BIRKACH

Edgar Hagel erstellt eine Ortschronik von Birkach

Edgar Hagel erstellt eine Ortschronik von Birkach
Teilweise über 200 Jahre alte Bücher dienen Monsignore Edgar Hagel für seine Recherchen zur Birkacher Ortsgeschichte. An der Wand hinter ihm hängt ein Bildnis der Kirche seines Heimatdorfes, ein damaliges Präsent zu seinem silbernen Priesterjubiläum im Jahr 1997. Foto: Mario Deller

Ob als Schuldirektor des Maria-Ward-Gymnasiums, Vorsitzender des Caritasverbandes der Erzdiözese Bamberg oder seit 48 Jahren als Priester an verschiedenen Wirkungsstätten – Monsignore Edgar Hagel ist vielen ein Begriff und wird geschätzt aufgrund seines offenen, freundlichen Umgangs. Der 74-Jährige hat seine Wurzeln nie vergessen und sprüht vor Ehrgeiz beim Vorhaben, nun einen von ihm lang gehegten Wunsch in die Tat umzusetzen, nämlich die Erstellung einer Ortschronik über das Dorf, in dem er aufwuchs, über Birkach in der Marktgemeinde Ebensfeld.

Das 270 Einwohner zählende Örtchen hat ihn für seinen späteren Lebensweg geprägt. „Schon in meiner Jugend habe ich mich für die Geschichte von Birkach interessiert“, erinnert sich Hagel, der bis Anfang September vergangenen Jahres als Pfarradministrator in Merkendorf tätig war.

Edgar Hagel erstellt eine Ortschronik von Birkach
Im Jahr 1931, also vor 90 Jahren, entstand in Birkach diese Aufnahme. Es ist also durchaus im Bereich des Möglichen, das... Foto: Edgar Hagel

Priesterliche Aufgaben nimmt der heute in Lichteneiche wohnhafte Gottesmann weiterhin wahr. Doch nun findet er mehr Zeit und entschloss sich daher, Nägel mit Köpfen zu machen. Nachdem anlässlich des diesjährigen 100-Jahr-Jubiläums der Pfarrei Merkendorf dank seines Mitwirkens bereits eine Pfarrei- und Ortschronik entstand, wird er natürlich genauso viel Herzblut in das Werk legen, das die Historie seines Heimatdorfes beleuchtet.

Es soll eine Art Bilderchronik werden, die durch Texte ergänzt wird, rund 150 Seiten sind angedacht. Historische Aufzeichnungen und Fotografien, alte Ansichten und vieles mehr hat Hagel zusammengetragen. „Mein damaliger Birkacher Grundschullehrer Georg Felsecker hatte schon 1955 damit begonnen, viel über die Ortsgeschichte aufzuschreiben“, nennt er eine wichtige Quelle.

Edgar Hagel erstellt eine Ortschronik von Birkach
Durch „geschichtliche Notizen“ ist auch so einiges zum Schulleben in Birkach vor 200 Jahren zu erfahren. Foto: Edgar Hagel

Doch diese Überlieferungen sind noch blutjung im Vergleich zu manchen uralten Bänden, die ebenso Berücksichtigung finden, so etwa ein penibel geführtes „Gemeindestrafbuch“ von 1870 oder Notizen mit dem Titel „Aufsicht über die Lehrer 1823“.

Aufgaben des Pfarrers waren die eines Schulrates

„Die Pfarrer trugen damals ja die Verantwortung dafür, dass in den Schulen alles in geordnetem Rahmen ablief, vielleicht vergleichbar mit der Aufgabe des heutigen Schulrates“, erläutert Hagel hierzu, der sich an die heute undenkbaren Verhältnisse in seiner eigenen Schulzeit erinnerte: „Als ich in die Schule kam, waren die Klassen 1 bis 8 alle in einem Raum versammelt.“ Auch Pfarrer Christoph Behringer hatte, so ergänzt Hagel, wichtige Beiträge zur Birkacher Kirchengeschichte geliefert.

Edgar Hagel erstellt eine Ortschronik von Birkach
Vergehen von Bürgern des Ortes wurden penibel dokumentiert im seinerzeitigen „Gemeindestrafbuch“. Foto: Edgar Hagel

Das Auswerten hilfreicher Schriftstücke für die teilweise Verwendung in der künftigen Chronik war für Hagel schon im bisherigen Verlauf eine gewisse Herausforderung, wie er lächelnd einräumt: „Ich habe zwar in meiner Schulzeit noch die Sütterlinschrift gelernt, aber das war ja schon eine Zeit lang her, und das Entziffern der Handschrift ist gar nicht immer so leicht.“ Sein posthumer Dank gilt an dieser Stelle dem inzwischen verstorbenen Andreas Hagel, der ihm vor einigen Jahren dabei hilfreich zur Seite stand. Mittlerweile sind die Sütterlintexte abgetippt und digitalisiert.

Nach Fertigstellung der Chronik bekomme die Marktgemeinde Ebensfeld die alten Bücher sowie die verfügbaren historischen Bilder in Digitalform, also auch die aus Platzgründen in der Chronik nicht verwendeten, verspricht er. Dank sagt er auch dem Ortskulturring und dem Markt Ebensfeld dafür, dass sie die Herausgabe der Ortschronik finanziell mittragen.

Birkach blickt auf eine vielschichtige Historie zurück

Edgar Hagel erstellt eine Ortschronik von Birkach
1863 wurde die heutige Birkacher Dorfkirche von Erzbischof Michael von Deinlein geweiht. Diese Aufnahme entstand im Rahm... Foto: Edgar Hagel

Wie die künftige Birkacher Ortschronik vor Augen halten wird, blickt der Ort auf eine sehr vielschichtige Historie zurück. Da ist die kirchliche Geschichte rund ums 1863 von Erzbischof Michael von Deinlein eingeweihte Gotteshaus, die bis 1980 rund zwei Jahrhunderte währende und für viele Birkacher als Broterwerb dienende Ära des Sandsteinabbaus in der Birkacher Flur oder die Errichtung des „Hauses der Bäuerin“ Ende der 1950er-Jahre, um nur einige Beispiele zu nennen.

In die Chronik Einzug finden wird freilich auch der wohl berühmteste Birkacher Johann Baptist Dietz, der von 1879 bis 1959 lebte und knapp zwei Jahrzehnte bis kurz vor seinem Tod katholischer Bischof von Fulda war. Hagel selbst hatte ihn noch als Kind kennen lernen dürfen: „Ich hatte die Ehre, 1955 als Ministrant bei seinem goldenen Priesterjubiläum mitzuwirken, das war wirklich ein besonderes Erlebnis.“

Edgar Hagel erstellt eine Ortschronik von Birkach
Die Birkacher und seinerzeit auch Bürgermeister Hans Hümmer (li.) freuten sich natürlich immer, wenn der aus Birkach sta... Foto: Edgar Hagel

Wie viele Dörfer am Obermain durchlebte auch Birkach im Laufe der Jahrhunderte Höhen und Tiefen. In der geplanten Ortschronik nicht unter den Teppich gekehrt werden darf selbstverständlich das düstere Kapitel des Naziregimes. Man kann freilich nur erahnen, wie der Alltag des kleinen Dorfes durcheinander gewirbelt wurde, als kurz vor Kriegsende im April 1945 nochmals über 30 wehrfähige Männer aus dem Ort zum Wehrdienst eingezogen wurden und deren Ehefrauen das Tagwerk nun plötzlich ganz alleine zu bewerkstelligen hatten – von der emotionalen Belastung ganz zu schweigen.

Fertigstellung ist für den Herbst anvisiert

„Es macht zwar eine Menge Arbeit, aber bereitet mir große Freude“, so das Zwischenfazit von Hagel zu diesem Projekt, in das er viel Zeit investiert. Die Fertigstellung ist für den Herbst anvisiert. „Doch wie überall ist es wegen Corona mit der zeitlichen Planung so eine Sache“, gibt er zu bedenken. Dies gilt es insbesondere zu betonen, weil Hagel einen für ihn wichtigen Punkt bei der Erstellung der Ortschronik nicht außen vor lassen will: „Wenn wir die Pandemie hoffentlich bald in den Griff bekommen haben und es die Situation wieder zulässt, möchte ich mich zu gegebener Zeit mit alten Birkacher Bürgern unterhalten. Denn so erfährt man oft noch weitere Begebenheiten und Bemerkenswertes zur Ortgeschichte, was in den Büchern nicht steht.“

Zur Person Edgar Hagel

• 1946 in Bamberg geboren, in Birkach aufgewachsen.

• 1972 Priesterweihe.

• In Ebing, Medlitz, Birkach und bis heute in Merkendorf priesterlich tätig.

• 2001 bis 2008 Schulleiter des Maria-Ward-Gymnasiums in Bamberg.

• 2008 päpstliche Auszeichnung „Monsignore“ für seelsorgerisches Wirken.

• 2008 bis 2014 Vorsitzender des Caritas-Verbandes der Erzdiözese Bamberg.

• Von 2014 bis 1. September 2020 Pfarradministrator in der Pfarrei Merkendorf mit Laubend.

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