KUTZENBERG/COBURG

Ein neues Feuerwehrauto fürs BKO

Der neue Stolz der Werkfeuerwehr des Bezirksklinikums Obermain passt bequem auf eine Handfläche. Foto: Markus Drossel

Das neue Feuerwehrauto der Werkfeuerwehr Kutzenberg passt problemlos auf eine Handfläche. Es wiegt gerade einmal 45 Gramm, ist voll ausgestattet – und macht wehmütig. „Florian Kutzenberg 43/1“, das war einst das Herzstück der Brandbekämpfung am Bezirksklinikum Obermain. Doch längst ist der Oldtimer verkauft, längst die ist die Werksfeuerwehr Kutzenberg nur noch ein Vermerk im Geschichtsbuch. Doch ein Coburger holt den unvergessenen Laster dieser Tage zurück – im Maßstab 1:87.

Knut R. Heilmann von Loewe Modellbau Coburg ist der Designer des Modells des einstigen Löschfahrzeugs der Werkfeuerwehr ... Foto: Markus Drossel

Knut R. Heilmann betrachtet das Miniaturauto von allen Seiten. „Dieses Fahrzeug nachzubauen, habe ich schon lange vorgehabt“, sagt er, während sein Blick konzentriert Stück für Stück über die feuerrote Karosserie wandert. Der Lack des Autos glänzt in der Frühlingssonne, die durch die Fenster des Büros hineinscheint. Immer wieder dreht und wendet er es, kippt er es es nach oben und alsbald zur Seite. Über die Schiebeleiter auf dem Autodach hinweg schaut er auf: Heilmann ist zufrieden.

Seit über 25 Jahren ist Heilmann im Modellbau tätig, gründete, entwickelte und leitete Firmen, die teils weltweit tätig waren und mit großen Konzernen wie Märklin zusammenarbeiteten. „Ich war nie ein aktiver Feuerwehrler, interessierte mich aber schon immer für die Feuerwehr und hatte schon damals die Idee, Feuerwehrautomodelle zu designen“, sagt der gebürtige Haarbrückener.

Weit mehr als ein Spielzeug: Von diesem Modellauto gibt es nur 100 Stück. Foto: Markus Drossel

Durch seine guten Kontakte zum bekannten Feuerwehrhersteller Magirus Deutz kam er erst auf die D-Serie und dann auf die OMX-Serie, das spätere Zeta-Modell Magirus Deutz 90M5. „Mach doch mal das Zeta, auch wenn es wirklich hässlich ist“, ermunterte ihn ein Mitarbeiter des Weltunternehmes. Heilmann lacht. „Hässlich? Nein, ich finde es bildschön.“

Fünf verschiedene Ausführungen sollten es ursprünglich sein. Neben „Neutral RAL 3000“ und „Rot Gelb“ waren die früheren Einsatzfahrzeuge der Feuererwehren Elsendorf, Köln-Roggendorf und Retelsbüttel schon designt, da kamen Hartmut Höhn, Betreiber eines Modellautoladens in Kulmbach, und Heil auf die spannende Idee, das einstige LF 8 der Werkfeuerwehr Kutzenberg nachzubauen. In Kleinstserie, um etwas ganz besonderes zu schaffen.

Fotos aus dem Obermain-Tagblatt halfen ihm bei der Umsetzung

Noch nie hatte Heilmann ein Feuerwehrauto aus dem Landkreis Lichtenfels nachgebildet. „Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr wollte ich es machen“, sagt er. Gesagt, getan.

Seit 1. Juli 2015 ist die Werkfeuerwehr Kutzenberg offiziell Geschichte: Sie wurde damals auf Antrag der Klinikleitung bei der Regierung von Oberfranken formal aufgelöst. Noch bis zum 5. September 2017 diente das Zeta 8, das Löschgruppenfahrzeug der Werkfeuerwehr (Erstzulassung April 1977, am BKO seit 14. August 2000), der Einsatzunterstützungsgruppe des Klinikums, ehe es dauerhaft in den Status 6 versetzt wurde. Über Zoll-Auktion, das virtuelle Auktionshaus von Bund, Ländern und Gemeinden, wurde es im Anschluss veräußert.

Das machte es für den detailverliebten Designer Knut Heilmann besonders schwierig: Wie sollte er ein LF nachbilden, das es so gar nicht mehr gibt? Die Konstruktionspläne bekam er problemlos von Iveco Magirus, doch jedes Feuerwehrfahrzeug an sich ist ein Unikat.„Ich kenne einige Fotografen, die mir da gerne weiterhelfen“, sagt er. Christian Förtsch beispielsweise von „Bamberg 112“. Der hatte das Kutzenberger Auto einst von allen Seiten abgelichtet, doch einige Details gingen daraus trotzdem nicht hervor.

„Ich recherchierte im Internet, stieß auf den Artikel des Obermain-Tagblatt zur Auflösung der Werksfeuerwehr - und fragte bei der Redaktion an“, so Heilmann. Beim Autor dieser Zeilen, der damals Fotos geschossen hatte, rannte er offene Türen ein. Gerne beteiligte er sich an diesem Projekt. Mit einem einfachen 3D-Konstruktionsprogramm machte sich der Coburger Modellbauer ans Werk. Seine detailreichen Entwürfe schickte er zu Partnern nach China, die daraus erst ein Artwork und dann CAD-Pläne machten und ein erstes Muster erstellten. „Wichtig ist, dass meine Vorarbeit überaus genau ist. Es gibt so viele Details, die man beachten muss“, so Heilmann. „Insgesamt dauerte es von den ersten Plänen bis zum fertigen Modell fast zwei Jahre.“ Die Corona-Pandemie war dabei nicht förderlich.

Seit Jahreswechsel sind die 100 Stück der limitierten Serie des Zeta LF 8 der Werkfeuerwehr Kutzenberg in Deutschland. Genauer gesagt bei Hartmut Höhn in Kulmbach, der es exklusiv anbieten darf. Heilmanns Blick ist erneut auf das Modell gerichtet: „Ich bin so froh, dass wir sogar kleinste Details wie die korrekte Beschriftung nachbilden konnten. Und auch die schwarze Haube der Frontpumpe, die Kutzenberg von anderen Zetas unterschied“, sagt er. Selbst Feuerpatschen, Besen und Schaufeln sind auf dem Dach neben der Schiebeleiter zu erkennen.

Es gibt insgesamt nur 100 Stück dieses Modells

Das einstige LF 8 vom Bezirksklinikum hat so einige Besonderheiten wie den fehlende Herstellernamen an der Front, dafür aber ein Magirus-Logo neben dem Gerätefach am Heck. Oder auch die Tonnagenangaben längsseits. Oder die silbernen Trittstufen. „Da ist ganz viel Handarbeit dabei“, sagt Heilmann. Eine Produktion in Deutschland wäre aus diesem Grund unbezahlbar.

Arbeit steckt im Kutzenberger Zeta-LF 8-Modell sowieso jede Menge. „Gegen so ein kleines Feuerwehrmodellauto geht ein Modellgebäude für die Modelleisenbahn richtig einfach“: Heilmann lächelt. Den Creidlitzer Bahnhof hat er ebenso schon im Maßstab 1:87 nachgebildet wie den Eckhartsturm Coburg, den Leuchtturm Cuxhaven, einen Wasserturm bei Lübeck oder ein Prinz-Albert-Denkmal aus dem Hofgarten. Alles aus dem Kunstharz Resin, weil es sich so unkompliziert verarbeiten lässt und tolle Ergebnisse erzielt. Auch das Kutzenberger Modellauto ist aus diesem Material.

Besen, Feuerpatschen, Schiebeleiter: Hier wurde viel Wert auf Detailtreue gelegt. Foto: Markus Drossel

„H0“ nennt den Maßstab 1:87 der Fachmann oder der kundige Modelleisenbahner. „HO ist einfach der größte Markt“, sagt Heilmann zu seinen Beweggründen. „Wohlgemerkt: Das Kutzenberger Zeta-LF 8-Modell ist kein Spielzeug, steht auch wohl nur selten auf Modelleisenbahnen. Es ist ein Sammelobjekt.“ Die Wertigkeit ist durch die strenge Limitierung garantiert. „Lieber zehn Stück weniger als 100 zu viel verkaufen.“

Weil Oldtimer mehr Charakter haben als die modernen Fahrzeuge

Als Kind, Jugendlicher und junger Mann hatte Heilmann selbst eine Modellbahn. Früher besaß er selbst eine große Sammlung von Feuerwehrmodellautos. „Ich habe keinen Platz mehr“, sagt er achselzuckend. Umso mehr freut er sich, wenn seine Modelle gut ankommen. Allerdings: Moderne Feuerwehrfahrzeuge baut er nicht nach. „1950 bis 1980, das ist meine Zeitspanne. Das waren noch Fahrzeuge mit Charakter“, findet er. „Damals war das Feld an Fahrzeugen auch viel größer als heutzutage.“ Und er liebäugelt bereits mit dem ein oder anderen weiteren Modell aus dem Lichtenfelser Landkreis. Mehr aber möchte er nicht verraten.

Bezirkstagspräsident Henry Schramm erfuhr über das Obermain-Tagblatt vom Modell des Kutzenberger Feuerwehrautos. Er war überrascht und freute sich: Das Modellfahrzeug sei eine tolle Idee und trage letztlich dazu bei, ein Stück Geschichte lebendig zu halten.

Hermann Schilling war von 1984 bis 2012 Kommandant der Werkfeuerwehr Kutzenberg. Er reagiert überrascht, dass „sein“ Fahrzeug als Modell nachgebaut wurde. „Das Auto war zunächst bei einer Feuerwehr in Österreich, wir haben es damals über einen Händler in Kenzingen im Breisgau erstanden und abgeholt“, sagt er.

Der frühere Kommandant der Werkfeuerwehr ist überrascht

Das einstige Kutzenberger LF8 wurde im Maßstab 1:87 designt. Foto: Markus Drossel

Genauestens hat er das Modell studiert und, als Fachmann, minimale Ungenauigkeiten entdeckt. „Aber ich werde mir ein Modell bestellen“, sagt er. Jedoch hat die Erinnerung an frühere Zeiten bei ihm einige alte Wunden aufgerissen: „Die Werkfeuerwehr wurde zuletzt mit Füßen getreten. Das etwas, was über 100 Jahre währte, einfach aufgelöst wurde, kann ich bis heute nicht verstehen.“

Auch Kreisbrandrat Timm Vogler wurde erst durch eine Nachfrage dieser Redaktion auf das Modell des Zeta LF 8 aus Kutzenberg aufmerksam. Auch bei ihm kam im Gespräch wieder die unschönen Umstände der Auflösung hoch. Umso schöner, dass es nun die Werkfeuerwehr Kutzenberg wieder gibt. Wenn auch nur im Maßstab 1:87.

 

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