EBENSFELD

Bernhard Storath hält Zweinutzungshühner in Ebensfeld

Bernhard Storath hält Zweinutzungshühner in Ebensfeld
Keinen Stress haben die Hühner im Gehege von Biobauer Bernhard Storath. Wo sich rund 450 tummeln dürften, leben rund 300. Foto: Monika Schütz

Bernhard Storath ist nicht nur Bürgermeister, sondern auch Bio-Bauer. Wer das Anwesen der Familie Storath in der Unteren Straße besucht und einen Blick ins Hühnergehege wirft, dem fällt erstmal nichts Besonderes auf. 300 Tiere laufen hier herum, braune, weiße, gemusterte, mit weißen oder mit bläulichen Füßen, es wird gescharrt, gepickt, zwischendurch vor sich hingegackert. Dann fallen zuerst die Hähne auf: fünf stattliche Tiere sind es inmitten der Hennen. Das ist ungewöhnlich. „Die Hähne regeln von Anfang an, wer der Chef-Hahn ist, dann ist Ruhe“, erklärt Storath, warum es unter den Hähnen keinen Zickenkrieg gibt. Normal wäre ein Hahn.

Vor 20 Jahren wurde der alte Schweinestall der Storaths zum Hühnerstall umgebaut. Nach den Richtlinien der Bio-Landwirtschaft dürfen hier 450 Hühner gehalten werden. Aktuell sind es 300. Der Biobauer hat die Küken im April 2020 von seinem Züchter geholt, jetzt legen die Hennen die ersten Eier. Eier von „Coffee and cream“-Hühnern. Diese Rasse wächst langsamer, als die konventionellen Legehühner, sie braucht dadurch mehr - wenn auch nicht so eiweißreiches - Kraftfutter wie Zucht-Hennen, die nur für die Eierproduktion gehalten werden - und es gibt keinen „Ausschuss“.

Die Hähne landen nicht im Schredder

„Mir war das Küken-Töten schon immer ein Thema“, sagt Storath. Mit der neuen, in Deutschland gezüchteten Rasse „Coffee and cream“, könnte das enden. Die Tiere sind sogenannte „Zweinutzungs-Hühner“: nach dem Schlupf werden sowohl weibliche, als auch männliche Tiere aufgezogen. Die Hennen werden nach wie vor zur Eierproduktion gebraucht, die Hähne für die Fleischprodukion.

Bernhard Storath hält Zweinutzungshühner in Ebensfeld
Bio-Bauer Bernhard Storath: "Für mich war das Kükentöten schon immer ein Thema." Foto: Monika Schütz

Doch das hat seinen Preis. Langsameres Wachstum, geringerer Ertrag bei Fleisch und Legeleistung, höhere Futterkosten durch längeres Leben - dem gegenüber steht die Tatsache, dass das Kükentöten vermieden wird, dass die Tiere stressfrei, gesünder und widerstandsfähiger leben. Die Verbraucher schätzen das. Sie sind bereit, für ein Ei mehr zu zahlen. 46 Cent kostet eines, davon geht ein Cent in die Forschungsarbeit ökologische Tierzucht. Abnahmeschwierigkeiten hat Bernhard Storath keine: er verkauft Eier und Fleisch bei sich im Bio-Hofladen. Weitere Abnehmer sind Naturkostläden, aber auch ein Discounter.

Wenig Hoffnung beim BBV

Bernhard Storath hält Zweinutzungshühner in Ebensfeld
Wie gut es den Hühnern geht, zeigen die bläulichen Füße. Foto: Monika Schütz

Hans Rebelein, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes für Lichtenfels und Coburg: „Ob es mehr wird, entscheidet der Verbraucher!“ Und weiter: „Zweinutzungshühner sind aktuell ein Nischenprodukt, Anfragen von Verbrauchern zu dem Thema, auch zum Thema Kükentöten kommen keine“. Er selbst kennt nur im Raum Coburg noch einen Hühnerhalter mit rund 100 Zweinutzungshühnern. Als Zubrot für einen Bio-Bauern ist es sicher sehr interessant, meint er, aber was ist mit der Legeleistung zum Beispiel im Winter? „Im Handel gibt es Verträge, die einzuhalten sind“, sagt er. Aber auch von Hühnerhaltern selbst käme keine spezielle Nachfrage. Was die Vermarktung betrifft, bedauert er, dass diese Art des Verkaufs von Ei und Fleisch wohl nur als Direktvermarkter geht, über den Handel werde es sehr schwierig.

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