BAD STAFFELSTEIN

Die Badstadt wird zur Kunstdrehscheibe

Zwei, die den Kunststandort Bad Staffelstein befürworten: Veranstalter Heiko Bayerlieb und Goebel-Geschäftsführer Uwe Dzyck. In ihren Händen halten sie Kunstpreise, die Goebel der Verkaufsmesse sponsert. Foto: Markus Häggberg

Die Kurstadt ist jetzt Messestadt. Ab diesem Samstag, 25. September, wird für zwei Tage die „Kunstverkaufsmesse Umschlagplatz“ stattfinden. Geht es nach ihrem Erfinder Heiko Bayerlieb, dann könnte die bis dato in Coburg ansässige Kunstmesse auch künftig in Bad Staffelstein bleiben. Es geht um 44 Kunstanbieter zwischen Prag und Kassel, zwischen Ulm und Schwäbisch-Gmünd. Doch wer ist Heiko Bayerlieb?

Legt bei den Vorbereitungen noch letzte Hand mit an: Veranstalter und Herausgeber Heiko Bayerlieb. Foto: Markus Häggberg

Es ist hell hier. Weitläufig ist es auch. Die Hallen der Goebel Porzellan GmbH sind enorm. Über Tage hinweg wurde eine von ihnen, in der sich eine Produktionsstraße befindet, zum Messegelände. Es wurden Stellwände aufgebaut, es wurde geschleppt, geschraubt und angepasst. Ein Mann, den man bei all den Vorarbeiten hier immer fand, ist Heiko Bayerlieb. Ein Coburger, 47 Jahre alt, Herausgeber eines Magazins und Veranstalter. Ein Mann, der dem Bayerischen Rundfunk schon eine Live-Schaltung wert war, weil er in Corona-Zeiten einen Drive-In-Gartenmarkt hinbekam. In Lichtenfels hat sich Bayerlieb, der schon mit 20 Jahren den Sprung in die Selbständigkeit wagte, auch mit der regelmäßigen Ausrichtung der Baufachmesse einen Namen genannt.

Durch einen Zufall kommt die Messe nach Bad Staffelstein

Heiko Bayerlieb im Einsatz. Foto: Markus Häggberg

Als er wieder mit einem Kollegen eine meterhohe Stellwand in die Halle trägt und diese zu verschrauben beginnt, klingelt sein Handy. Das tut es dieser Tage oft, denn es gilt viel zu klären. Eines aber scheint schon geklärt und das ist die Haltung von Goebel Porzellan zu dem kommenden Ereignis. Geschäftsführer Uwe Dzyck, selbst kunstaffin und gerade in der Halle unterwegs, sieht keinen Grund, die Kunstverkaufsmesse nicht auch alljährlich zu beheimaten. Immerhin hat das Haus James Rizzi, jenem weltberühmten New Yorker Pop-Art-Künstler, gerade eine Dauerausstellung eingerichtet. Doch Goebel Porzellan hat noch mehr gemacht, denn seit Bestehen der Verkaufsmesse (2016) sponsert es zwei wertvolle Preise in Form von Skulpturen.

„Ich fühle mich fast wie zu Hause, wie wenn ich schon zehn Jahre hier wäre“, erklärt Bayerlieb zu der Atmosphäre in dieser Halle. Er muss schmunzeln, als er an den Beginn der Idee für Bad Staffelstein denkt. Weil der bisherige Veranstaltungsort in Coburg gerade Baustelle ist, musste sich Bayerlieb nach einer Alternative umsehen. So kam er mit der Porzellanfirma in Kontakt, die in Bad Staffelsteiner eingedenk vergangener Zeiten auch Alka genannt wird. Dann erlebte Bayerlieb eine angenehme Überraschung: „Die waren sofort bereit, und am Anfang war eher ich skeptisch – bis ich die Räume hier und die Rizzi-Ausstellung gesehen habe.“

Einen Zugang zur Kunst und zu Gesprächen mit Künstlern eröffnen

Er wolle anderen Menschen einen Zugang zur Kunst und zu Gesprächen mit den Künstlern ermöglichen, betont der Veranstalter. „Kunst soll teilbar sein, und in den Hallen hier soll es zu Begegnungen kommen“, sagt er. Und natürlich auch zu Verkäufen und Geschäften. „Die Halle wird randvoll mit Kunst sein, die man kaufen kann“, ist sich Bayerlieb sicher. Er berichtet von wachsender Neugierde. Künstler aus dem Umland, also aus Bad Staffelstein, Lichtenfels und Coburg, hätten nämlich auch schon vorab reingeschaut, begierig zu sehen, was hier wohl schon fertig ist.

Die Weite der Halle besitzt tatsächlich Atmosphäre. Oberlichter lassen das Tageslicht ein. Der Industrieboden wirkt wie versiegelt. Vergleiche zu den bekannten Hackeschen Höfen in Berlin drängen sich auf. In einiger Entfernung steht eine Art Brennofen, und zu beiden Seiten der Halle fällt der Blick durch Fenster in angrenzende Räume mit Porzellanformen. „Die Produktionsstraße da hinten hat es mir angetan“, sagt der 47-Jährige und blickt lächelnd in Richtung des Brennofens.

Im Grunde sei schon im vergangenen Jahr alles mit den Künstlern geregelt gewesen, aber die Corona-Pandemie habe ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. 55 Künstler wollten damals mitmachen, dann schmolz die Beteiligung auf 26. Noch vor drei Wochen sei das die aktuelle Zahl gewesen, durch Werbung sei es gelungen 44 Künstler zu gewinnen. „Erst heute hat sich der letzte Teilnehmer aus Bad Staffelstein entschlossen, hier mitzumachen.“

„Viele, die hier mal gearbeitet haben oder einen Ferienjob hatten, können jetzt mal wieder reinschauen“, sagt Bayerlieb und stimmt eine melancholische Melodie an: „Ach komm', wir gehen mal wieder in die Alka und schauen uns das mal an.“ Ein Konzept, das gerade mit dem verkaufsoffenen Sonntag aufgehen sollte und schon am Samstag ab 14 Uhr und bis in die Mitternacht hinein mit dem „Nightshopping“ zu Jazz-Musik etwas bietet. Im Eintrittspreis inbegriffen ist der Zugang zur Rizzi-Ausstellung.

„Ich kann mir gut vorstellen, dass das hier bleibt. Die Infrastruktur in Bad Staffelstein ist optimal.“
Heiko Bayerlieb, Veranstalter

Ob sein Konzept aufgeht, das kann Bayerlieb jetzt nur erhoffen. Am Sonntagabend wird er mehr wissen. „Wenn man so ein Format nicht ausprobiert, dann weiß man es nicht“, sagt er. Es reize ihn, Projekte zu verwirklichen, die es bisher noch nicht gab. Und auf die Frage, was denn sein wird, wenn die Coburger ihre Kunstverkaufsmesse zurückwollen, antwortet er: „Ich kann mir gut vorstellen, dass das hier bleibt. Die Infrastruktur in Bad Staffelstein ist optimal.“

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