LICHTENFELS

Die Thermenkönigin im Interview: Ihre Majestät und Corona

Natürlich ist Michelle I. oft in der Therme zu Gast. Und glücklich, dass sie wieder geöffnet ist. Foto: Alicia Vetter

Beim Bad Staffelsteiner Genusswochenende wird sie seit längerem erstmals wieder „in Amt und Würden“ sein, mit blauer Robe, Schärpe und Krone – zum ersten Mal seit fast zwei Monaten. Damals begrüßte Michelle I. bei der Wiedereröffnung der Obermain Therme die ersten Gäste, die nach dem Corona-Lock down in die Wellnessoase strömten: „Diese ganze Situation ist schon ein wenig surreal. Wer hätte sich zuvor jemals vorstellen können, dass nahezu alle Veranstaltungen, Feste und Messen abgesagt werden?“, sagt die Bad Staffelsteiner Thermenkönigin.

„Natürlich hatte ich mich auf die zweite Hälfte meiner Amtszeit gefreut. Nachdem ich im ersten Jahr fast jedes Wochenende im Einsatz und alles neu für mich war, hatte ich mir vorgenommen, das im zweiten Jahr viel bewusster wahrzunehmen und noch einmal richtig zu genießen“, sagt Michelle.

„Als dann Schlag auf Schlag eine Messe nach der anderen, ein Fest nach dem anderen abgesagt wurde, war ich schon sehr enttäuscht, wenngleich die Beschränkungen natürlich so sinnvoll wie verständlich waren und sind.“

Die Amtszeit wurde verlängert

Ein Lichtblick ist für die 23-Jährige, dass ihre Amtszeit nun nicht schon Ende Oktober 2020 endet, sondern um ein Jahr verlängert wurde. Habe es sich erst so angefühlt, als habe sie ein komplettes Jahr ihrer Amtszeit verloren, so habe sie nun eines dazugewonnen.

Vielleicht, so hofft sie, wird sie da noch einige schöne Auftritte haben, um die Therme und Bad Staffelstein repräsentieren können. Für das weitere Amtsjahr habe sie schon einige Ideen. „Diese verrate ich aber nicht, da ich gerade im Zuge der Covid-19-Pandemie gelernt habe, etwas spontaner zu sein und dass vielleicht nicht alles so läuft, wie man es plant.“

Michelle I. hat beruflich ein neues Kapitel eingeläutet. Foto: Alicia Vetter

Die Krönung im November 2018, die Eröffnung der BR-Radltour mit Ministerpräsident Söder, Umweltminister Glauber und Thomas Gottschalk, Altstadtfest, Bierfest, fast jedes Wochenende in einem anderen Bundesland, auf einer anderen Messe: Ihr erstes Amtsjahr sei regelrecht „verflogen“, findet Michelle, für sie sei alles „neu“ gewesen, neue Erfahrungen, neue Erlebnisse, neue Inspirationen und neue Kontakte.

Ein persönliches Highlight sei für sie neben den erwähnten aber auch die Eröffnung des ersten Bad Staffelsteiner Adventsmarkts gewesen, verrät die 23-Jährige und lächelt beim Gedanken an die strahlenden Augen der Kinder, „die mich wohl nicht nur als Thermenkönigin, sondern eher als Weihnachtsengel sahen“.

Nach all den bewegten Monaten plötzlich viel Ruhe und Zeit

Als dann Mitte März die Obermain Therme wie Kindergärten, Schulen, Freizeiteinrichtungen, Geschäften etc. geschlossen wurde, das öffentliche Leben sozusagen stillstand, „war das eine seltsame Situation“, erinnert sich Michelle: Nach all den bewegten Monaten plötzlich ganz viel Ruhe und Zeit. Aber nicht nur deshalb: „Ich vertrete die Therme nicht nur, ich besuche sie auch gerne und so oft es mir möglich ist.“ Damals sei nicht abzusehen gewesen, wie lange der Lock-Down dauern würde. Und natürlich habe sie sich auch viele Gedanken wegen der Folgen gemacht.

Umso glücklicher sei sie, dass die Therme nun wieder geöffnet sei und bei den Gästen trotz der Covid-19-Beschränkungen großer Beliebtheit erfreue.

Die freie Zeit gut genutzt

Wenngleich es in ihrem „offiziellen“ Leben 2020 bislang etwas ruhiger lief, sei ihr nicht langweilig geworden, verrät die Thermenkönigin. Sie habe die freie Zeit genutzt, um Familie und Freunde zu treffen. Und hat sich „privat“ bei der Majestät auch einiges verändert. Schon im Winter vergangenen Jahres ist sie mit ihrem Freund nach Lichtenfels gezogen. Auf dem Balkon ihrer neuen Wohnung legte sie einen kleinen Kräutergarten an, den sie nun liebevoll pflegt.

Und nicht zuletzt hat sich auch beruflich bei der 23-Jährigen eine große Veränderung ergeben: Zum 1. April wechselte die Radiomoderatorin in die Immobilienbranche – ein bisschen nach dem Motto „Man soll immer gehen, wenn es am schönsten ist“. „Zwar hatte ich immer Spaß bei der Arbeit, aber ich war an dem Punkt angekommen, wo ich nicht noch mehr erreichen hätte könnte, da ich schon meine eigene Sendung hatte“, erläutert die gebürtige Grundfelderin.

„Überglücklich“ im neuen Job

„Ich wollte aber einfach noch ein wenig mehr lernen, mehr Erfahrung sammeln und nochmal etwas Neues, etwas ganz anderes ausprobieren“, schildert sie ihre Beweggründe. Deswegen bewarb sie sich bei einem Immobilienmaklerunternehmen, bei dessen Coburger Filiale sie nun Immobilienmaklerin ist.

Die anfänglich infolge der Pandemie relativ ruhige Zeit, nutzte Michelle um sich schnell einzuarbeiten und fortzubilden. Als Immobilienmaklerin darf sie Wohnungen und Häuser vermitteln und tut das erfolgreich: „Ich freue mich und es macht mir viel Spaß, meine ersten Erfolge zu feiern. Es fühlt sich für mich ein wenig so an, als wäre es Schicksal, dass ich nun doch im Immobilienbereich arbeite, nachdem ich bereits nach dem Abitur 2016 bereits einmal darüber nachgedacht hatte, entsprechend ein duales Studium zu machen“, lässt die 23-Jährige wissen. „Aktuell bin ich überglücklich mit meinem Job.“

Neuer Arbeitgeber bringt viel Verständnis auf

Sie freut sich auch darüber, dass ihr neuer Arbeitgeber so viel Verständnis für ihr Amt als Thermenkönigin aufbringt und ist zuversichtlich, dass sich ihre Arbeit und ihr Amt gut miteinander vereinbaren lassen. Und wenn es dann doch mal stressig werden sollte, weiß Michelle ein Geheimrezept: „Immer, wenn ich entspannen will, gehe ich in die Therme und merke dabei, wie schnell ich entschleunige.“

Wenngleich die Covid-19-Pandemie viele negative Folgen habe, so findet Michelle, dass es auch etwas Positives hat: „Ich merke, dass viele Menschen nun unsere Heimat wieder viel mehr wertschätzen.“

Werbung für die Genussregion

Wegen der Beschränkungen infolge der Corona-Pandemie mussten ihre Krone und die Schärpe 2020 oft im Schrank bleiben: Die... Foto: Alicia Vetter

Dass der Gottesgarten am Obermain nicht nur eine „Tourismusregion“, sondern auch eine Genussregion ist, dafür will die Thermenkönigin bei ihrem nächsten Auftritt im Rahmen des Bad Staffelsteiner Genussfests am Sonntag, 13. September, persönlich Botschafterin sein: Die gebürtige Grundfelderin wird die Gäste durch ihren Heimatort führen und ihnen die Sehenswürdigkeiten und die kulinarischen Besonderheiten nahe bringen. Voraussetzung ist allerdings eine vorherige Anmeldung bei der Touris-Information in Bad Staffelstein.

Denn das Genussfest findet dieses Mal in etwas anderer Form als gewohnt statt – nicht als Messe im Kurpark, sondern als Tag der offenen Tür bei den einzelnen Genussanbietern, erläutert Michelle. „Ein wenig schade ist es zwar, dass es dieses Mal auch kein Königinnentreffen geben kann“, aber sie hofft: „Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr?“

 

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