EBENSFELD

Bund Naturschutz: "Kellbachtrasse führt Klinikneubau ad absurdum"

Der Kellbachgrund zwischen Hankirche bei Prächting und Ansberg. Hier wird die Kellbachtrasse gebaut. Foto: Drossel

„Eine neue Staatsstraße in unmittelbarer Nähe einer geplanten großen Gesundheitseinrichtung verträgt sich nicht mit deren Zielen“: Mit den Projektfakten dieser beiden Planungen befasste sich die Kreisgruppe des Bund Naturschutz in ihrer jüngsten Vorstandsbesprechung.

„Die Lage des neu geplanten Klinikums hat man bewusst weit weg von der Lärmquelle A 73, in Richtung Hankirche, gewählt, möglichst ruhig, mit Panorama-Blick in eine kleinstrukturierte, liebliche Kulturlandschaft. Diese gut durchdachte Konzeption wird jedoch durch die Planung der Verlegung der Staatsstraße 2187 – praktisch einem Autobahnzubringer, nahe des geplanten Klinikums für Psychiatrie und Psychosomatik, diagonal durch den Kellbachgrund bis zum Anschluss an die Autobahn A73 – ad absurdum geführt“, mahnt BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt, in einer Pressemitteilung.

„Die Folgeerscheinungen der Straße wären mit Sicherheit dem Genesungsprozess von psychisch kranken Patienten sehr abträglich.“
Anton Reinhardt, BN-Kreisvorsitzender
Lageplan des geplanten neuen Bezirksklinikums Kutzenberg. Am oberen Bildrand wäre in zirka 150 Meter Entfernung die neue... Foto: Landschaftsplanungsbüro WGF

„Die Folgeerscheinungen der Straße wären mit Sicherheit dem Genesungsprozess von psychisch kranken Patienten sehr abträglich.“ Beispielsweise begünstige die fingerförmige, fächerartige Anordnung des Klinikneubau-Komplexes in Richtung Kellbachtal die Verteilung der Lärmimmissionen der neuen Staatsstraße auf weite Bereiche der Gesundheitseinrichtung. „Wir bezweifeln, dass die Lärmprognosen alle signifikanten Details des Klinikneubaus einbezogen haben. Außerdem werden die Blickbeziehungen in die Landschaft des Kellbachgrundes durch den „Autobahnzubringer“ empfindlich gestört.“

Ludwig Wendler, Ortsvorsitzender des Bund Naturschutzes Ebensfeld, wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass für die Planungen der Staatsstraße bereits unmittelbares Baurecht bestehe, obwohl der BN seit fast einem Jahr auf die Diskrepanz zwischen Straße und Klinikum aufmerksam gemacht habe. Der gesamte geplante Klinikumneubau sei laut Pressemitteilung auf den Straßenplanungskarten des Staatlichen Bauamtes bis dato nicht zu sehen – „ein sehr merkwürdiger Tatbestand!“

Naturschützer machen seit einem Jahr auf Diskrepanz aufmerksam

Wendler hob hervor: „Wir haben das Staatliche Bauamt Bamberg, Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, Bezirkstagspräsident Henry Schramm, die ehemalige Gesundheitsministerin Melanie Huml, den jetzigen Gesundheitsminister Klaus Holetschek, und Verkehrsministerin Kerstin Schreyer teilweise mehrmals angeschrieben. Leider wurden unsere Einwände abgetan mit den Hinweisen auf die Einhaltung der Lärmgrenzwerte, die Ablehnung der Petitionen und die diversen Gemeinderatsbeschlüsse, dass die Straße mehrheitlich gewollt sei.“

Obwohl die Naturschützer immer wieder baten, ihnen zumindest einen maßstäblichen Lageplan vorzulegen, in welchem alle Planungen, also die Staatsstraße, die neue Baustellenzufahrt beziehungsweise spätere Versorgungsstraße, der vorhandene Feldweg und das geplante Klinikum zusammen zu sehen wären, hätten sie bis heute keinen aussagefähigen Plan bekommen.

Der stellvertretende BN-Kreisvorsitzender Günter Lutz unterstrich, dass die Verlegung der Staatsstraße 2187 für eine bessere Verkehrsanbindung der Gewerbegebiete Ebensfeld Nord und Unterneuses nichts bringe, ganz zu schweigen von der Verschandelung der Landschaft und dem unnötigen Flächenverbrauch für eine zusätzliche Straße. Vorstandsmitglied Ute Hauptfleisch sagte: „Ebensfeld hat bereits einen Autobahnanschluss. Hier wird ohne Not eine flächenverschwendende, klima- und landschaftsschädigende Luxusanbindung geschaffen.“

Verlegung der Staatsstraße bringt keine bessere Verkehrsanbindung

Alle anwesenden BN-Kreisvorstandsmitglieder bekundeten bei der Sitzung ihr Unverständnis, dass sämtliche angeschriebenen, verantwortlichen staatlichen Stellen sich nicht bereit zeigten, das neue geplante Bezirksklinikum vor den vermeidbaren schädlichen Belastungen der neu geplanten Staatsstraße zu schützen, obwohl es für diese Straße sehr wohl andere natur- und kostenschonendere Trassenführungen gebe. Angesichts der hohen Tragweite des Bezirksklinikum-Projekts komme in diesem Zusammenhang auch den Bezirksräten von ganz Oberfranken eine sehr wichtige Verantwortung zu.

BN kann sich mit dem Konzept des Klinikneubaus durchaus anfreunden

Dabei kann Kreisvorsitzender Anton Reinhardt sich mit der Konzeption des 142-Millionen-Euro-Projekts durchaus anfreunden. In der Beschreibung des mit der Planung des neuen Bezirksklinikums Kutzenberg beauftragten Landschaftsarchitekturbüros ist unter anderem zu lesen: „Die fächerförmig angeordneten Baukörper entwickeln sich strahlenförmig vom grünen Zentrum und Vorplatz in die Landschaft.“ Durch- und Ausblicke nach allen Seiten seien möglich.

„Es entsteht ein großzügiger Vorplatz mit einem zentralen Patientengarten, der durch seine Ordnung zum historischen Bestand überleitet und Neu- sowie Altbauten miteinander verbindet“, zitiert Reinhardt weiter aus der Konzeption. „Die Orientierung aller Patientenzimmer nach außen in den Landschaftsraum sowie die Situierung aller wichtigen Begegnungsbereiche Patienten/Personal an den talseitigen Spitzen der Baukörper schafft eine hohe Aufenthaltsqualität und Attraktivität.“ Die begrünten Baukörper am Hang integrierten sich laut Planer in das Landschaftsbild des Kutzenbergs und lehnen sich an die historische Situation des Gutes Kutzenberg an. Gärten mit multifunktionalen Sportrasenflächen könnten für Körpertherapie, Körperwahrnehmungs- und Entspannungsübungen, Sport- und Gymnastikgruppenprogramme sowie für Tanz- und Bewegungstherapie im Außenraum genutzt werden.

„Hier wird ohne Not eine flächenverschwendende, klima- und landschaftsschädigende Luxusanbindung geschaffen.“
Ute Hauptfleisch, BN-Vorstandsmitlglied

Reinhardt weiter: „Der Gehölz- und Solitärbaumbestand schafft den natürlichen Rahmen. Durch Bewegung in der Natur soll die Lebensfreude gestärkt sowie Gemeinschaft erlebt werden…. Nutzgärten sollen die fünf Sinne (Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken) anregen… der Umgang mit der Pflanze und deren Pflege stärkt meditative Qualitäten und das Selbstbewusstsein…. Rasenflächen mit Sitzmöglichkeiten sollen unter anderem für die Morgenaktivierung (Sitzgymnastik, Ausdauer-, Koordinations- und Entspannungsübungen, Gedächtnistraining) genutzt werden. Erhaltung und Förderung vorhandener Ressourcen sowie geistiger und körperlicher Beweglichkeit sind hierbei die Hauptziele.“ (red)

 

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