HORSDORF

Denise Felsecker: „Corönchen richten – weitermachen!“

Bevor die Pandemie kam, verwandelte Denise Felsecker mit Musikerfreunden die Fuchsenmühle in Horsdorf immer wieder in einen Ort der Kultur. Und jetzt? Was sind die Pläne der Sängerin? Ein Projekt ist bereits in Planung: „Ich bin Denise Felsecker, ausgebildete Mezzosopranistin und Musikpädagogin. 2018 habe ich in der Fuchsenmühle in Horsdorf den Kulturort „Klangmühle“ gegründet und seither verschiedenste Kultur-Programme auf den Weg gebracht.

Und nun ist es über ein Jahr, dass uns die Pandemie im Würgegriff hat. Für den Gesang im wahrsten Sinne des Wortes, denn gemeinsames Singen ist nicht erlaubt, wie auch Treffen in Gruppen an sich. Zu viele Aerosole wirbeln durch die Luft, die Ansteckungsgefahr ist zu hoch. Was bedeutet das nun für einen Menschen, der sein Leben mit Singen verbringt und sein Geld als selbständige Freiberuflerin mit Gesang verdient?

Wie war und ist es für mich? Ich habe das Gefühl, mit einem blauen Auge davon zu kommen. Die finanzielle Sorge hat mir mein Partner mit festem Job im Homeoffice nehmen können. Dennoch ist es ein bedrückendes Gefühl, wenn die Jobs und Bezahlungen ausfallen - von der Frage der finanziellen Unabhängigkeit mal abgesehen. Ein Versuch im Einzelhandel etwas Geld dazuzuverdienen scheiterte an der Schließung des Einzelhandels im Zuge der steigenden Inzidenzzahlen.

Expertin in der BH-Beratung

Immerhin weiß ich nun bestens Bescheid um die verschiedenen Formen eines Büstenhalters - ich arbeitete in einem Geschäft für Unterwäsche - und gelte nun als Experte in der BH-Beratung. Aber es geht bei der alltäglichen Berufsausübung doch um mehr als nur ums Geldverdienen. Es gibt eine Struktur im Alltag und ermöglicht Begegnung und Austausch.

Die Pandemie hat mich auf mich selbst zurückgeworfen. Das kann künstlerische Kräfte freisetzen, aber irgendwann müssen diese Kräfte Ausdruck finden, sonst implodieren sie. Meine Motivation zu üben fiel streckenweise in eine Tiefphase. Die berufliche Ungewissheit und fehlenden Ziele an Aufführungen, Projekten, Vorsingen forderten mehr alltägliche Disziplin, die ich nicht immer aufbringen konnte.

Das ,Auf-mich-selbst-geworfen-sein' wurde sicherlich dadurch verstärkt, dass ich Ende 2018 von Florenz nach Berlin gezogen war. 2020 sollte ein Jahr werden, in dem ich soziale und berufliche Kontakte weiter aus- und aufbauen wollte. Die Einschränkungen zogen auch meinem Plan als Gesangslehrerin einen Strich durch die Rechnung. Online Unterrichten geht erstaunlicherweise gut, viele Kollegen konnten so weiterarbeiten. Für einen Unterrichtsstart mit neuen Schülern halte ich es eher für ungeeignet. Meine bereits bestehenden Kontakte konnte und kann ich jedoch teilweise online weiterführen.

Sehnsucht nach direktem Austausch

Da ist zum Beispiel der Kirchenchor und die Schola von St. Matthias in Berlin-Schöneberg, die ich als Gesangslehrerin stimmlich betreue. Da ist der oberfränkische Mühlenchor der Fuchsenmühle, der letztes Jahr - gefördert vom Bundesmusikverband für Chor und Orchester - startete. Mit den begeisterten Mühlensängern konnten wir das Projekt online fortsetzten und treffen uns in regelmäßigen Abständen zu gemeinsamer Körper-, Stimm- und Theaterarbeit.

Der digitale Raum erschafft einen Ersatzort, ein ,Immerhin'. Die Sehnsucht nach dem direkten Austausch, nach körperlicher Nähe und dem gleichzeitig gemeinsamen Singen ist allerdings bei allen groß. Chorsingen hat eine andere Dimension als Singen allein: Es ist ein Miteinander, ein Aufgehobensein im Klang, ein gemeinsames Erschaffen und gegenseitiges Inspirieren. Das gilt für die Musik sowie für das soziale Miteinander.

Ein weiteres kulturelles Projekt soll dieses Jahr in der Fuchsenmühle das Licht der Welt erblicken: Das Revue-Programm „Wir operetten die Welt: Corönchen richten – weitermachen!“ gefördert vom Fonds Darstellender Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Wir - ein Viererteam aus zwei Sängerinnen, einem Pianist und einem Regisseur – freuen uns über den erfolgreichen Förderantrag. Mit unterhaltsamer Operettenmanier nähern wir uns der Thematik der Retraditionalisierung des Frauenbildes in Zeiten der Pandemie. Studien belegen, dass es vor allem die Frauen sind, die Job, Kinderbetreuung und Care-Arbeiten vereinbaren müssen. Unter dem Brennglas der Pandemie zeigt sich verstärkt die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern.

Frauen in der Pandemie

In unserem Programm beleuchten wir sowohl die gesellschaftlichen wie auch persönlichen Themen, denen Frauen in der Pandemie ausgesetzt sind. Da darf innegehalten werden. Es ist aber auch eine Einladung zum Wegträumen und Lachen. Eine befreiende Katharsis in widrigen Zeiten. Bleiben Sie gesund und notieren Sie sich das Premierendatum am 4. September in der Fuchsenmühle in Horsdorf. Da operetten wir die Welt!“