BAD STAFFELSTEIN

Entsteht in Altenbanz der erste Naturfriedhof des Kreises?

In einem Waldstück unweit von Altenbanz könnte ein Naturfriedhof entstehen. Foto: Markus Drossel

Im Landkreis Lichtenfels gibt es viele Möglichkeiten der Bestattung. Eine allerdings fehlt bislang: ein Ruhewald. Im Banzer Forst nahe des 219 Einwohner zählenden Dörfchens Altenbanz könnte bald der erste Naturfriedhof im „Gottesgarten“ entstehen. Von den Stadträten gab es für die ersten Planungen positive Signale.

Sebastian Huth, Betriebsleiter des Herzoglich Bayerischen Forstguts Banz, und Erwin Kruczek, Vorstandsmitglied des Naturfriedhof St. Ursula in Alsleben (Bad Königshofen), stellten die Pläne der Erbprinzessin Sophie vor. 14,28 Hektar Wald würde sie gerne in sechs Abschnitten zum Naturfriedhof umwidmen.

Das weitgehend ebene Gelände, das nach intensiver Suche dafür ausgemacht wurde, liegt rechterhand in der Verlängerung der Straße „In der Au“ rund 200 Meter außerhalb von Altenbanz. „Wir wissen aus Gesprächen mit örtlichen Bestattern, dass Nachfragen von naturnahen Bestattungsformen immer mehr zunehmen“, erklärten Huth und Kruszek den Räten. Allerdings sei das in Bayern so geregelt, dass die Kommune der Träger sein müsse, der Betreiber aber ein privater sein dürfe. Die Gedanken, einen Naturfriedhof zu betreiben, seien nicht neu. „Nun haben wir ein sehr schönes Grundstück gefunden.“ Und die Gespräche mit Vertretern der evangelischen wie katholischen Kirche seien auch positiv gewesen.

Blick in die Altenbanzer Baumkronen. Foto: Markus Drossel

Das auserkorene Areal ist maßgeblich von Laubbäumen geprägt, vor allem vielen klimaresistenten Eichen. Es ist nach Meinung der Investorin sehr gut erreichbar. Dass es in Altenbanz zwei Wirtschaften gibt und etliche weitere direkt in der Umgebung, ist auch ein Positivkriterium. Insgesamt fanden die beiden Referenten viele Argumente, die für das Waldstück bei Altenbanz sprechen. So sei es kein Problem, genügend Parkmöglichkeiten in der Nähe zu schaffen (drei Parkplätze sind geplant). Ebenso passe ein Naturfriedhof gut zur Struktur des Herzoglichen Forstbetriebs, die Verwaltungsmöglichkeiten bestünden schon.

Es soll keine anonymen Gräber geben

Einziges Manko: Der nächste Ruhewald ist bereits in Tambach im Coburger Land und damit nur rund 22 Kilometer Luftlinie entfernt. Normalerweise sollte 40 Kilometer zwischen den Naturfriedhöfen liegen, damit diese auch wirtschaftlich rentabel sind. Huth dazu: „Das ist weniger ein Problem, weil die Menschen in Lichtenfels nicht so ganz nach Coburg tendieren.“ Umgekehrt dagegen eher schon. Anonyme Gräber soll es im Naturfriedhof Banz nicht geben. „Wir verkaufen auch keine Bäume, sondern Grabflächen“, sagte Kruczek. Jede Grabstelle werde mit einem einheitlichen Grabstein gekennzeichnet, auf dem dann ein individuell gestaltetes Schild montiert werde. „Wir haben insgesamt ein Konzept, das stark christlich ausgerichtet ist. Das beinhaltet, dass jeder Mensch wertvoll ist, deshalb soll er auch genannt werden.“ Wichtig ist den Initiatoren, dass die Hinterbliebenen die Grabstellen auch wiederfinden.

Die Schotterwege sollen so angelegt werden, dass sie erstens auch mit Rollstuhl und Rollator genutzt werden können und es zweitens von dort nicht mehr als 25 bis 30 Meter zu einer Grabstelle sind. Angedacht sind ferner zwei zentrale Gedenkplätze. Der Naturfriedhof soll nicht eingezäunt werden. Er wird wohl mit einem Geländer oder einem Seil eingefriedet. Es soll keine Sargbestattungen geben, ausschließlich Urnenbeisetzungen in 80 Zentimetern Tief

e. Die Urnen dürfen dabei nicht aus Keramik oder Stahl sein, sondern müssen sich zersetzen. Dafür gibt es Varianten aus Maisstärke oder ungebranntem Ton.

Im Altenbanzer Wald. Foto: Markus Drossel

Die Ruhezeit wird auf 20 Jahre festgeschrieben, kann dann um jeweils zehn Jahre verlängert werden. Bestattet werden könnte dann dort prinzipiell jeder, nicht nur Bürger aus dem Stadtgebiet.

Der erste von sechs Teilabschnitten umfasst knapp vier Hektar im bestehenden Wald. Für die weiteren Abschnitte gibt es auch schon Ideen: „Wir überlegen, eine Streuobstwiese anzulegen und dort Bestattungen anzubieten. Das wäre einmalig im süddeutschen Raum“, dachte Sebastian Huth laut nach.

Blick in die Wipfel. Foto: Markus Drossel

Ein Naturfriedhof sei übrigens keinesfalls eine Konkurrenz zum städtischen Friedhof, so die Referenten. Fünf bis acht Prozent der Bevölkerung nutzten Naturfriedhöfe, und die würden sowieso keine konventionelle Bestattungsform in Betracht ziehen.

„Es wird Auf keinen Fall ein Discout-Friedhof mit Billig-Gräbern“

Insgesamt zeigten sich die Stadträte dem Projekt gegenüber einmütig aufgeschlossen. Auf Frage von Rosi Jörig (CSU), ob die dort bestehenden Wege weiterhin der Landwirtschaft zur Verfügung stünden, antwortete Erwin Kruczek mit Ja. Und auf eine Frage nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten: „Es wird auf keinen Fall ein Discout-Friedhof mit Billig-Gräbern.“ Kalkuliert werde mit 40 bis 60 verkauften Grabstellen pro Jahr. Zu rechnen sei, das fragte Jürgen Hagel (CSU), mit zehn bis zwölf Besuchern pro Tag, bei Beerdigungen natürlich mehr.

„Alternative Bestattungsformen liegen im Trend“, meinte Zweiter Bürgermeister Hans-Josef Stich, der die Sitzung leitete. Vorher gebe es aber noch einige rechtliche Angelegenheiten zu klären. Die Präsentation der Planer wird den Bürgern demnächst auf der Internetseite der Stadt Bad Staffelstein zur Ansicht freigegeben.

Wie soll die Stadt mit Photovoltaik-Freiflächen umgehen?

Eine Photovoltaik-Freifläche zwischen Oberleiterbach und Rethlos im Markt Zapfendorf. Foto: Markus Drossel
31600 Quadratmeter: Auf einer Fläche dieser Größe will eine Nürnberger Firma nördlich der Margarethengasse in Kümmersreuth und damit nahe an der Wohnbebauung eine Photovoltaikanlage errichten. Anfang Februar war das Vorgaben schon Thema im Bauausschuss, der aber das Projekt in den Stadtrat delegierte. Es geht um nicht weniger als eine Grundsatzentscheidung. Die Stadträte waren sich einig, dass man im Ausschuss für Klima und Energie grundsätzliche Rahmenbedingungen ausarbeiten lassen wolle. Dazu könnten gerne auch Experten aus Wirtschaft und Landwirtschaft gehört werden. Quer durch alle Fraktionen wurde der Vorschlag, „eine Art Solarkataster“ (Werner Freitag, Grüne/Sbun) zu erarbeiten, begrüßt. Dem geplanten Vorgaben bei Kümmersreuth erteilte nicht nur Manuel Schrüfer (Freie Wähler) eine Absage: „Da gibt es bessere Flächen, beispielsweise entlang der Autobahn oder auf Hallendächern.“ (mdr)

Im Stadtrat kurz notiert

• Die Kläranlage in Frauendorf wird aufgelassen, damit einher gehen Kanalbauarbeiten. Diese machten es, so Zweiter Bürgermeister Hans-Josef Stich (CSU), unumgänglich, dass 14 Bäume gefällt werden müssten. Dafür aber pflanze die Stadt an anderer Stelle neue.

• In diesem Frühling beginnt der Bauabschnitt IV der Umgestaltung der Bahnhofstraße. Wie Winfried Ernst (FW) bemängelte, gebe es aber während der Bauphase noch immer keine Ausweichparkplätze. Dem Stadtrat sei versprochen worden, dass sich die Verwaltung darum bemühe. „Wir bekommen ein großes Chaos“, warnte Ernst.

• Anfang Mai 2020 trat der Stadtrat erstmals in neuer Besetzung zusammen. Wie Winfried Ernst kritisierte, seien die bisherigen Stadträte aber nun noch immer nicht offiziell verabschiedet worden. Dies soll aber nachgeholt werden, sobald es möglich ist.

• In insgesamt vier Gebäudeteilen in Grundfeld, Unnersdorf, Uetzing und Unnersdorf ist die Ivo-Hennemann-Grundschule untergebracht. Manuel Schrüfer (FW) stellte in den Raum, dass man sich Gedanken über einen Hausmeister machen solle. Dieser müsste fast sogar in Vollzeit angestellt werden, so viele Aufgaben gebe es. (mdr)

 

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