BAD STAFFELSTEIN/LICHTENFELS

BBV kritisiert nicht nur Kontrolleurinnen mit Stöckelschuhen

Im Bereich der Landwirtschaft ist derzeit vieles in Schieflage, beklagen die Vertreter des Bayerischen Bauernverbands, im Gespräch mit Landrat Christian Meißner. Foto: Markus Drossel

Traditionell lädt der Bayerische Bauernverband einmal im Jahr zu einem Frühschoppen mit dem Landrat Christian Meißner ein. Bei dieser Veranstaltung können die Landwirte direkt ihre Probleme und Anliegen mit ihm besprechen. Viele Themen seien auch diesmal bei einer Online-Veranstaltung angesprochen worden, bei denen es Optimierungsbedarf gebe, heißt es in einer Pressemitteilung des BBV .

Nach der Begrüßung durch Kreisobmann Michael Bienlein habe dieser gleich ein brisantes Thema angesprochen, das vielen Landwirten aufstoße: „Bauen im Landkreis Lichtenfels“.

Probleme bei Genehmigung von Anklagen für Gülle und Mist

Anlagen für Gülle und Mist würden dringend benötigt, um die gesetzlichen Lagerkapazitäten auch im Hinblick auf die neue Düngeverordnungen zu erfüllen. Leider gebe es hier gerade im Landratsamt Probleme, da die Genehmigungen nicht erteilt würden. Die neuen Verordnungen über den Bau solcher Anlagen schrieben vor, was alles einzuhalten ist. Jedoch gebe es kaum Materialien, die geprüft und zugelassen seien. Daher arbeiteten in dem Bereich viele Landratsämter mit Sondergenehmigungen, „die es aber bei uns nicht gibt“, kritisierte Bienlein. Dies müsse praxistauglich geregelt werden.

„Es ist leichter bei uns eine Gülle-Lagune zu bauen, als einen Betonbehälter, der die Gülle sicher einschließt“, so ein betroffener Landwirt. Zudem sei zu sagen, dass der Bau von den Landwirten nicht aus Spaß gemacht werde, sondern aus den gesetzlichen Auflagen hervorgehe, die von der Regierung immer wieder beschlossen und erhöht würden. Aus diesem Grund müssten die Baumaßnahmen auch genehmigt werden können.

Keine Sonderregelung bei den Corona-Impfungen

Der nächste Punkt handelte von Corona und der Frage, ob die Bauern, da sie systemrelevant sind, auch einen Vorrang bei den Impfungen erhalten könnten. Der Landrat entgegnete hier, dass auch er sich an den Impfplan halten müsse und deshalb hier keine Sonderregelung aufstellen könne.

Mit der Gefahr der Afrikanischen Schweinepest hat sich das Landratsamt auf Anliegen des Kreisobmanns schon in der Vergangenheit beschäftigt und einen Schutzzaun zugelegt. Hierzu sagten die Landwirte, dass auch bedacht werden müsse, wer den Zaun aufstellt. Jäger müssten vorhanden sein, eine Hundestaffel mit Kadaversuchhunden müsse zur Verfügung gestellt werden, damit die Nachsuche nach betroffenen Tieren zügig vollzogen werden könne. Hierfür sei zu gewährleisten, dass eventuell Verdienstausfälle übernommen werden.

Die Bauern haben oft Probleme mit den Betriebskontrolleuren

Hans Rebelein (Mi.) und BBV-Kreisobmann Michael Bienlein (re.) im Online-Austausch mit Landrat Christian Meißner. Foto: BBV

Gerade Schweine- und Geflügelhalter würden extrem auf die Hygienemaßnahmen achten. In jüngster Zeit habe es aber immer wieder Probleme mit den Kontrolleuren bei Betriebskontrollen gegeben, bei denen sich diese nicht an die durch die Landwirte vorgeschriebenen Hygienevorschriften gehalten hätten., so eine weitere Kritik. Kämen Bakterien oder Viren in den Betrieb, gefährde dies nicht nur das Leben der Nutztiere, sondern auch die Bauern in finanzieller Hinsicht. Der Landrat müsse dafür Sorge tragen, dass die Kontrolleure die Maßnahmen einhalten und zum Beispiel die Kontrollen „nicht mit Stöckelschuhen ausführen“. Zudem sollten sie sich nicht über Kleinigkeiten aufregen wie ein paar Fliegen auf dem Bürofenster, wenn nichts anderes gefunden werde.

Themen, die die Bauern seit Jahren beschäftigen, sind auch die Biber- sowie die Wildgänse-Problematik. Die Landwirte fordern, dass hierfür Managementpläne aufgestellt und Populationen entsprechend reduziert werden, wenn sie überhand nehmen.

„Ein Biber ist ein geschütztes Tier, aber wenn die Population überhand nimmt und andere Tiere und Pflanzen gefährdet sind, dann muss die Anzahl auch angepasst werden“, so entgenete Meißner.

In Bayreuth seien 2020 beispielsweise über 29 Biber entnommen worden. „Bei uns war es gerade einmal vier“, heiß es aus der Runde. Da sich die Biberbestände wieder angepasst hätten, solle eine vernünftige Bejagung auch die Auenwälder schützen. Zudem trügen die Landwirte den Großteil der Biberschäden selbst, da der Entschädigungstopf, den es bayernweit gibt, viel zu klein sei.

Wunsch nach speziell ausgebildete Jäger für Biber und Wildgänse

Der Wunsch nach einem speziell ausgebildeten Jäger, der die Biberentnahme professionell machen kann, wird größer. „So einen Spezialisten sollte es auch für die Gänsebejagung geben“, forderte Martina Weiß. Durch die hohe Anzahl der Gänse würden Äcker in den Mainauen regelrecht kahl gefressen. „Und wir Bauern haben die Kosten einer neuen Ansaat zu tragen, sofern dies überhaupt möglich ist.“ Es habe ein Pilotprojekt gegeben, bei dem solcher Schaden ersetzt worden sei. Aufgrund der Schadensfallsumme von mindestens 2000 Euro sei es aber kaum interessant für Landwirte gewesen. Die Entschädigung der Landwirte müsse weiterhin erfolgen.

Dass die Wildgänse am Main eingedämmt werden müssen, sieht auch Landrat Meißner so. Weil keine natürlichen Räuber mehr an die Inseln herankommen, stiegen die Populationen zum Leidwesen der betroffenen Landwirte stark an. Eine Entschädigung im Pilotprojekt sei berechtigt gewesen; die hohe Schadensuntergrenze von 2000 Euro könne er nicht nachvollziehen. „Wir müssen über dieses Pilotprojekt mit MdL Jürgen Baumgärtner sprechen, um eine Verlängerung und eine Ausweitung zu erreichen.“

Spezialisten sollen revierübergreifend jagen

Kreisobmann Bienlein fordert Managementpläne für Biber und Gänse, sowie speziell ausgebildete Jäger, welche vom Landratsamt beauftragt werden und dann revierübergreifend zum Einsatz kommen. Somit wäre dann der Jagdpächter nicht mehr der Buhmann. Diese Jagdspezialisten könnten mit relativ wenig Zeitaufwand den gewünschten Erfolg erzielen.

Bienlein betonte auch: „Keiner möchte den Biber oder die Wildgänse ausrotten, sie gehören zu unserer Kulturlandschaft. Wenn ich aber sehe, dass mittlerweile auch geschützte Biotope wie Auwälder durch Aufstauungen des Bibers zu Grunde gehen, da frage ich mich, was hat mehr Gewicht? Wenn ich auf unser hohes Gut in Bayern, den Schutz des Eigentums schaue, werden nicht nur Biotope zerstört, sondern auch massiv die Eigentümer geschädigt.“

Rote Flächen: Einschränkungen für Bauern oft nicht nachvollziehbar

Zum Thema „Rote Gebiete“ wurde angesprochen, dass viele Kläranlagen und Kanäle saniert werden müssten, da Nitrateinträge vorkommen. Wenn dem nicht so wäre, hätte die Bayerische Staatsregierung die RZWAS nicht neu aufgelegt und bis 2024 verlängert.

Seit 2018 wurde Bayern in rote und grüne Gebiete aufgeteilt. Ein Gebiet wird rot, wenn Messstellen einen Nitratgehalt von über 50 Milligramm aufweisen. Ob diese Messstellen für die Trinkwasser–Gewinnung genutzt werden ist dabei unerheblich.

Im Landkreis Lichtenfels gibt es laut der BBV-Pressemitteilung drei Grundwasserkörper. Diese seien vom Wasserwirtschaftsamt entsprechend der Mess-stellen in rote und grüne Gebiete eingestuft worden. Gerade in Hinblick auf rote Flächen seien die massiven Ein-schränkungen in der Bewirtschaftung für die Bauern oft nicht nachvollziehbar. Hier seien auch Landwirte betroffen, die ihre Flächen seit Jahrzehnten ökologisch bewirtschaften. Teilweise seien Messstel-len vorhanden, die sehr unterschiedliche Werte lieferten.

Die Landwirte fordern ein, dass das Landratsamt auch hier seine Hausaufgaben mache. Meißner versprach, dies bei der nächsten Bürgermeister-Dienstbesprechung vorzubringen und die Kommunen dafür zu sensibilisieren.

Die Geflügelpest nähert sich der Landkreisgrenze

Die Geflügelpest nahe, sie komme immer näher an die Landkreisgrenze heran. „Wenn die Zugvögel jetzt im Frühjahr aus ihrem Winterquartier zurückkommen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Geflügelpest auch bei uns ankommen wird.“, so der Kreisobmann. Die Landkreis-Verwaltung hat hier bereits eine Allgemeinverfügung erlassen, mit denen sich die Nutzgeflügelhalter auf die Gefahr und den Einschränkun-gen vorbereiten sollen.

BBV-Geschäftsführer Hans Rebelein schlug dem Landrat vor: „Wir haben zusammen mit der Stadt Bad Staffelstein bereits Blühflächen angelegt. Dies könnte auch auf Landkreisebene gemacht werden.“ Vor allem die kleinen Flächen, die sonst schwierig zu bewirtschaften seien und innerhalb der Städte lägen, wären beispielsweise geeignet. Meißner nahm den Vorschlag wohlwollend auf und sagte zu, sich um Saatgutspender zu kümmern. Die Patenschaft werde er persönlich übernehmen.

Warnung vor giftigen „Neubürgern“ an den Straßenrändern

Zum Abschluss erinnert Bienlein an die Bekämpfung von Giftpflanzen wie das Jakobskreuzkraut, welches sich an den Straßenrändern immer mehr verbreite und sich in die angrenzenden Flächen ansiedele. Diese giftigen Neubürger seinen eine große Gefahr für Rinder, Pferde, Ziegen und Schafe. Die Kommunen sowie der Kreisbauhof dürften dies nicht außer Acht lassen und sollten die betroffenen Straßenränder entsprechend zeitig mulchen.

 

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