasar Neumann aber auch auf das bestehende Kloster Banz bezogen. Die Kirche in Vierzehnheiligen ist leicht in der Achse gedreht, sie ist somit nicht geostet. Damit die Sichtachse vom Hochaltar durch den Gnadenaltar und durch die geöffnete Tür auf Banz genau ausgerichtet ist. Banz liegt wie eingerahmt im Türstock, was durch die Bäume leider nicht mehr zusehen ist. Dies sei laut Dippold umso bemerkenswerter als das Kloster Langheim ein Zisterzienserkloster, Kloster Banz hingegen ein Benediktinerkloster war.

Exkursion vom Auwald zum Gottesgarten am Obermain
Der Referent, Bezirksheimatpfleger Professor Günter Dippold. Foto: red

Im 19. Jahrhundert gab es dann Beschwerden über die schlechten Wege nach Vierzehnheiligen. Aus Langheim her kam man gut über den „Frankenthaler-Weg“ nach Vierzehnheilgen. Ab 1691 standen übergroße Sandsteinreliefs am Wegesrand, die die Leidensgeschichte Jesus aufzeigten. Einige Reliefs wurden wahrscheinlich im frühen 20. Jahrhundert vom Wegesrand entfernt und in Vierzehnheiligen beim Klosterfriedhof aufgestellt. Auf dem Weg von Lichtenfels nach Vierzehnheiligen gibt es noch heute einige dieser Sandsteinreliefs. Weiterhin findet man im wunderschönen Maintal zwischen Vierzehnheiligen, Staffelberg und Kloster Banz in der freien Natur auch heute noch zahlreiche historische Marter. Dabei unterscheidet man Bamberger Marter und Würzburger Marter.

Ein Kloster nur für den Adel

Nächster Haltepunkt im Rahmen des Vortrags war der „Banz-Blick“, der 2010 vom Bund Naturschutz erstellt wurde. Hier genoss man bei herrlich Sonnenschein den wunderschönen Blick auf Kloster Banz. Gräfin Alberada von Schweinfurt und ihr Mann gründeten um 1071 auf der Burgstelle eine Benediktiner-Abtei, die bis zur Säkularisation das älteste Kloster am Obermain war. Banz ist im späten Mittelaltar ein Kloster, in das nur Adelige als Mönche eintreten können. Diese lebten nicht wie Benediktiner Mönche. Sie hatten Besitz und damit auch einen angemessen Lebensstand. Ende 1575 wird Banz ein „normales“ Benediktinerkloster, das sich dann im 17. Jahrhundert ganz vorteilhaft entwickelt. 1664 bekommt das Kloster mit Otto de la Bourde einen neuen Abt. Er erwarb sich große Verdienste bei der Wiederherstellung der Abtei, welche unter dem Bauernkrieg und der Reformationszeit schwer gelitten hatte.

Exkursion vom Auwald zum Gottesgarten am Obermain
Die Allee von Seubelsdorf Richtung Vierzehnheiligen. Foto: red

Balthasar Neumann gab der Anlage den letzten Schliff

Nach dem Dreißigjährigen Krieg musste das Kloster neu gebaut werden. Die Äbte Eucharius Weiner und Kilian Düring beauftragten Leonhard Dientzenhofer und nach dessen Tod 1707 seinen Bruder Johann. Die Bauarbeiten begannen 1698 und 1719 wurde die Kirche dem Heiligen Dionysius und dem Heiligen Petrus geweiht. Auf dem Areal der alten Kirche entstand im Anschluss an den Chor der Kirche 1732 der Konventsflügel. Er ist talseitig durch die bereits 1728 angelegten Terrassen begrenzt. Der letzte große Bauabschnitt widmete sich ab 1750 der Neugestaltung des Vorhofes und seiner Wirtschaftsgebäude. Nach Plänen von Balthasar Neumann wurden um den prächtigen Ehrenhof die Klostergebäude zu einer repräsentativen Vierflügelanlage ergänzt, wobei der berühmte Baumeister besonders Wert auf strenge Achsensymmetrie legt.

Am Ende des knapp zwei stündigen Rundganges ging Professor Dippold auf die Baumreihe von Seubelsdorf Richtung Vierzehnheiligen ein. Eugen Horber vom Bezirksamt Lichtenfels ist um 1930 für die Verkehrssicherheit zuständig. Erfolg hatte Horber auch mit seinem Bemühungen, den Wallfahrtsweg vom Seubelsdorfer Kreuz nach Vierzehnheiligen neu zu gestalten. Auf sein Betreiben hin entstand ein „doppelspuriger“ Weg, so dass sich Wallfahrer und Landwirte nicht ins Gehege kamen. Eine Reihe von 80 Linden trennen beide Wege. Die Baumreihe besteht zum großen Teil bis heute und bildet eine reizvolle Landmarke.

„Wir lieben und wertschätzen den Gottesgarten um Bad Staffelstein. Wir wollen ihn so erhalten, wie er ist. Der Blick eines jeden Wanderers, Wallfahrers und Erholungssuchenden soll auch in Zukunft, ungestört vom Tal aus hinauf zu den Bergen und Hügeln rings um das Maintal schweifen können. Mit Vorträgen, geführte Wanderungen und weiteren Aktionen, wollen wir auf die Schönheit des Gottesgartenshinweisen und für dessen Erhaltung kämpfen, warb Vorsitzender Michael Enders zum Abschluss für die „Freunde des Gottesgartens“. (red)

 

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