BAD STAFFELSTEIN

Bad Staffelstein: Hans-Josef Stich will Bürgermeister werden

Als Werkleiter der Obermain Therme sorgt Hans-Josef Stich dafür, dass der wichtigste touristische Wirtschaftsbetrieb der Region läuft. Foto: Markus Drossel

Eigentlich ist er es ja schon: Bürgermeister der Stadt Bad Staffelstein. Seit Erster Bürgermeister Jürgen Kohmann im Krankenstand weilt, ist Hans-Josef Stich amtierender Chef im Rathaus. Am 26. September tritt der 50-Jährige nun an, um aus dem kommissarischen ein offizielles Engagement werden zu lassen. Dafür würde er sogar seinen geliebten Hauptberuf aufgeben.

„Nein, ich habe es mir nicht leicht gemacht“, sagt Stich. Er sitzt im Panoramasaal der Obermain-Therme, hat besten Blick auf all das, für das er sich seit vielen Jahren beruflich mit Fleiß und Ehrgeiz einbringt. „Ich habe aber in den Monaten seit Februar, seit ich Jürgen Kohmann vertrete, gemerkt, dass diese Aufgabe sehr reizvoll ist. Ein Bürgermeister ist so etwas wie der Steuermann eines Schiffs, das liegt mir.“

Freunde und Bekannte hätten ihn ermuntert, den Schritt zu gehen und sich für die Christsozialen zur Wahl zu stellen. Seine Frau Monika, mit der er seit 16 Jahren verheiratet ist, stärkte ihm ebenfalls den Rücken. „Sonst hätte ich das sicher nicht gemacht“, ist Hans-Josef Stich überzeugt. Auf ein funktionierendes Team, das ihm Rückhalt gibt, legt er großen Wert. In allen Bereichen des Lebens.

Schon mit 18 Jahren für Lokalpolitik interessiert und engagiert

Die politische Karriere des waschechten Staffelstaaners („Ich wurde sogar noch in Staffelstein geboren“) reicht bis zu seinem 18. Lebensjahr zurück. „Damals bin ich in die Junge Union eingetreten, weil ich damals schon politisch interessiert war und mich einbringen wollte.“ Orts- und Kreisvorsitzender der JU wurde Stich später, seit 15 Jahren ist er Vorsitzender des CSU-Ortsverbands.

Gerne ist Hans-Josef Stich (li.) mit dem Mountainbike im „Gottesgarten am Obermain“ unterwegs. Foto: red

Im Jahr 1996 wurde er gleich auf Anhieb Stadtrat und im Jahr 2002 Kreisrat, beides zunächst für die Jungen Bürger, dann für die CSU. Zweiter Bürgermeister ist Stich seit 2006. Zu seinen politischen Vorbildern zählen Franz-Josef Strauß („weil er jemand war, der seine Meinung vertrat, auch wenn es Gegenwind gab“) und Reinhard Leutner („ein Mann mit Weitblick, der Bad Staffelstein maßgeblich zu dem machte, was es heute ist“).

Bei einem großen heimischen Bauunternehmen gelernt

Seine beruflichen Wurzeln liegen bei einem einst großen heimischen Bauunternehmen. Dort lernte er den Beruf des kaufmännischen Angestellten, wurde später Leiter des Bereichs und Prokurist. 2005 wurde er vom damaligen SPD-Bürgermeister Georg Müller zur Obermain-Therme geholt. „Die Generalsanierung stand an, man suchte einen Mitarbeiter, der kaufmännisch tätig ist, aber Erfahrungen im Bausektor mitbringt“, so Stich. Ein Glücksgriff, für beide Seiten. Nur knapp ein Jahr später wurde er stellvertretender Werkleiter.

Hans-Josef und Monika Stich. Foto: red

Und dann trat eine Situation ein, die Hans-Josef Stich vor einigen Wochen als Déja-vu erlebt hat: Sein damaliger Chef wurde quasi über Nacht und über Wochen und Monate krank, Stich war von jetzt auf gleich Leiter eines über 200 Personen starken Teams. Auf dieses hält der 50-Jährige damals wie heute große Stücke: Die Therme stehe so gut da, weil die Mannschaft funktioniere, ihm immer wieder Rückendeckung und Zuspruch gebe.

„Insgesamt will ich nah am Bürger sein. Ich bin überzeugt, dass ich in der Obermain Therme bewiesen habe, dass ich ein öffentliches Unternehmen führen kann.“
Hans-Josef Stich, Bürgermeisterkandidat

Hans-Josef Stich ist nach eigenen Aussagen sehr gerne Werkleiter, aber ebenso gerne Bürgermeister. „Wenn ich etwas tue, dann mit ganzem Herzen“, sagt er mit ruhiger, gelassener Stimme. Ihn aus der Ruhe zu bringen, ist nicht ganz leicht. Wenn es aber mal hart auf hart kommt, trägt er sein Herz auf der Zunge, hält mit der Meinung ungern hinter dem Berg. Apropos Herz: Schweren Herzens wird er in wenigen Wochen einen seiner beiden Jobs und Teams, die er derzeit führt, aufgeben müssen. Je nach Wählerwillen.

In seiner Freizeit darf es gerne rockig werden

Hans-Josef Stich ist ein großer Freund der heimischen Bierkultur. Foto: red

In seiner Freizeit darf es für Hans-Josef Stich gerne mal rockig zugehen: Die australischen Kult-Hardrocker AC/DC hat er schon mehrere Male live gesehen, vom Konzert von Peter Gabriel schwärmt er noch heute, aber auch Liedermacher-Abenden wie mit Reinhard Mey kann er viel abgewinnen. Ins Schwärmen gerät er auch, wenn er über „seine Geißböcke“ spricht: Der 50-Jährige ist glühender Fan des 1. FC Köln, geht mit dem „Effzee“ durch dick und dünn. Und er ist Genießer, mag gutes Essen und vor allem die Vielfalt der heimischen Bierkultur.

„Ich bin ein lösungsorientierter Zuhörer“, sagt Stich über sich selbst. „Ich mag strukturiertes Vorgehen, erledige Dinge lieber gleich als später. Und ich bin gerne hartnäckig.“ Zu erledigen gibt es in den nächsten Jahren in Bad Staffelstein vieles: Neben Millionenprojekten wie die Neugestaltung der Bahnhofstraße und der Revitalisierung des Bären-Areals sind es vor allem der Hochwasserschutz, die Glasfaseranbindung und die Digitalisierung, die ihm am Herzen liegen.

Nordost-Spange: Stich will die Bürger gerne aktiv mit einbinden

Beim strittigen Punkt Nordost-Spange würde er gerne das vorliegende Verkehrsgutachten modifizieren lassen und letztlich über ein Ratsbegehren die Bürger aktiv beteiligen. „Das ist ein Thema, das uns so lange begleitet, wie ich im Stadtrat bin. Insgesamt werden es Mammutaufgaben, die in den nächsten viereinhalb Jahren sicher nicht alle abgeschlossen werden können.“ Auf diesen Zeitraum wird die neue Bürgermeisterin oder der neue Bürgermeister nämlich gewählt.

Hans-Josef Stich hat sich für die Firmung in Schale geworfen. Foto: red

Dass Bad Staffelstein die Verschuldung in den vergangenen Jahren erheblich reduzieren konnte, sei erfreulich, aber kein Grund zum Ausruhen. „Die Coronakrise wird von uns Tribut fordern“, ist Stich sich sicher. „Deswegen müssen wir unsere Vorgaben nach und nach angehen. Wichtig ist dabei, neben den Großprojekten auch die Kleinigkeiten unserer Aufgaben nicht zu vergessen.“ Gerade die seien oft große Ärgernisse für die Bürger.

Wer weiß, dass Hans-Josef Stich früher selbst an Computern bastelte, den verwundert es kaum, dass er gerne die digitalen Informationswege intensiver nutzen würde, um die Bürger schneller und konsequenter zu erreichen. „Insgesamt will ich nah am Bürger sein. Ich bin überzeugt, dass ich in der Obermain Therme bewiesen habe, dass ich ein öffentliches Unternehmen führen kann. Außerdem hilft mir die langjährige Erfahrung als Kommunalpolitiker.“ Ferner ist er in vielen Vereinen Mitglied, hat auch da Einblicke. Als Beisitzer der Adam-Riese-Werbegemeinschaft weiß er genau, wie es um die Sorgen, Nöte und Ziele der Einzelhändler, Gastronomen und Servicedienstleister in „seiner“ Stadt bestimmt ist.

Zu seinen Chancen, Bürgermeister zu werden, will sich Hans-Josef Stich nicht äußern. „Ich würde mich wahnsinnig freuen, würde es klappen, aber letztlich entscheidet der Wähler“, sagt er und fügt an: „Es ist schon mancher als Göger ins Rennen gegangen und als Grillhähnchen wieder raus.“

Zur Person

• Geburtstag: 27.03.1971

• Erlernter Beruf: kaufmännischer Angestellter

• Partei: seit 32 Jahren bei Junger Union beziehungsweise CSU.

• Politik: seit 1996 Stadtrat in Bad Staffelstein, seit 2002 Kreisrat, seit 2006 Zweiter Bürgermeister

• Hobbys: Mountainbiken, Konzertbesuche, Lesen, 1. FC Köln

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