BAD STAFFELSTEIN

Bad Staffelstein: Ideen, um den Stadtkern attraktiver zu machen

Bad Staffelstein: Ideen, um den Stadtkern attraktiver machen
Aus der Heimat für die Heimat: Quartiersmanager Michael Böhm würde gerne einen regelmäßigen regionalen Markt auf dem Mar... Foto: Markus Drossel

Frühmorgens mit dem Einkaufskorb über den Marktplatz von Stand zu Stand schlendern, frische Äpfel, Lauch, Sellerie, Möhren, Quittenmarmelade, herzhafte Kartoffeln, heimischen Honig, Liköre oder andere Produkte aus der Gegend vom Direktvermarkter aus der Region erwerben: Das gibt es derzeit in Bad Staffelstein allenfalls in Ansätzen. Dank eines Förderprogramms könnte aber vielleicht bald ein Regionalmarkt etabliert werden. Und eventuell noch viel mehr.

„Innenstadt beleben 2021“ ist ein Sonderfonds des Bayerischen Städtebauförderprogramms überschrieben, für den sich die Stadt Bad Staffelstein auf Anraten von Quartiersmanager Michael Böhm beworben hat. „Mit diesem Förderprogramm sollen Corona gebeutelte Innenstädte gezielt unterstützt werden, um die Gefahr der Verödung abzuwenden. Es ist ein sehr umfangreiches, zugleich aber auch sehr flexibles Förderprogramm“, so Böhm im Rahmen der Stadtratssitzung. „Damit soll eine Frequenzsteigerung erreicht und auch kulturelle Veranstaltungen angeschoben werden.“ Dies geschehe unabhängig zu den Sofort- und Nothilfen, die Unternehmer beantragen können.

Bis zu 440000 Euro an Fördermitteln sind möglich

Mittlerweile liegt eine Rahmensbewilligung der Regierung von Oberfranken vor: Die Stadt könnte aus dem Sonderfonds 440 000 Euro erhalten. Die Voraussetzung: Es müssen konkrete Projekte erarbeitet werden, die dann die Regierung absegnen muss. Außerdem müsste die Thermenstadt 110 000 Euro Eigenmittel einbringen, denn das von Böhm erarbeitete Maßnahmenpaket umfasst eine Gesamtsumme von 550 000 Euro.

Zu Ehren des berühmten Rechenmeisters: Michael Böhm würde Adam Rie(s) gerne erlebbarer machen in Bad Staffelstein. Foto: Markus Drossel

Der Quartiersmanager präsentierte in der Stadtratssitzung ein Füllhorn an Ideen, unter anderem den eingangs erwähnten Wochenmarkt. Derzeit gibt es zwar einen Markthändler, der wöchentlich seine Frischeprodukte feil bietet, aber eben nur einen. Böhm würde gerne etliche weitere Regionalvermarkter für seine Idee begeistern. Dazu sei es aber unter Umständen nötig, eine entsprechende Infrastruktur zu schaffen, beispielsweise (teil-)stationäre Strom- und/oder Wasseranschlüsse im Umfeld des Marktplatzes. Winfried Ernst (Freie Wähler) und Sandra Nossek (Grüne/Staffelsteiner Bürger für Umwelt und Naturschutz) befürworteten die Idee des Regionalmarkts. Ihr Tenor: Das wäre eine klare Aufwertung der Innenstadt.

Doch Michael Böhm hatte noch etliche weitere Ideen, die er vorstellte. So könnte es eine regelmäßige Bürgerbroschüre („Bürgerkurier“) geben oder eine Neuauflage von „Bad Staffelstein leuchtet“ (zuletzt im April 2017) in Zusammenarbeit mit Oberfranken Offensiv. In der Innenstadt könnte ein „Erlebnispfad der Geschichte“ entstehen, beispielsweise mit Schwerpunkt Adam Ries(e): Böhm könnte sich Hüpfspiele im Bodenbelag und Infotafeln mit Rechenbeispielen vorstellen. Oder das Ganze, wie von Werner Freitag (Grüne/Sbun) angeregt, in den Kontext „Erlebbares Grün“ eingebettet werden.

„Bad Staffelstein leuchtet” war im April 2017 in großer Erfolg – und vor allem ein Publikumsmagnet. Vielleicht gibt es b... Foto: M. Drossel

Auf der Ideenliste Böhms stehen außerdem Audiospots (im Sanierungsgebiet) zur Stadtgeschichte, eine öffentliche Galerie in städtischen Gebäuden und Schaufenstern zu den Themen Kunst, Vereinsleben und Aktuellem der Stadtentwicklung (unter anderem den Gebäuden Bahnhofstraße 2 und Bahnhof), ein Tag der Vereine oder auch Aktions- und Erlebnisflächen für Kunst und Kultur zur dauerhaften Bespielung in der Innenstadt (Workshops, offene Werkstätten, Präsentationen). „Wir könnten viele Projekte verwirklichen, die wir über die ,normale‘ Stadtebauförderung nicht realisieren könnten“, so der Quartiersmanager.

Mario Schönwald: „Haben den Fuß in die Tür der Regierung gestellt“

Jürgen Hagel (CSU) fühlte sich von der Vielzahl an Ideen ein wenig „überfahren“ und regte an, vielleicht noch einmal in den Fraktionen zu beraten, was sinnvoll sei. „Wir haben den Fuß bei der Regierung in die Tür gestellt. Nun sollten wir festlegen, in welche Richtung wir gehen wollen oder ob wir die Vorschläge nicht weiterverfolgen wollen“, argumentierte Bürgermeister Mario Schönwald (Freie Wähler). Konkretisierungen der einzelnen Ideen könnten später erfolgen.

Die Adam-Ries(e)-Statuen in Bad Staffelstein erinnern an den berühmtesten Sohn Bad Staffelsteins. Die machen schon heute... Foto: M. Drossel

„Ich finde die Maßnahmen gut. Das ist genau das, was wir seit Jahren wollen: Es belebt die Innenstadt“, lobte Stefan Dinkel (CSU). „Besser kann es nicht laufen: Wir stoßen an und werden dafür noch gefördert“, pflichtete ihm Rosi Jörig (CSU) bei. „Mit diesen Vorschlägen rennen Sie bei uns ein offenes Scheunentor ein“, wandte sich Walter Mackert (CSU) an den Quartiersmanager. „Alles Sachen, die wir schon lange angehen wollten“, fand auch Winfried Ernst. „Die Freie-Wähler-Fraktion und ich stehen voll dahinter.“ Und auch wenn Werner Freitag der kulturelle Aspekt zu kurz kam, so stimmten letztlich alle Stadträte dafür, dass Böhm nun konkrete Angebote einholt, um belastbare Zahlen vorlegen zu können. Eine Prioritätenliste, welche Projekte zuerst angegangen werden, könnte dann beispielsweise ein (Bürger-)Beteiligungsrat erstellen.

Wenn viele Helfer an einem Strang ziehen

Doch schafft es der Quartiersmanager alleine, all diese Projekte anzuschieben? Mehrmals stellten Räte unterschiedlicher Fraktionen im Rahmen der Sitzung diese Frage. Böhm ließ durchblicken, dass er sich das definitiv zutraue und schon bei Großprojekten wie der BR-Radltour bewiesen habe, was er zu leisten im Stande sei. Auch könne er immer auf viele „helfende Hände“ von Bürgern und Vereinen zählen. Das sei auch das, was die Projekte zu besonderen mache.

 

Standpunkt: Gelegenheiten beim Schopfe packen

Wer diese Gelegenheiten verstreichen lässt und nicht beim Schopfe packt, ist selbst schuld: Durch ein eilig geschnürtes Förderpaket der Regierung von Oberfranken könnte die Stadt Bad Staffelstein enorm profitieren und Anschub leisten für Projekte, Visionen und Ideen, die man schon lange auf der Wunschliste hat. Gelingt es wirklich, einige oder gar alle der vorgestellten Ideen in die Tat umzusetzen und diese zu vier Fünftel finanziert zu bekommen, wäre das ein toller Coup. Zumindest aber sollten die Stadtverantwortlichen nichts unversucht lassen, genau das zu erreichen. Bad Staffelstein hat als touristisches Zentrum des Landkreises zweifelsohne schon heute viel zu bieten, könnte sich aber dank des Förderprogramms noch ein wenig mehr aufhübschen. Von einer noch lebens- und liebenswerteren Thermenstadt profitieren dann letztlich nicht nur die Urlaubs- und Kurgäste, sondern auch die Einheimischen. Markus Drossel

 

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