Die Altstadt von Bad Staffelstein.

BAD STAFFELSTEIN

Bad Staffelstein: Stadt- und Dorfkerne attraktiv erhalten

Das, was Planer Dr. Preising den Stadträten vorstellte, klang logisch, war bei etwas Nachdenken sinnvoll und eigentlich nicht wirklich neu – und doch so wichtig: Wenn die Kernstadt oder der Kernort ausblutet, stirbt die ganze Stadt, stirbt das ganze Dorf. Und genau das will der Stadtrat verhindern. Doch wie?

Erstellung einer Flächenbilanz mit Potenzialanalyse für das Stadtgebiet von Bad Staffelstein nannte sich das Ganze, das auf einen Grundsatzbeschluss des Stadtrats von 2018 zurückging. Dieser Beschluss war von der Regierung von Oberfranken empfohlen worden, da der Stadt dadurch höhere Fördersätze für Mittel aus der Städtebauförderung in Aussicht gestellt wurden. Nicht ganz unwichtig mit Blick auf große, millionenschwere Projekte wie beispielsweise die Wiederbelebung des Bären-Areals. Außerdem will die Stadt Teil der Förderinitiative „Innen statt Außen“ sein.

Wenn Geschäfte den Innenbereich verlassen, stirbt die Stadt aus

Tobias Preising und Jennifer Ganek von Planwerk Stadtentwicklung aus Nürnberg hatten sich die Stadt und ihre Dörfer unter verschiedensten Gesichtspunkten angeschaut. Einer ihrer wichtigsten Aufforderungen: Krapfen- statt Donut-Effekt. „Beim Krapfen ist innen das leckerste“, führte Preising aus. Auf die Orte übertragen: Die Kern müssten lebendig, attraktiv, wertig sein, also mit Geschäften und Leben gefüllt. „Wenn die innerörtlichen Geschäfte zu sind, ist die Stadt tot. Ziel ist es, nicht nur nach Außen zu wachsen, sondern innere Potenziale zu heben und zu intensivieren“, so Preising.

In den nächsten zehn Jahren werde die Bevölkerung im Staffelsteiner Land noch zunehmen, dann aber stagnieren. Damit sinkt der Neubedarf an zusätzliche Wohneinheiten. 30 bis 40 neue Wohneinheiten pro Jahr müssten es aber dennoch noch sein, da immer weniger Personen gemeinsam in einem Haushalt leben – bei nicht selten immer höherem Platzbedarf. Andere aber würden sich verkleinern wollen, auch da könne die Stadt helfend einwirken.

Die Planer hatten ein Innenentwicklungspotenzial von einer Größe von rund 94 Fußballfeldern ausgemacht. Konkret fanden sie 239 Baulücken von einer Größe von 26,2 Hektar, 32 geringfügig bebaute Grundstücke (sieben Hektar), eine Gewerbebrache, zwölf leer stehende Hofstellen, 125 leer stehende Wohngebäude und 225 Wohngebäude mit Leerstandsrisiko. Insgesamt 650 Potenziale mit 67,2 Hektar, davon alleine 19,2 in Bad Staffelstein selbst, aber auch etliche Hektar in Grundfeld, Wolfsdorf, Uetzing oder Wiesen. Soweit die Theorie, denn: Eine Eigentümerbefragung der Kommune hatte ergeben, dass es für keine einzige Baulücke Verkaufsbereitschaft gebe. „Es ist teils wahnsinnig schwierig, an Grundstücke und Wohnungen heranzukommen, weil diese für den Urenkel reserviert sind, der in zehn Jahren geboren wird, oder weil vielleicht auch überzogene Preisvorstellungen vorliegen“, brachte es Tobias Preising auf den Punkt. Dennoch werde die Verwaltung, so Bürgermeister Schönwald, noch einmal eine Abfrage starten. Sowohl Winfried Ernst (Freie Wähler) als auch Jürgen Hagel (CSU) warnten davor, Druck auszuüben: Das würden ihre Fraktionen nicht mittragen. Sandra Nossek (Grüne/Staffelsteiner Bürger für Umwelt und Naturschutz) ihrerseits plädierte dafür, nicht jede innerörtliche Grünfläche zu versiegeln. Stattdessen müsse sogar größeres Augenmerk auf mehr Begrünung gelegt werden. Tobias Preising und Jennifer Ganek stimmten ihr zu: Auch das sei Teil der Lebensqualität.

„Gehen Sie den Weg weiter, den sie begonnen haben.“
Dr. Tobias Preising, Planwerk Nürnberg

Insgesamt aber fiel das Zeugnis für die Stadt Bad Staffelstein gut und ihre Dörfer gut aus: „Gehen Sie den Weg weiter, den sie begonnen haben“, riet Preising. Und Jürgen Hagel (CSU) war froh zu wissen, dass die Analyse mit ihren Zahlen kein Hemmschuh für künftige Entscheidungen sein wird, sondern ein „Instrumentenkasten“ voller Anregungen und Ideen, nach denen sich Stadtrat und Bauausschuss sowieso schon seit Jahren orientieren würden. Winfried Ernst aber wollte noch etwas loswerden: „Bevor wir die erste Schaufel in die Hand nehmen, haben wir schon hunderttausende Euro für Konzepte ausgegeben!“ Gezwungenermaßen, sind die doch Grundlage für Förderprogramme. Und so wurde die Flächenbilanz einstimmig gebilligt.

Im Stadtrat kurz notiert

• Einstimmig hat der Stadtrat den überarbeiteten Plan zur Aufstellung des Bebauungsplanes „Sport- und Freizeitgelände Bad Staffelstein“ gebilligt und beschlossen, nun die Öffentlichkeit, Behörden und sonstiger Träger öffentlicher Belange förmlich zu beteiligen. In diesem Gebiet liegen die Sportanlagen von TSV, Tennisclub oder auch des Reitsportvereins. In Richtung Kurpark sollen 56 Wohnmobilstellplätze entstehen (Walter Mackert, CSU: „Die brauchen wir dringend für die Therme“). Interessant aber wird es für die Mieter der Kleingartensiedlung: Da künftig eine Baumfallgrenze von 30 Metern zum Auwald der Seen einzuhalten ist, dürfen die zu nahe liegenden Grundstücke bei Kündigung nicht mehr neu bebaut werden. Für die bisherigen Verträge gilt Bestandsschutz. Bürgermeister Mario Schönwald (FW) erläuterte, dass die Ursprungsidee, die Kleingartensiedlung generell aufzulösen, nicht mehr bestehe.

• Dickes Lob gab es von Sandra Nossek (Grüne/SBUN), dass die Obermain Therme im Kurpark nun doch Blühflächen anlegen lasse, die bislang immer abgelehnt wurden.

•„Jede Kilowattstunde zählt“: Unter dieses Motto stellte Werner Freitag (Grüne/SBUN) seinen Antrag, die Verwaltung möge doch prüfen, wo Energie gespart werden könne. Der Angriffskrieg gegen die Ukraine habe bewiesen, wie akut die Lage sei. Mittelfristig müsste man sich auch Alternativen zur Gasbefeuerung städtischer Liegenschaften einfallen lassen. Als Sofortmöglichkeit könne man auf die Beleuchtung des Rathauses oder Kloster Banz verzichten. Bürgermeister Mario Schönwald gab zu bedenken, dass eine solche Potenzialanalyse ein Riesenaufwand für die Kommune sei.

• Der Haushaltsplan für das Jahr 2022 ist vom Landratsamt Lichtenfels genehmigt worden. Darüber informierte in der Stadtratssitzung.