BAD STAFFELSTEIN

Bad Staffelstein: Then und Leicht sind weitere Bürgermeister

Die obersten Repräsentanten der Stadt Bad Staffelstein: Dritter Bürgermeister Dieter Leicht (SPD), Erster Bürgermeister Mario Schönwald (Freie Wähler) und Zweiter Bürgermeister Holger Then (Junge Bürger) Foto: Markus Drossel

Holger Then (Junge Bürger) ist der neue Zweite Bürgermeister der Stadt Bad Staffelstein. Der 37-jährige Finanzfachmann, der seit Mai 2020 Dritter Bürgermeister war, wurde bei der jüngsten Sitzung des Stadtrats als erster Stellvertreter von Rathauschef Mario Schönwald gewählt. Neuer Dritter Bürgermeister ist Dieter Leicht (SPD).

Mit einem Präsentkorb dankte Bürgermeister Mario Schönwald (re.) seinem scheidenden Stellvertreter Hans-Josef Stich für ... Foto: Markus Drossel

Die Sitzung begann aber mit Wehmut, nämlich mit der Verabschiedung von Zweitem Bürgermeister Hans-Josef Stich (CSU). Er ist seit 1996 im Stadtrat, war 16 Jahre lang Zweiter Bürgermeister und hatte zum 31. März seinen Rücktritt eingereicht, aus persönlichen Gründen.

Bürgermeister Mario Schönwald zeigt großen Respekt vor Stich

Von Bürgermeister Mario Schönwald (Freie Wähler) gab es nicht nur einen Präsentkorb, sondern vor allem herzliche Dankesworte und den vollsten Respekt vor der Entscheidung. Die Stadträte dankten mit warmen Applaus. Dem Gesicht von Hans-Josef Stich, der weiter „normaler“ Stadtrat bleibt, war anzusehen, wie schwer es ihm fiel.

Ein Blick, der vieles sagt: Hans-Josef Stich fiel es schwer. Foto: Markus Drossel

Es war Christian Ziegler (Junge Bürger), der alsbald Holger Then für den ersten Stellvertreterposten des Rathauschefs vorschlug. Er habe in 2021, als der damalige Bürgermeister Jürgen Kohmann (er war auch in der Sitzung) krankheitsbedingt ausgefallen war, bewiesen, dass er den Herausforderungen gewachsen sei.

Einen Gegenkandidaten gab es nicht. In geheimer Wahl gaben die 25 Stadträtinnen und Stadträte ihre Stimmen ab. 17 Stimmzettel waren laut Geschäftsleitendem Beamten Fabian Leppert gültig, 17 Kreuzchen wurden hinter dem Namen Holger Then gemacht. „Es ist mir eine Ehre. Ich werde meine ganze Kraft einsetzen für die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger“, versprach Then.

Eine große Ehre für die kleinste Fraktion

Damit war der Posten des Dritten Bürgermeisters vakant. „Im Namen der SPD schlage ich zur Wahl des Dritten Bürgermeisters Erfahrung und Bürgernähe vor, ich schlage Entscheidungsfreude und Führungsstärke vor: Ich schlage Dieter Leicht vor“, sagte Harald Konietzko (SPD) seitens der kleinsten Fraktion im Stadtrat. Erneut gab es keine weiteren Redebeiträge oder gar einen Gegenvorschlag, erneut ging es für die Gremiumsmitglieder im Mehrzweckraum der Adam-Riese-Halle im Beisein ungwöhnlich vieler Gäste (es dürften an die 35 gewesen sein) an die hölzerne Wahlurne. Noch einmal durften Fabian Leppert und Kämmerin Annette Ramer die Wahlzettel sondieren und auswerten.

14 von 25 Stadträten stellen sich hinter SPD-Kandidat Dieter Leicht

Der Geschäftsleitende Beamte und die Kämmerin als Wahlvorstand: Fabian Leppert und Annette Ramer werten die abgegebenen ... Foto: Markus Drossel

Von den 25 abgegebenen Stimmzetteln waren diesmal 18 gültig. 14 Rätinnen und Räte hatten sich für Dieter Leicht entscheiden. Zwei Stimmen entfielen auf Freie-Wähler-Fraktionschef Winfried Ernst, eine auf Stefan Dinkel (CSU) und eine auf Manuel Schrüfer (FW). Dieter Leicht, der 60-jährige Kriminalbeamte, der seit 2007 im Stadtrat ist, nahm die Wahl „sehr gerne an“.

Nach der Eidesformel gibt es für den neuen Dritten Bürgermeister Dieter Leicht (re.) einen Händedruck von Rathauschef Ma... Foto: Markus Drossel

Er leistete den Amtseid und bekam anschließend einen Händedruck von Mario Schönwald als Dankeschön. „Dieser Tage sind unendlich viele Termine, da werde ich mit Sicherheit Unterstützung brauchen“, gab er seinen Stellvertretern mit auf den Weg.

Im Stadtrat kurz notiert

• Dank weiter höherer Einnahmen aus der Gewerbesteuer ist das Haushaltsjahr 2021 der Stadt deutlich positiver verlaufen als kalkuliert. Dadurch konnte eine Darlehensaufnahme über 3,767 Millionen Euro vermieden werden. Allerdings war die Stadt durch die verzögerte Auszahlung von Fördergeldern gezwungen, mehr von den Allgemeinen Rücklagen zu entnehmen wie geplant. Der Schuldenstand zum 31. Dezember 2021 betrug etwas über 13 Millionen Euro.

• Zum 1. Juni erhöhen sich die Eintrittspreise im Stadtmuseum, und zwar deutlich. Zahlte ein Interessent ab 17 Jahren bislang 1,50 Euro pro Besuch, so sind fortan drei Euro fällig. Urlauber mit Kurkarte müssen 2,50 Euro statt bislang einen Euro berappen. Jugendliche zahlen ab Monatswechsel zwei Euro (bisher: ein Euro). Wohl dem, der eine Ehrenamtskarte hat: Nach wie vor kostet der Eintritt einen Euro. Ermäßigungen gibt es für Gruppen ab zehn Personen (drei Euro pro Person) und Schulklassen sowie im Rahmen einer Keltenführung. Kinder bis sechs Jahre sind weiter frei, Kinder von sechs bis zehn Jahren zahlen einen Euro (bislang: 50 Cent).

• Simon Schmitt ist der neue Ortsbeauftragte von Loffeld. Er folgt damit Regina Wilmer nach, die das Amt niedergelegt hatte. Obwohl Ottmar Kerner (CSU) bemängelte, dass sich Schmitt nicht in der Sitzung vorstellte („Er ist nicht jedem bekannt“), wurde er letztlich ohne Gegenstimme zum Ortsbeauftragten bestellt. Er bleibt es bis zum Ende der Legislaturperiode 2020/26, wie die Staddträte auch.

• Seit 21. September galt eine 3G-Regelung für den Zutritt zu Sitzungen des Stadtrats und seiner Ausschüsse. Einstimmig beschlossen die Stadträte, diese Regelung mit sofortiger Wirkung aufzuheben. Grundlage war die aktuellen Entwicklungen der Corona-Lage.

 

Standpunkt: Verordnete Harmonie

Ein wenig seltsam war es schon: Im Mai 2020 hatte es noch heftige Diskussionen – ja, eigentlich Streit – um  die Besetzung der Stellvertreterposten des Bürgermeisters gegeben, diesmal gab es keine Gegenkandidaten und keine konträren Wortbeiträge. Verordnete Harmonie, könnte man sagen. Ein Nicht-Angriffs-Pakt zwischen CSU/JB und Freien Wählern, die vermutlich niemals etwaige Kandidaten des jeweils des anderen unterstützt hätten. Natürlich wurde im Vorfeld darüber gesprochen, natürlich wurden die Kandidaten nicht spontan gekürt: Das ist normal, findet selbstredend auch in anderen Kommunen so statt. Die ungültigen Stimmen (vermutlich Stimmzettel ohne Kreuzchen) zeigten aber, dass es hinter den Kulissen keine traute Einigkeit gibt. Sie waren Ausdruck der geballten Faust in der Hosentasche so manchen Stadtrats. Vorsichtshalber waren übrigens zu dieser Wahl auch Stadträtinnen und Stadträte erschienen, die man sonst nur selten im Gremium sieht. Nicht, dass da noch etwas schiefgeht. Nutznießer war letztlich die SPD, mit nur zwei Vertretern die kleinste Fraktion im Stadtrat. Dieter Leicht war der kleinste gemeinsame Nenner, auf den man sich verständigen konnte.  
Ihm dürfte es egal sein: Es ist wohl der Höhepunkt seines politischen Werdegangs und die Adelung seiner Arbeit. Herzlichen Glückwunsch!

 

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