BAD STAFFELSTEIN

Bad Staffelstein: Kanalsanierung kostet Millionen

Die Luftqualität passt: Bad Staffelstein behält auch in den kommenden Jahren den Bad-Titel und darf sich weiterhin Heilbad nennen. Foto: Markus Drossel

Rund 1,2 Millionen Euro. So viel kosten voraussichtlich alleine der ersten beiden Abschnitte der Kanalssanierung, die die Stadt Bad Staffelstein in Auftrag geben muss. Und das sind nur die ersten der insgesamt 130 Kilometer des Abwassersystems, das unterirdisch im Stadtgebiet verlegt ist. Doch hat der Stadtrat keine Wahl: Er ist zum Handeln gezwungen, möchte er sich nicht strafbar machen.

Bürgermeister Jürgen Kohmann (CSU) erläuterte, dass die Stadt insgesamt 150 Kilometer Kanal habe, von denen nun 130 in den nächsten zehn Jahren gereinigt, begutachtet und auf Schäden hin überprüft werden sollen, da der Rest verhältnismäßig neu sei. Gerade die älteren Kanäle im Stadtgebiet hätten einen nicht unerheblichen Fremdwassereintrag, was die Kläranlage belaste und die Stadt zum Handeln zwinge.

Bauingenieur Carsten Mikosch von der auf Kanalsanierung spezialisierten Firma Isas stellte den Räten in der Sitzung die ersten Ergebnisse vor. 60 Prozent des kommunalen Vermögens lägen mit dem Kanal im Boden verlegt. Und je länger man mit einer Sanierung warte, desto teurer werde es letztlich. Grund und Wasser zu verschmutzen, sei zudem eine Straftat. Eine Kanalsanierung laufe heutzutage aber oft ohne große Erdarbeiten ab, ohne große und damit wahrnehmbare Baustellen. Oft könne man direkt im Kanalrohr arbeiten, beispielsweise eine „zweite Haut“ einziehen – moderne Technik macht es möglich.

In der Adolph-Kolping-Straße ist im Kanalrohr ein Riss entstanden. Foto: Isas

Wurzeleinwuchs, Risse, kleinere wie größere Einbrüche: 74 Prozent der Kanäle in den ersten 14,5 überprüften Kilometern weisen prinzipiell Schäden auf, die kurz- oder mittelfristig beseitigt werden müssen. Die Stadtverwaltung hatte aber bewusst Bereiche in der Kernstadt ausgesucht, die als besonders schadhaft angenommen wurden. Eine Ausschreibung für den ersten Teilbereich soll noch heuer erfolgen, die für einen zweiter Abschnitt kurz danach. Angefangen wird in der Bahnhofstraße, und zwar in dem Abschnitt, der 2021 und 2022 neu gestaltet wird. Gut für die Stadt Bad Staffelstein: Der Freistaat hat das Förderprogramm Rzwas verlängert, man muss die Kosten in Millionenhöhe also wohl nicht alleine schultern. Die Räte nahmen die Ausführungen und die kommenden Bauarbeiten zur Kenntnis. „Das ist ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz“, machte Bürgermeister Jürgen Kohmann klar.

Auch bei der Trinkwasserversorgung gibt es Handlungsbedarf

Nicht nur das Abwasser, sondern auch die Wasserversorgung wird in den nächsten Jahren viel Geld verschlingen. Gerade im Lautergrund und in Romansthal gibt es Probleme mit Wassserdruck, Wassermenge und/oder Keimen. Auf Bitten von Winfried Ernst (Freie Wähler) ging Bürgermeister Kohmann in der Ratssitzung ins Detail. Auch hier sind Kosten in Millionenhöhe wahrscheinlich, um die Trinkwasserversorgung zukunftssicher zu machen.

Der alte Tragkraftspritzenanhänger der Freiwilligen Feuerwehr Wiesen wird bald dauerhaft in den Status 6 versetzt. Foto: Markus Drossel

Bereits gesichert ist, dass die Stadt Bad Staffelstein sich auch in Zukunft Heilbad nennen darf. Der Deutsche Wetterdienst hatte in einem 9000 Euro teuren Gutachten Klima, Bioklima und die Luftwerte überprüft. Das Ergebnis: In der Innenstadt (Messstelle Bamberger Straße) sind die Schadstoffwerte deutlich gesunken, im Kurbereich blieben die Werte stabil oder wurden leicht besser. Nun aber fordert die Regierung von Oberfranken mit Schreiben vom 23. September erstmals die Überprüfung aller Kriterien, die für die Verleihung des Bad-Titels notwendig waren – und für das Behalten des Bad-Titels notwendig sind. Die Stadtverwaltung bat um eine Fristverlängerung: Das Zuarbeiten sei zu komplex, um das noch in 2020 zu schaffen. Künftig sollen alle zehn Jahre sämtliche Werte überprüft werden. Stadtrat Werner Freitag (Grüne/Staffelsteiner Bürger für Umwelt und Naturschutz, Sbun) nahm das Gutachten zum Anlass, um anzuregen, mehr großkronige Bäume in der Innenstadt zu pflanzen. Das sei gut für das Mikroklima.

Die Beladung für die TSF-W der Wehren Wiesen und Stadel ist fix

Auch die Freiwillige Feuerwehr Stadel nennt bald ein wasserführendes TSF-W ihr Eigen. Über die Ausrüstung wurde im Stadt... Foto: Markus Drossel

Dass die Freiwilligen Feuerwehren Wiesen und Stadel, beide nah an der ICE-Neubaustrecke und den zugehörigen Tunneln gelegen, mit wasserführenden Tragkraftspritzenfahrzeugen ausgestattet werden, ist längst beschlossene Sache. Die Autos sollen wohl noch dieses Jahr ausgeliefert werden. Im Stadtrat ging es nun um die Beladung der Fahrzeuge. Diese kostet für Wiesen 63 578 Euro und für Stadel 60 341 Euro. Für beide TSF-W sind Haushaltsmittel von insgesamt 180 000 Euro veranschlagt.

Im Stadtrat kurz notiert

• Die Gruppe Ludum Gallus Musica aus Mittenwald war schon mehrfach Gast beim Altstadtfest und verzückte die Besucher mit ihren Darbietungen. Das brachte sie und Stadtrat Harald Konietzko (SPD), der seit 1977 freundschaftliche Bande nach Mittenwald pflegt, auf die Idee, dass die Marktgemeinde in den Alpen und die Thermenstadt eine Partnerschaft eingehen könnten. Beide Kommunen haben zwar Partnerstädte, doch sind die Beziehungen jeweils eingeschlafen. Konietzko war jüngst vor Ort im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen, sprach dort mit dem Bürgermeister – und brachte aus dem oberen Isartal Grüße und Geschenke mit. Seine Ratskollegen bat er, sich zwecks Partnerschaft Gedanken zu machen.

• Sollte Bürgermeister Jürgen Kohmann längerfristig ausfallen, so würde laut Geschäftsordnung Jürgen Hagel (CSU) als Vorsitzender der stärksten Fraktion im Stadtrat ihn im Zweckverband Sparkasse vertreten. Sehr zum Unmut der Freie-Wähler-Fraktion, die gerne Erwin Richter nominiert hätten. Diesen Vertretungsfall hat es aber noch nie gegeben, seitdem Kohmann Bürgermeister ist – immerhin schon 15 Jahre.

 

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