BAD STAFFELSTEIN

Bad Staffelsteiner Feuerwehrleute üben am Bildschirm

Bad Staffelsteiner Feuerwehrleute üben am Bildschirm
Per Video-Chat haben sich die Bad Staffelsteiner Feuerwehrleute bei ihrer ersten Online-Übung ausgetauscht. Foto: Markus Drossel

Montag, 19 Uhr: Übungszeit für den Zug der Freiwilligen Feuerwehr Bad Staffelstein. Normalerweise würden die Männer und Frauen um Kommandant Stefan Liebl jetzt ihre Schutzausrüstung anziehen, die Helme packen und dann zum Appell gehen, um von den Führungskräften zu erfahren, welche Einsatzlage trainiert wird. Doch statt „Kampfanzug“ und Teamarbeit sind derzeit Freizeitkleidung und Distanz angesagt: In der Corona-Pandemie sind Praxisübungen verboten. Deshalb geht die Mannschaft der Stützpunktfeuerwehr online neue Wege.

Die Pandemie stellt die Feuerwehrleute zurzeit vor große Herausforderungen. Die Einsatzbereitschaft der Wehren hat oberste Priorität. Aus diesen Gründen sind alle Sicherheitsvorkehrungen zur Verhinderung der Ausbreitung von Corona gerade innerhalb der Feuerwehr besonders zu beachten. Im Dienstbetrieb sind Maßnahmen zu ergreifen, die verhindern, dass große Gruppen von Einsatzkräften unter Quarantäne gestellt werden müssen. Um die Kameraden keiner Gefahr auszusetzen, hat die Stützpunktwehr die Online-Übung organisiert.

Legere Freizeitkleidung statt Schutzanzug und Helm

Die Uhrzeit ist gleich, Treffpunkt ist jedoch das Internet statt der Fahrzeughalle in der Auwaldstraße. „Wir hoffen alle sehr, dass die Beschränkungen bald wieder aufgehoben sind und wir uns wieder treffen dürfen“, sagt Kommandant Stefan Liebl via Microsoft Teams zu den gut 30 Online-Übungsteilnehmern. Damit dürfte er ihnen aus dem Herzen sprechen. „Bis dahin müssen wir uns eben anderweitig behelfen. Und wir sind froh, diesen Weg gefunden zu haben.“

Übungsleiter oder besser Referent ist Johannes „Lohni“ Lohneis. Er nimmt sich des Themas Vegetationsbrände an, also Feuer im Wald, auf Feldern und Wiesen. Ein aktuelles Thema, gab es doch im Landkreis in den vergangenen Wochen mehrere solche Einsätze. Und die sind nicht ungefährlich. Wohl dem, der richtig ausgerüstet ist und über mögliche Einsatz-Taktiken Bescheid weiß.

Bad Staffelsteiner Feuerwehrleute üben am Bildschirm
Mit Präsentationen wurden die Übungs-Inhalte vermittelt. Foto: Markus Drossel

Als Grundlage dienen Inhalte der „Lernbar“ der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg, die „Lohni“ mit eigenen Bildern, Einschätzungen und Erlebnissen ergänzt. Brände von Bäumen, Feldfrüchten und ausgetrockneten Wiesen sind den Floriansjüngern nicht fremd. Doch dass von einem brennenden Nadelgehölz ein anderes Gefahrenpotenzial ausgeht als von Laubbäumen, das kann man nicht oft genug hören. Gleiches gilt für das Löschen mit oder gegen die Laufrichtung des Feuers: Beides kann zielführend sein, vor allem letzteres unter Umständen auch gefährlich für die Einsatzkräfte.

„Normalerweise haben wir im Sommer und im Winter bei uns in Deutschland Trockenperioden, normalerweise ist dann das Risiko für Vegetationsbrände besonders hoch“, so der Referent. In den vergangenen Jahren waren die Frühjahre bereits extrem trocken. Und oft genüge der kleinste Funke, um große Flächen in Brand zu stecken.

Die Online-Übungen kommen bei den Feuerwehrleute gut an. Geduldig verfolgen sie die Ausführungen, ab und an gibt es Zwischenfragen. Die sind durchaus erwünscht. „Natürlich kann das die Praxisübungen nicht wirklich ersetzen, natürlich ist es immer besser, mit den Geräten zu arbeiten“, weiß Stefan Liebl. Aber es sei besser als nichts. Und man sehe sich wenigstens mal wieder, wenn auch nur online. So leide der Teamgeist nicht in dieser Zeit der untersagten Einsatzübungen.

„Wenn es wieder möglich ist, werden wir wieder mit den Basics beginnen, also mit den Grundtätigkeiten. Natürlich wissen alle, wie man mit dem Hohlstrahlrohr umgeht. Doch es mal wieder in der Hand zu haben, ist eine ganz andere Sache.“ Auch bei der Feuerwehr macht Übung den Meister. Und das spart Zeit: „Wir haben bei der Feuerwehr keine Zeit, groß zu überlegen: Wie ging noch einmal das Eine oder Andere? Nein, es muss alles schnell und professionell funktionieren, selbst wenn wir nachts um 3 Uhr aus dem Schlaf gerissen werden.“

„Wenn es wieder möglich ist, werden wir wieder mit den Basics beginnen, also mit den Grundtätigkeiten – damit jeder Handgriff sitzt.“
Stefan Liebl, Stadtkommandant

Bei der Online-Übung vergeht die Zeit übrigens wie im Flug. Die angesetzte Dreiviertelstunde ist im Nu verstrichen. Wegen der positiven Erfahrungen und Rückmeldungen der Einsatzkräfte, legt es Liebl jeder Feuerwehr ans Herz. Denn auch nach der Übung bleiben viele noch im virtuellen Raum und pflegen die Kameradschaft. „Wir haben mittlerweile wöchentlich eine Online-Besprechung mit den Führungskräften sowie 14-tägig eine Gruppenführersitzung. Diese verschiedenen Internet-Sitzungen haben wir eingerichtet, um auf dem aktuellen Stand bezüglich Covid-19 zu sein und zeitnah über Entscheidungen innerhalb der Wehr beraten zu können“, erklärt der Kommandant. Die Online-Übungen werden als kleine Übungseinheit von bis zu 45 Minuten montags abgehalten, um die Wissensvermittlung zu erleichtern.

Bad Staffelsteiner Feuerwehrleute üben am Bildschirm
Aktuelles Thema: Das richtige Vorgehen bei einem Waldbrand stand im Mittelpunkt der Online-Übung. Foto: Markus Drossel

Doch wie kann verhindern werden, dass motivierte Einsatzkräfte feuerwehrtechnisch in ein „Loch“ fallen und ihnen gleichzeitig den bestmöglichen Schutz bei Übungen gewährleisten? Gruppenführer Sebastian Jörig habe die Software „Teams“ vorgeschlagen, die Moderatorfunktionen, Präsentationsvorführungen und Videokonferenzen mit mehr als 100 Teilnehmern ermöglicht, berichtet der Stadtkommandant. Und bis zu zehn Lizenzen werden an „Non Profit-Organisationen“ kostenlos zur Verfügung gestellt. Jede dieser Lizenznehmer kann somit einen Link mit der Einladung an alle gewünschten Teilnehmer per E-Mail versenden. „Betätigt man zur Übungszeit den Link, befindet man sich in der Online-Übung“, erklärt Liebl

Pilotprojekt eines Online–Lehrgangs für angehende Kommandanten

Kreisbrandrat Timm Vogler steht diesen Online-Schulungen sehr positiv gegenüber. Im Landkreis Lichtenfels nutzten viele Feuerwehren diese Technik – einige bereits vor der Corona-Pandemie. Neben dienstlichen Belangen komme dabei auch das Private nicht zu kurz. In Zukunft könnte die Technik bei Landkreisausbildungen genutzt werden, meint Vogler. Die Feuerwehrschule Würzburg biete als Pilotprojekt einen Online-Lehrgang für künftige Kommandanten an. Statt vier Tage zum theoretischen Unterricht in eine Feuerwehrschule zu fahren, könne man sich von Zuhause einloggen.

 

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