EBENSFELD

Bebauungsplan „Gewerbegebiet Ebensfeld Nord III“ im Fokus

Bebauungsplan „Gewerbegebiet Ebensfeld Nord III“ im Fokus
Westlich (Bild) und nördlich der bestehenden Firma aus dem EDV-Segment entsteht ein rund 15 Hektar messendes Gewerbe- beziehungsweise Industriegebiet. Bis zum Baurecht dürften noch allerhand strittige Fragen zu klären sein. Foto: Mario Deller

Die Schaffung von Baurecht für das geplante Gewerbegebiet „Ebensfeld Nord III“ zwischen Ebensfeld und Unterneuses wird kein Selbstläufer. Zur Behandlung der eingegangenen ersten Stellungnahmen als Basis eines späteren Billigungs- und Auslegungsbeschlusses war eine Sondersitzung des Gemeinderats anberaumt worden. Wenig überraschend entwickelte sich eine lebhafte Diskussion.

Im Schulungsraum des Ebensfelder Feuerwehrhauses hieß Bürgermeister Bernhard Storath als Vertreter der beauftragten Planungsgruppe Strunz Frank Schönfelder willkommen. Dieser stellte die aktuellen Planungen vor. Da ein potenzieller Bauwerber sein Interesse zurückgezogen hat, sind nun fünf statt vormals sechs Baufelder vorgesehen.

Sind 18 Meter hohe Silos zu hoch für den ländlichen Raum?

Zwar waren in der frühzeitigen Beteiligung noch keine Stellungnahmen von Privatleuten eingegangen, doch die Statements der Behörden hatten es dafür umso mehr in sich. Das Landratsamt etwa findet die 18 Meter hohen Silos, die ein Unternehmen plant, für den ländlichen Raum zu hoch. Der Gemeinderat stimmte aber mit 14 zu sieben Stimmen der Verwaltung zu, die hier einen erkennbaren Bedarf sieht, auch aus produktionstechnischen Gründen.

Die Bauwerkshöhenstruktur im Planungsgebiet soll aber neu geordnet werden: Wie der Planer zuvor ausgeführt hatte, wird nun die zulässige Gesamthöhe der Bauwerke gestaffelt. Im Innenbereich des größten Baufeldes nördlich des bestehenden EDV-Unternehmens sieht die Planung weiterhin besagte 18-Meter-Silos vor. Der Antrag von Tobias Engel (SPD), die Maximalhöhe auf 15 Meter zu begrenzen, fand bei neun zu elf Stimmen keine Mehrheit im Gremium.

Wie ändert sich der Verkehrsfluss durch das neue Gewerbegebiet?

Enorme Bedeutung kam in der Sitzung dem Thema Verkehr zu. Im April 2021 hatte die Planungsgruppe Strunz die Ergebnisse eines Gutachtens vorgestellt, wonach der durch Ebensfeld fahrende Verkehr zwar durch die planfestgestellte Kelbachtrassenanbindung verringert, diese Entlastungswirkung im Zuge des künftigen Gewerbegebiets „Ebensfeld Nord III“ aber neutralisiert werden dürfte. In seiner Stellungnahme merkte das Staatliche Bauamt Bamberg nun an, dass der Markt Ebensfeld eine Entscheidung über eine weitere Entlastung – die Behörde meint offenbar die „Ostumfahrung“ – bislang nicht getroffen hat.

Das Baumt fordert „eine qualifizierte Verkehrsuntersuchung für den Null- und Planfall, ohne sowie mit der Straßenbaumaßnahme Staatsstraße 2187 ,Verlegung südlich Ebensfeld, Prognosehorizont 2035‘, in welcher auch Unsicherheiten in der Größe der Erzeugung und Verteilung des zusätzlich zu erwartenden Verkehrs aufzuarbeiten sind“. Mit zwölf zu acht Stimmen beschloss der Gemeinderat dazu, dass zusätzlich zum Verkehrskonzept der Planungsgruppe Strunz „weitergehende Betrachtungen und Untersuchungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht für erforderlich erachtet“ werden. Aktuell sehe man „keinen akuten Handlungsbedarf“.

Bauleitplanung von Plänen für eine Ostumfahrung trennen

„Die Prognose des Verkehrskonzeptes bezieht sich auf 2035, nicht auf übermorgen“, unterstrich auch Planer Schönfelder. Die Realisierung einer „Ostumfahrung“ würde wohl zwei Legislaturperioden in Anspruch nehmen. Er empfahl der Marktgemeinde, dieses Thema nicht aus dem Auge zu verlieren. Dies befürwortete auch der Bürgermeister ausdrücklich. Schönfelder betonte aber auch, dass die derzeitige Bauleitplanung von diesem grundsätzlichen Thema zu trennen sei. „Die Forderung des Bauamts ist nach unserer Meinung vom Planungsbüro überzogen. Es handelt sich schließlich nicht um eine Rastanlage“, fand Schönfelder deutliche Worte.

„Wir wissen ja noch gar nicht, wie die Verkehrsströme aussehen werden“, fand Bürgermeister Storath, der im Zuge des neuen Gewerbegebiets „überschaubare“ Verkehrszahlen erwartet. „Dies hängt freilich auch von der Art der Gewerbebetriebe ab, das liegt in unserer Hand“, brachte Bernhardt Gehringer (CSU) einen weiteren Aspekt ins Spiel.

Wäre ein anderer Standort südlich von Ebensfeld denkbar?

„Das Verkehrskonzept basiert auf veralteten Zahlen, es muss auf aktuelle Werte umgeschrieben werden“, hatte hingegen Otto Weidner für die Grünen ins Feld geführt. Ein Antrag seiner Fraktion, die Forderung des Bauamts nach einer „zumindest überschlägigen Betrachtung der Leichtigkeit des Verkehrs als Folge der Bauleitplanung“ in die Planungen aufzunehmen, wurde mit acht zu zwölf Stimmen mehrheitlich abgelehnt. Christian Böhmer hatte für die Freien Wähler ebenso wie zuvor Weidner angesichts eines möglichen Anstiegs der Verkehrsbelastung Bedenken geäußert.

Die Grünen mit ihrem Sprecher Otto Weidner thematisierten nochmals die Prüfung eines Alternativstandorts zwischen Unterleiterbach und Ebensfeld. Bürgermeister Storath wies auf die bereits getätigte Alternativenprüfung hin und in diesem Zusammenhang auch auf das „Anbindungsgebot“ des Landesentwicklungsprogramms, wonach neue Siedlungsflächen möglichst in Anbindung an geeignete Siedlungseinheiten auszuweisen seien. „Die Firmen, die im neuen Gewerbegebiet ansiedeln wollen, hätten dort im Süden aus diesem Grund gar keine Ansiedlungserlaubnis bekommen“, betonte er.

„50 bis 60 Prozent der Ausgleichsfläche werden auf dem Planungsareal selbst umgesetzt, das ist schon ein Wort.“
Bernhard Storath, Bürgermeister
Bebauungsplan „Gewerbegebiet Ebensfeld Nord III“ im Fokus
Sehr detailliert und aufschlussreich beleuchtete Frank Schönfelder von der Planungsgruppe Strunz den aktuellen Stand der... Foto: Mario Deller

Die Kreisgruppe Lichtenfels des Bund Naturschutz forderte in ihrer Stellungnahme eine Minimierung der geplanten Verkehrsflächenversiegelung und plädierte unter anderem dafür, von der Verbreiterung der Himmelreichstraße abzusehen. An diese schließt das künftige Gewerbegebiet an. Hierzu die mit 16 zu vier Stimmen beschlossene Erwiderung der Kommune: Zwar sei ein sofortiger Ausbau der Himmelreichstraße nicht vorgesehen. Weil diese Straße jedoch künftig eventuell Erschließungsfunktionen übernehmen muss, sei der Handlungsdruck gegeben, bereits jetzt den Ausbau planungsrechtlich zu fixieren.

Entlang des Sträublingsbaches am nördlichen Rand des rund 15 Hektar messenden Areals ist ein 20-Meter-Streifen als Retentionsraum bei Hochwasser geplant sowie parallel dazu eine ebenfalls 20 Meter breite Rückhalte- und Ausgleichsfläche mit Renaturierung des Sträublingsbaches. „Die Situation wird hier sogar verbessert gegenüber der jetzigen“, betonte Storath: „50 bis 60 Prozent der Ausgleichsfläche werden auf dem Planungsareal selbst umgesetzt, das ist schon ein Wort.“

Grüne weisen auf „ungelöste Konflikte“ hin

Um nicht zusätzlich übernachtende Lkw-Fernfahrer „anzulocken“, werden außerhalb der Baufelder keine Parkflächen ausgewiesen. „Wir vom Planungsbüro sind außerdem der Auffassung, dass die Firmen aufgrund der Größe der Baufelder auf diesen genügend Raum haben, um selbst Parkflächen abzubilden“, so Planer Schönfelder hierzu.

Dann ging der einzige Tagesordnungspunkt an diesem Abend in die finale Phase. Wie Weidner ausgeführt hatte, sieht die Grünen-Fraktion die Ausgestaltung des Bebauungsplans zwar in Bezug auf ökologische Elemente als durchaus gelungen an. Hingewiesen werden müsse aber auf „grundsätzlich ungelöste Konflikte“, welche „eine Auslegung des Bebauungsplans zum jetzigen Zeitpunkt aus planungsrechtlichen Gründen unmöglich machen“. Die Grünen beantragten deshalb, den Billigungs- und Auslegungsbeschluss so lange zurückzustellen, „bis die durch das Staatliche Bauamt in seiner Stellungnahme aufgezeigten Konflikte der überörtlichen Verkehrsanbindung im Zusammenhang mit diesem Bauverfahren gelöst sind“. Diesen Antrag lehnte das Gremium mit acht zu zwölf Stimmen ab.

Mit elf zu neun Stimmen wurde der aktualisierte Bebauungsplanentwurf gebilligt und kann jetzt ausgelegt werden. Nun sind Stellungnahmen von privater Seite, Behörden oder sonstigen Trägern öffentlicher Belange möglich.

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