BAD STAFFELSTEIN

Almosen für die Staffelberg-Klause

Hölzerne Stützen waren nötig, um den Einsturz der alten Klause von 1696 zu verhindern. Aufnahme kurz vor dem Abbruch 188... Foto: Repro: Günter Dippold

Die einstige Einsiedler-Klause auf dem Staffelberg ist ein schlichter Bau. Sie entstand in kurzer Bauzeit im Sommer 1883 und stammt also aus der Zeit des berühmtesten Staffelberg-Eremiten Ivo Hennemann (1823–1900).

Als er in den 1850er Jahren seinen Wohnsitz auf dem Berg nahm, stand wohl noch die Klause, die 1696 für den ersten Einsiedler errichtet worden war. Ein Staffelsteiner beschrieb den alten Bau 1906 aus der Erinnerung so: Er habe „aus Holzfachwänden“ bestanden, „innen Fichtenholz-Vertäfelung, [mit] Putzenscheibenfenstern, einem großen grünen Kachelofen, den ein alter, frommer Häfnermeister auf den Kacheln Judith's Geschichte erzählen ließ“.

Zu Zeiten Ivos war dieses alte Gebäude baufällig. Ein Besucher schrieb 1883 ins Fremdenbuch: „Das Haus will zerfallen, vom Sturme umbraust, / Nur Stützen noch halten die Seiten;/ Wer will in der Zelle, von Winden durchsaust, / Den betenden Klausner beneiden?“

Tatsächlich hatten Winterstürme Anfang 1876 schwere Schäden am Dach des altersschwachen Baus angerichtet. Der Bezirksamtstechniker (entspricht dem heutigen Kreisbaumeister) schilderte am 6. April 1876 den Zustand wie folgt: „Die am Berge angebaute westliche Bruchsteinmauer ist an einigen Stellen baufällig, die übrigen Fachwerk-Umfassungswände sind vielfach defekt, die Bretterverschalung ganz schadhaft; namentlich aber hat das Hauptgebälke durch die frühere schlechte Instandhaltung des Daches an Fäulniß stark gelitten.“

Ivo Hennemann forderte einen Neubau, und zwar einen massiven Steinbau. Doch die Adelgundis-Kapellen-Stiftung, die die Baulast für die Klause trug, hatte dafür kein Geld. Eine Kollekte, wie sie einige Jahre zuvor veranstaltet worden war, um den Bau des Turmes an der Kapelle zu finanzieren, lehnte die Regierung von Oberfranken 1880 strikt ab: Sie sei nicht bereit, „die Mildthätigkeit der umliegenden Bewohner in der beabsichtigten Weise in Anspruch nehmen zu lassen“.

Von der Regierung wurde Sparsamkeit angemahnt

Mittlerweile hatte sich trotz einer Dachreparatur im Jahr 1876 der Zustand des Gebäudes weiter verschlechtert. Ein Stück Mauer im Erdgeschoss drohte einzustürzen, und im ersten Stock konnte man Teile des Fachwerks mit der Hand herausbrechen. Nur durch „starke Holzstützen“ konnte man das Haus einigermaßen bewohnbar halten.

Neubauten wurden entworfen. Erst der dritte Plan war so schlicht, dass er Gnade vor den Augen der Regierung von Oberfranken fand, die auf äußerste Sparsamkeit drang. Gefertigt hatte den Plan, der dann letztlich ausgeführt wurde, der Staffelsteiner Maurermeister Georg Stang.

Aber so viel man auch sparte, die Kapellenstiftung war nicht in der Lage, die erforderlichen Mittel aufzubringen. So gestattete die Regierung schließlich doch, dass der Einsiedler eine Sammlung in den Bezirksämtern Staffelstein, Lichtenfels, Bamberg I (rechts der Regnitz) sowie in der Stadt Bamberg veranstalte.

Von Haus zu Haus gezogen und Spenden gesammelt

So zog denn Ivo Hennemann von Haus zu Haus und bat um Spenden. Bis Jahresende 1882 hatte er 2000 Mark zusammen, bis zur Grundsteinlegung am 13. Juni 1883 sogar 3500. Bei seiner Haussammlung hatte der Einsiedler wohl keinen einfachen Stand, denn er war nicht der einzige, der um ein Almosen bat; Überschwemmungen hatten längs aller deutscher Flüsse für Not gesorgt. Überdies war die allgemeine Wirtschaftslage nicht günstig.

Die Baumaßnahmen begannen am 22. Mai 1883 mit dem Abbruch der alten Klause. Die Dolomitquader für den Neubau waren bereits im Winter beschafft worden: Der Maurer Andreas Müller aus Uetzing hatte sie an der Ostseite des Staffelbergplateaus gebrochen. Den Bau führte der Staffelsteiner Baumeister Martin Geyer aus, der in der Stadt viele Häuser und Amtsgebäude errichtete. Die Zimmerarbeiten leitete Veit Pförtsch aus Staffelstein.

Die Fuhrwerkbesitzer halfen tatkräftig mit

Die Fuhrwerksbesitzer aus den umliegenden Gemeinden – Romansthal, Stublang, Loffeld, Horschdorf, Wolfsdorf, Grundfeld, Schönbrunn und Unterzettlitz – halfen tatkräftig, indem sie unentgeltlich das Baumaterial an Ort und Stelle brachten. Dies erinnert an den Bau der Adelgundiskapelle 1652/53, als ebenfalls Freiwillige aus den benachbarten Ortschaften Umland Steine, Sand, Holz und Wasser auf den Berg geschafft hatten. Den Schiefer für das Dach stiftete der Besitzer des größten thüringischen Schieferbruchs, Kommerzienrat Karl Oertel in Lehesten. Während der Bauzeit soll Bruder Ivo auf dem Dachboden der Kapelle geschlafen haben.

Am 16. September 1883 wurde die neue „Eremitage“ geweiht. Den Neubau beschrieb der Bezirksbautechniker 1896 wie folgt: „Das Gebäude ist 9,0 m lang, 6,0 m breit, enthält im Erdgeschoß Wohnung für den Eremiten und im Iten Stock 3 kleine Fremdenzimmer von 7,77 bis 10,36 qm Grundfläche.“

Der Bau kostete 5763 Mark, mehr als veranschlagt. Das entsprach dem Jahresgehalt von drei Volksschullehrern. Die Spenden und das Geld, das die Kapellenstiftung ausgeben konnte, reichten nicht aus, um diesen Betrag zu decken; es fehlten 1553 Mark. Deshalb ging Ivo 1884 mit Erlaubnis der Regierung nochmals sammeln, diesmal in den Bezirken Bamberg II und Forchheim. Er erzielte dabei 914 Mark.

Den Rest konnte die Kapellenstiftung aufbringen. Sie verwandte das Kapital, das Ivo Hennemann bei ihr hinterlegt hatte und das ihr nach seinem Tod zufallen sollte. Die heutige Klause ist also allein dank des Einsatzes entstanden, den der Einsiedelmann Ivo Hennemann an den Tag legte.

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