HORSDORF

Der Horsdorfer Mühlenchor verstummt trotz Corona nicht

Gemeinsames Musizieren zu Zeiten von Corona: Denise Felsenecker am Klavier und Laptop. So bietet der Mühlenchor der Pandemie die Stirn. Foto: RED

Mezzosporanistin Denise Felsecker lebt in Berlin, bleibt aber ihren Wurzeln am Obermain treu. Mit ungewöhnlichen Konzerten hat sie schon in Horsdorf von sich hören lassen. Jetzt ist dort ein neues Projekt angesagt: der Mühlenchor. Chorfreude, Stimmerfahrung und Theaterspiel unter professioneller Anleitung soll ihn prägen. Doch wegen Corona läuft es jetzt alles anders. Wie, davon berichtet Denise Felsecker.

„,Schön gesungen! Jetzt lassen Sie die Luft tief in sich einfallen und schenken sich einen erfrischenden Seufzer der Erleichterung.' Ich höre Frau Müller (Namen geändert) beherzt durch das Telefon tönen. Statt in einem Raum gemeinsam zu singen, übe ich mit den Teilnehmern des Mühlenchores via Telefon, Skype, WhatsApp oder Zoom.

Gemeinsamkeit dank digitaler Plattformen

Sie alle haben sich darauf eingelassen, das Projekt ,Ein Mühlenchor in der Fuchsenmühle' nicht dem Coronavirus zu überlassen, sondern treffen sich mit mir regelmäßig über digitale Plattformen, um gemeinsam zu singen, an ihren Stimmen zu arbeiten und Lieder zu üben.

Solange ein gemeinsames Treffen vor Ort noch nicht erlaubt ist, musizieren wir in dieser Form gemeinsamen. Es ersetzt nicht das Live-Erleben, aber macht ebenfalls Freude. Und diese ist in diesen unwägbaren und schwierigen Zeiten umso wichtiger. Da wird Musik und Gesang zu einem wichtigen Element, das verbindet und Freude schenkt.

Das gemeinsame Musizieren vor Ort fehlt allerdings. Das merke ich nicht nur als Projektleiterin und Stimmbildnerin des Mühlenchores, sondern auch als Opernsängerin und Musikpädagogin. Vor drei Monaten wurden jegliche Arbeitsmöglichkeiten, Präsentunterricht, Proben und Aufführungen auf null gefahren. Das schmerzt finanziell, aber besonders in der künstlerischen Seele und im kreativen Schaffen. Viele meiner unterrichtenden Kollegen begannen über digitale Plattformen ihre Schüler zu unterrichten. Es funktioniert, auch wenn sich die meisten auf den Präsenzunterricht freuen.

Chöre haben es besonders schwer mit dem Einstieg. Zu hoch wird die Gefahr einer Ansteckung und Verbreitung des Virus eingestuft.

Die Fuchsenmühle ist ein Kulturort

Ihrer Heimat am Obermain stets verbunden bleibt Denise Felsenecker. Eines ihrer Projekte ist der Mühlenchor. Foto: Richard Byrdy

Als wir unser Mühlenchorprojekt planten, war diese Realität nicht in unseren Köpfen. Es war die Vor-Corona-Zeit. Mit meinen Kollegen Ulrich Pakusch (Klavier) und Bernhard Stengele (Regie) bespielen und besingen wir die Fuchsenmühle in Horsdorf seit zwei Jahren mit unterschiedlichen Programmen. Ein feiner Veranstaltungsort im Oberfränkischen mit dem Namen ,Klangmühle' entstand.

Bei diesen Kulturveranstaltungen waren wir stets begeistert über die Singfreudigkeit der Menschen vor Ort. Wir beschlossen dieses mehr zu fördern und einen Mühlenchor aufzubauen. Von über 600 eingereichten Projekten sind wir eines von 36 ausgewählten, die eine Förderung des Bundesmusikverbandes für Chor und Orchester bekommen. Unter dem Slogan ,Musik vor Ort' werden bundesweit Projekte des gemeinsamen Musizierens gefördert, um das aktive Musikmachen im ländlichen Raum zu stärken. Der Mühlenchor ist dabei!

Die Coronapandemie hat alle Projekte vor eine große Herausforderung gestellt. Dank der Verlängerung der Fördermittel können wir unsere Abschlussaufführung in das kommende Jahr verlegen und schauen optimistisch ,normalen' Zeiten entgegen. Die Teilnehmer des Mühlenchores können unter professioneller Anleitung die Mühle und die Natur besingen und bespielen. Das Ziel ist eine szenische Aufführung mit Gesang und Theater, Kanons und mehrstimmigem Arrangements. Im Zentrum steht die Musik und die Gemeinschaft.

Kreative Wege aus der Isolation

Umso wichtiger war es für uns, aktuell kreative Wege zu finden, um Menschen aus der Coronaisolation zu holen und Musik als verbindendes Element zu nutzen.

Den ersten Kanon ,Hejo, spann den Wagen an' haben alle schon fleißig geübt und ich konnte schon viele schöne Stimmen über Telefon und Computer hören. Es ist großartig zu merken, wieviel Freude auch diese eingeschränkte Möglichkeit des Musizierens den Teilnehmern macht.

Interessierte Sänger und Sängerinnen sind herzlich eingeladen, im Mühlenchor mitzumachen. Wer warten möchte bist ein erstes physisches Treffen stattfindet, ist auch dann herzlich willkommen. Bis dahin gibt es digitale Einzeltreffen und Stimmarbeit mit mir, Informationen, kleine Videoclips und Übematerial per E-Mail. Über die E-Mail-Adresse muehlenchor@gmail.com kann man mit mir Kontakt aufnehmen. Weitere Informationen stehen auf der Seite www.klangmuehle.com.

Ein großes Dankeschön an die bereits Aktiven für das tolle Mitmachen via Telefon, skype und sonstige digitale Medien.

„Bis in zwei Wochen“ sage ich in den Hörer zu Frau Müller und fahre den Computer hoch. Herr Wagner (Name geändert) wartet im digitalen Warteraum und will singen. Musik verbindet!“

Rückblick

  1. Corona-Tagebuch: Ein Teller voller Linsen
  2. Lichtenfelser Feuerwehrleute fahren ins Erdbebengebiet
  3. Corona-Tagebuch: Häggberg, ein Gesetzloser?
  4. Kiga-Leiterin Ines Mai: Vom Lockdown und Kinderlachen
  5. Corona-Tagebuch: Der Kumpel, ein messerscharfer Analyst
  6. Rainer Glissnik: "Und plötzlich ist Corona da"
  7. Bis zu 6250 Euro für barrierereduzierende Umbauten
  8. Anmeldung im Impfzentrum: Lehrstück digitaler Bürokratie
  9. Corona-Tagebuch: Goldzähne und Freundschaft
  10. Corona-Tagebuch: Ein leises Servus für Gotthilf Fischer
  11. Tierheim Lichtenfels: Klamme Kasse als Corona–Folge
  12. Roberto Bauer und Lockdown: Eiszeit im Reich der Mode
  13. Corona-Tagebuch: Traum, Strumpfmaske und Tresorraum
  14. Hospizverein Lichtenfels schenkt Nähe trotz der Pandemie
  15. Corona-Tagebuch: Lebenslanges Lernen und das „t“
  16. Hochschule Coburg: Ein Schritt zur Heilung von Alzheimer
  17. Corona-Tagebuch: Ernüchterung beim Waldspaziergang
  18. Auf Alleinunterhalter Peter Hofmann warten die Senioren
  19. Corona-Tagebuch: Hühnchen vor der Sperrstunde
  20. Erdbeben in Kroatien: Feuerwehr vom Obermain hilft
  21. Corona-Tagebuch: Flaschensammlerin mit einem Ziel
  22. Auch Corona hält Weihnachtstrucker nicht auf
  23. Corona-Tagebuch: Die Wahrheit über Corona
  24. Helfen macht Spaß: Ein Happy-End am Obermain
  25. Corona-Tagebuch: Mit Fischstäbchen und der Modelleisenbahn
  26. Alte Telefonzelle in Schney: Ein Zeitzeuge ganz in Feuerrot
  27. Corona-Tagebuch: Giselas Stollen-Geheimnis
  28. Hochschulforschung Coburg: Ein Prinz im Besprechungsraum
  29. Zu kalt zum Kuscheln: die Schneehasen aus Reundorf
  30. Corona-Tagebuch: Warum Weihnachten heuer so schlimm war
  31. Wie die DJK Franken Lichtenfels dem Lockdown trotzt
  32. Markus Häggberg über einen Bekannten aus Kindertagen
  33. Corona-Tagebuch: Markus Häggberg im Rollstuhl
  34. Corona-Tagebuch: kein echter Weihnachtsgedanke
  35. Corona-Tagebuch: „Wurstel“ gegen Alltagstristesse
  36. Corona-Tagebuch: Bier und andere Chancen im Leben
  37. Esther Schadt mit ganzem Herz Organistin
  38. Corona-Tagebuch: Der Sinn des Lebens
  39. Bärbel Laufer: Verkäuferin und Zuhörerin
  40. Lichtblicke für Kronach
  41. Uni Bamberg: Peter Riedelberger holt den nächsten Grant
  42. Helfen macht Spaß: Spendenrekord am Obermain
  43. Corona-Tagebuch: Bitte stets Präzise sein
  44. Corona-Tagebuch: Sehnsuchtsort und nüchterne Realität
  45. Schön Klinik: „Jerusalema“ statt Corona-Blues
  46. Corona-Tagebuch: Alles in Butter bei Dieters Mutter
  47. Bewegung zu Corona: Raus in die Natur, oder einigeln?
  48. Wette der Raps-Stiftung: So klappt es mit neuen Helfern
  49. Corona-Tagebuch: Taki-Taki-Taki und ab aufs Klo
  50. Nicole Gründel hilft mit Improvisationstalent

Schlagworte