BAD STAFFELSTEIN

Bad Staffelstein: Wie der „Bär“ belebt werden könnte

Vis-a-vis des Rathauses: Das Gelände des ehemaligen Brauereigasthofs „Zum Schwarzen Bären“ (li.) und das Ultschen-Areal (re. daneben). Foto: Markus Drossel

Die Bären-Plätze standen im Mittelpunkt der jüngsten Sondersitzung des Stadtrats – und damit das Prestigeprojekt Revitalisierung des Brauerei-Gasthofs „Zum Schwarzen Bären“ und des angrenzenden Ultschen-Hauses. Sophie Hoffstadt von „kol-lek-tiv Architekten“ erläuterte, was dort in Zukunft entstehen könnte und bezeichnete das Unterfangen als „unser Herzensprojekt“. Aufbruchstimmung aber wollte nicht wirklich aufkommen.

So könnte die Südfassade des angedachten Veranstaltungsgebäudes aussehen. Flankiert wird es von Multifunktionsgebäude un... Foto: Grafik: kol-lek-tiv Architekten

Am aufschlussreichen Vortrag der Diplom-Architektin aus München und ihres Kollegen Tim-Raphael Bosch lag das wohl eher nicht. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr hatten „kol-lek-tiv“ den Architekten-Wettbewerb in Bad Staffelstein gewonnen. Nun endlich war Zeit, in der Adam-Riese-Halle die Visionen im Detail vorzustellen.

Vor rund sieben Jahren wurde das Gelände vis-a-vis des Rathauses, zwischen Marktplatz und Horsdorfer Straße, Kastenhof und Alter Schießstätte, von der Stadt gekauft. Die Wiederbelebung ist in einen Ideen- und einen Realisierungsteil unterteilt, in letzteren wurden die Bürger eingebunden. Und diese Wünsche hatten die Architekten in ein Grobkonzept einzuarbeiten.

Das Logo der Bären-Bräu auf dem Schild, das früher die Hauswand zierte. Foto: Markus Drossel

Die beiden Stadtbild prägenden Gebäude „Bär“ und Ultsch (sie stammen aus den Jahren 1684 und 1687) sollen für Gastronomie und Hotellerie, womöglich mit Bar und Erlebnisbrauerei, genutzt werden, eventuell könnte auch ein kleines Brauereimuseum entstehen. Elemente aus den 1960-er- und 1970-er-Jahren sollen rückgebaut werden. So weit der Ideenteil, denn dieser steht und fällt mit einem Investor/Pächter.

Im hinteren Bereich soll es viel Platz gegeben, viel Raum für Kultur, Begegnung und Miteinander. Ein großes Veranstaltungsgebäude könnte den großen und den kleinen Bären-Saal beherbergen, ferner ist ein mehrstöckiger Bau mit Halbetagen für die Bücherei angedacht, mit ganz viel Platz zum Schmökern („im erweiterten Wohnzimmer“) und tollen Blicken auf die Altstadt.

Aus dem Lesezimmer der Bücherei sollte man, so die Vorstellung der Planer, einen tollen Blick auf die Sankt-Georgs-Kapel... Foto: Grafik: kol-lek-tiv Architekten

Ein Direktvermarkter, eine Bierothek und/oder ein Bürgercafé könnten in ein Multifunktionsgebäude einziehen, in dessen Dachgeschoss auch noch Platz für Ausstellungen und (Kunst-)Kurse wäre. In einer zweigeschossigen Tiefgarage, erreichbar über die Alte Schießstätte, könnten 88 Stellplätze entstehen. Auch ein kleines Wohnhaus ist angedacht. Den Architekten schwebt vor, die Gebäude auf den teils historischen Fundamenten (der Wehranlage und des Kastenhofs) in Holzständerbauweise aufzubauen.

Blick vom ehemaligen Gastraum hinüber zum Rathaus Bad Staffelstein. Foto: Markus Drossel

Bürgermeister Mario Schönwald (FW) erläuterte, dass in den alten Gebäuden bereits eine Schadstoffuntersuchung stattgefunden habe, deren Ergebnisse Ende November erwartet werden. Ebenso sei der Baugrund schon auf Belastbarkeit untersucht, nicht aber auf Schadstoffe.

Längsschnitt durch das Bären-Areal vom Marktplatz zur Alten Schießstätte. Foto: kol-lek-tiv Architekten

Ferner seien denkmalpflegerische Erkundungen nebst Grabungen beantragt, da sich das Gelände in unmittelbarer Nähe zur Stadtmauer befindet. Über die Angebote werde der Bauausschuss befinden. Sein Ziel sei es, schnellstmöglich mit der Städtebauförderung einen Termin auszumachen, denn bislang gebe es nur mündliche Aussagen zu Zuschüssen, schriftlich fixiert aber sei noch nichts.

Das Grobkonzept an sich steht, Details müssen noch geklärt werden

Die Stadträte hatten zahlreiche Detailfragen, angefangen von der Größe der Gastronomie der Bären-Säle (Rosi Jörig, CSU) über die angedachte Technik nebst Heizung (Stefan Dinkel, CSU) bis hin zur direkten Verbindung zwischen Bär- und Ultsch-Gebäude (Walter Mackert, CSU).

Auf dem Gelände des ehemaligen Brauereigasthofs „Zum Schwarzen Bären“ und dem angrenzenden Ultsch-Gelände könnten ein ne... Foto: kol-lek-tiv Architekten

Vieles, so Architektin Hoffstadt, werde erst im Laufe des detaillierten Planungsprozesses festgelegt. Mackert und Schönwald machten sich ferner für Schau-brauerei und Brauereimuseum statt (Mackert: „Wir haben hier einen Ort mit 500-jähriger Tradition), Winfried Ernst (Freie Wähler) dagegen wollte sich damit nicht anfreunden. Manuel Schrüfer (FW) hatte Zweifel, ob die Größe der Tiefgarage überhaupt ausreiche (Hoffstadt: „ein riesen Kostenfaktor“),

So könnte die Südfassade des angedachten Veranstaltungsgebäudes aussehen. Flankiert wird es von Multifunktionsgebäude un... Foto: kol-lek-tiv Architekten

Volker Ernst (FW) bezweifelte, ob die Zufahrt zu den unterirdischen Stellplätzen über die Alte Schießstätte funktioniere. Er sprach damit einen Knackpunkt an: Gerne würde die Stadt die alte Kegelbahn kaufen und abreißen, um Platz zu schaffen. Der Eigentümer ist dazu derzeit aber eher nicht bereit. Und damit wird es wohl vorerst keinen Park im Bereich des dortigen früheren Stadtgrabens geben, was Werner Freitag (Grüne/SBUN) bedauerte.

Auch zum Wegekonzept und an den Zufahrten für Lieferanten und Feuerwehr gab es Fragen – und Zweifel. Erwin Richter (FW) als Vorsitzender des Büchereivereins konnte sich mit einer Bücherei über mehrere Etagen nicht anfreunden. Das sei vom ehrenamtlichen Team schlecht zu betreuen. Christian Ziegler (Junge Bürger) sagte, dass es für ihn noch „nicht in Stein gemeißelt“ sei, wo genau was einziehen werde. „Nicht in Stein gemeißelt“: Dieser Ausdruck fiel in dieser Sitzung etliche Male. Ziegler aber brach eine Lanze für die Architekten: Es sei alles in allem gut gelöst. Der Bürgermeister wurde beauftragt, Zuschüsse auszuloten.

Offen blieb die Frage, wie die Stadt an einen geeigneten Investor oder engagierten Pächter für (fränkische?) Gastronomie und Hotellerie kommen will. Und ob der vordere Gebäudekomplex „nur“ vermietet oder doch verkauft werden soll.

 

Meinung: Herkulesaufgabe

Es wird nicht leicht werden für die Stadt Bad Staffelstein, das Bären- und Ultschen-Areal wiederzubeleben. Die Vorschläge der Architekten klingen vielversprechend, sind aber zweifelsohne kostenintensiv. Alles dürfte mit dem Investor beziehungsweise Pächter stehen und fallen. Diesen zu finden, wird aber sicher nicht leicht. Die Gastronomie ist krisengebeutelt, hat aufgrund der Corona-Pandemie massive Probleme. Zweifelsohne ist Bad Staffelstein ein attraktiver Standort, dank des Fremdenverkehrs und dank der Therme. Aber ob das reicht? Bislang fehlt dieser Silberstreif am Horizont – nach Jahren. Die Investorensuche bleibt eine Herkulesaufgabe für Bürgermeister, Stadtrat und Stadtverwaltung. Bleibt zu hoffen, dass sie stemmbar sein wird. Markus Drossel

 

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